Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)

Die awarischer Kultur - Péter Tomka: Die Frage der etnischen oder kulturellen Verwandtschaft bzw. interethnischer Wirkung im Spiegel der Begräbnissitten

Sondererscheinungen, wie Sichel-Beigaben treten auf und bleiben konti­nuierlich im Gebrauch (SOMOGYI 1982). Die Begräbnisbräuche sind zwar nicht unverändert, aber zeigen keine auf ein­mal und eben am Beginn der Spätawarenzeit auftretenden wesentlichen Erneue­rungen. Die Bräuche bezeugen nicht die angenommene dritte Einwanderung. Die Gültigkeit dieser Behauptung möchte ich im Folgenden mit zwei Beispielen noch überprüfen. a) In dem Gräberfeld von Kisköre hat Éva Garam einen Bruch zwischen dem mittelawarischen und dem spätawarischen Teil festgestellt, sie hat es auch mit Veränderungen der Brauchtümer unterstützt (GARAM 1979). Ich habe schon in meiner Rezension darauf hingewiesen, dass hier die Bedeutung der wirklich exi­stierenden Unterschiede übergewertet ist (TOMKA 1981,394-395). Dort habe ich aber keine Möglichkeit gehabt, mich mit der Frage beschäftigen zu können. Das möchte ich hier nachholen. Tatsache ist, dass der spätawarenzeitliche Teil des Gräberfeldes sich an die 1. Generation der Mittelawaren knüpft, also eine Neuordnung des Areals stattgefun­den hat. Aber schon É. Garam hat darauf hingewiesen, dass in diesem späteren Teil noch mittelawarische Frauentracht zu finden ist. Auch andere Veränderun­gen zeigen eher ein Kontinuum als einen Bruch. Die „symbolischen" Gräber waren in der Tat in dem MA-Teil häufiger, 2 davon sind doch im Inneren des SpA­Teiles vorgekommen. Unregelmässige Lage konnte man auch in der SpA-Zeit bemerken - in diesem Gräberfeld wirklich nur in geringerer Zahl. Anderswo sind solche Gräber direkt für die Spätzeit kennzeichnend. Die Tierknochen sind in der ersten Gruppe des SpA-Gräberfeldes noch vorhanden, die Gefässe fehlten in der Phase MA-1 ebenso wie später, aber eins kommt mit SpA-Mantelschüssen zusam­men vor. Doppelgräber, gestörte Gräber, zusammengebundene Tote sind in grös­serer Zahl im SpA-Teil auffindbar - aber nicht ausnahmslos dort. Ein Doppelgrab befindet sich in dem früheren Teil, dasselbe kann man von dem Schädelraub behaupten. Weitere 8 Gräber sind zerstört aufgefunden, davon 2 gerade in MA­Zeit. Das Gräberfeld von Kisköre ist ein Musterbeispiel dafür, dass sich die Brauchelemente im Laufe der Zeit veränderten: die Angst vor dem wiederkehren­den Gespenst war in der Spätawarenzeit stärker ausgeprägt. Die Waffenbeigaben verschwinden nur in der 2. Phase der SpA-Zeit. Weil auch andere (nicht direkt zum Brauchtum gehörende) Erscheinungen ebenfalls durchläufig sind (Ver­armungsprozess, Trachtveränderungen), ist es wohl anzunehmen, dass die andersartige Sozialstruktur in den zwei Gräberfeldteilen nicht das Ergebnis einer Migration, sondern der inneren Entwicklung gewesen ist. b) Noch schwieriger scheinen die Argumente von Attila Kiss, aufgrund Stati­stiken der Gräberfelder auf dem Gebiet des Komitats Baranya (KISS 1977, 153, Fig.71), zu sein. Auffallend ist, dass eine Reihe von neuen Gräberfeldernin der Mittelawarenzeit eröffnet wurde (16), noch mehr dann wieder in der Spätawaren­zeit (24) - dabei sind die mittelawarischen Gräberfelder ungestört weiterbenutzt worden (Boly, Feked-1, Gyód, Szebény -1 usw.). Wenn man diese „neubegründe­ten" Gräberfelder näher betrachtet, kann man behaupten, dass diese mit vielleicht drei Ausnahmen von 24 nur Streufunde, einige gerettete Gräber oder kleinere Gräberfeldabschnitte von grösseren Gräberfeldern bergen, wo wir die richtige Begründungszeit überhaupt nicht kennen (Babarc: 5 Gräber; Bár: Streufund; Boly-József A. Str.: Streufund; Dunaszekcső: Streufunde; Erzsébet-Doríinnere: 166

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