Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)

Die Awaren und ihre Beziehungen zu anderen Völkern - Max Martin: Awarische und germanische Funde in Männergräbern von Linz-Zizlau und Környe. Ein Beitrag zur Chronologie der Awarenzeit

den Awaren seit frühawarischer Zeit neben der Masse der einheimischen Gürtel ver­einzelt auftreten und deshalb separat, als Formengruppe B, anzusprechen wären. 25 Gürtel dieser Formengruppe, an deren Bestandteilen die in den Jahrzehnten um 600 beliebte sog. Punkt-Komma-Ornamentik (s. o.) nicht mehr auftritt, so etwa in dem wohl erst nach 630 vergrabenen Hort von Akalan im europäischen Teil der Türkei (WERNER 1974, Taf. 7,1-6. GARAM 1976, Abb. 2,1-5), wird man dem mittleren Drittel des 7. Jahrhunderts zuweisen dürfen. Eine mit dem Környer Gürtel recht gut vergleichbare Garnitur aus Kiskőrös Grab 53 (GARAM u. a. 1975, 295.297 und Abb. 5,1-8) erhält durch zwei mitgefundene Silbermünzen, Imitatio­nen nach Constans II oder Constantinus IV Pogonatus, einen terminus post quem von etwa 655 oder etwa 670 (DAIM u. LIPPERT 1984, 84f.). Wie im Schlußabschnitt auszuführen ist, werden in Környe die Gürtel der Formengruppen 2-4 im großen ganzen zeitlich aufeinander gefolgt sein, wobei die Vertreter der Formengruppe 2 möglicherweise mit den von Germanen getragenen dreiteiligen Gürteln unserer Formengruppe A zum Teil zeitgleich waren. Welchem Ethnikum gehörten nun in Környe die Besitzer und Träger der vielteiligen Gürtel an, deren Parallelen uns aus manchen früh-und mittelawari­schen Gräberfeldern gut bekannt sind? Waren es wie dort Awaren? Ein Blick auf die in Tabelle Abb. 9 ablesbare Vergesellschaftung von Waffen und Gürtelformen weist auf eine andere Lösung hin: Unter den mit vielteiligen Garnituren kombi­nierten Waffen finden sich sowohl zweischneidige Schwerter (wie bei Inventaren mit Gürtel der Formengruppe A) und zweimal der germanische Schild, aber auch der awarische Köcher mit Rosettenzier (8x) und das einschneidige Schwert (5x). Leider sind die Schwerter von Környe nur unzureichend veröffentlicht und insbe­sondere deren Klingen nicht detailliert beschrieben worden. Von den zehn zwei­schneidigen Exemplaren entsprechen sieben mit ihren massiven, zwischen 4,5 und 5,4 cm breiten Klingen 26 den breiten Spathen, die bei den Gépiden (CSAL­LÁNY 1961, 258) und anderen Germanen üblich waren. Nur gerade zwei recht schlanke Schwerter mit 4 cm (Grab 149) bzw. 4,5 cm (Grab 16) breiter Klinge, viel­leicht auch die fragmentierte Waffe in Grab 100 sind mit den in frühawarischen Kriegergräbern vorkommenden zweischneidigen Schwertern gut vergleichbar. Das schlankste Exemplar aus Grab 149 besaß zudem P-förmige Ösen, wie übri­gens auch die breiteren Waffen der Gräber 75 und 109. Da in Környe breite Schwerter und auch zwei der vier Schildbuckel noch mit vielteiligen Gürteln und Köchern awarischer Form vergesellschaftet sind, vermittelt die Tabelle Abb. 9 weniger den Eindruck zweier getrennt nebeneinander stehender oder sich ablösender Ausstattungsgruppen, sondern das Bild einer allmählichen Preisgabe germanischer zugunsten awarischer Formen. Diese Ablösung ist am ehe­sten, wie schon A. Kiss 1987 annahm, als Angleichung, in diesem Falle als „Awarisie­rung" der bei Környe lebenden germanischen, wohl gepidischen Bevölkerung zu in­terpretieren. Voraussetzung ist hierbei, daß die in Környe auftretenden Formengrup­pen der Gürtel im großen ganzen wie in Abb. 9 dargestellt aufeinander gefolgt sind. ZUR ABSOLUTEN DATIERUNG DER IN KÖRNYE VERTRETENEN VIELTEILIGEN GÜRTELGARNITUREN Die tauschierten dreiteiligen Gürtel der Formengruppe A lassen sich anhand der merowingischen Chronologie, wie oben erörtert, recht zuverlässig dem späten 73

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