Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)

Die awarischer Kultur - Péter Tomka: Die Frage der etnischen oder kulturellen Verwandtschaft bzw. interethnischer Wirkung im Spiegel der Begräbnissitten

tannien bzw. die Franken in Gallien - sofern sie in römische Dienste traten - ihrer traditionellen Brandbestattung zugunsten die im Reichsgebiet übliche Körperbe­stattung aufgaben (BÖHME 1988,30). In gewissen Fällen kann man solche Ver­änderungen auf überethnische ideologische Einwirkung zurückfuhren: solche Effekte haben die Weltreligionen gehabt. In der lamaistischen Mongolei hat die Hinauslegung der Toten die einstige Beerdigung völlig verdrängt. Unter einer muslimischen Orientierung nach Mekka ist es kaum möglich, die ehemalige Viel­falt der Gebräuche wahrzunehmen. Die Vertiefung der Christianisierung hat zu der Uniformierung der Begräbnisse anstatt der früheren heidnischen Körperbe­stattung der Bulgarotürken und des Brandritus der Bulgaroslawen in dem Gebiet Donau-Bulgarien geführt. Gibt es also keine Hoffnung, in dem Kreis der archäologisch fassbaren Begräbnisbräuche gruppenspezifische Züge zu entdecken? Die Lehre der Eth­nologie gibt uns doch beruhigende Beispiele. Man muss nur vielleicht ebenso viele Voraussetzungen stellen, wie H. Steuer anlässlich der Auswertung der Grä­berfelder aus sozialgeschichtlicher Sicht gestellt hat (STEUER 1982). Wenn wir nun bestimmen möchten, ob einige Elemente übernommen wurden oder sich selbstständig entwickelten, müssen wir die bekannten Kriterien der Form, der Quantität und der Kontinuität (in zeitlichem und geographischem Sinn) im Auge behalten (BIRKET-SMITH 1941-42,48=1969,18). Archäologen können nur dokumentierte Erscheinungen vergleichen. Wenn wir im Laufe der Vergleiche (zwischen Gräbern, Gräberfeldern, kleineren und grösseren Gebieten; gleichzeitig oder nacheinander) gleiche Erscheinungen gefunden haben, müssen wir noch überlegen, dass solche Identitäten (natürlich mit Variationen) verschiedene Ursachen haben können. Man muss nicht immer auf gemeinsamen Ursprung (lineare Abstammung) folgern. Als Ursachen können noch Assimilation, interethnische Wirkung, gemeinsames Substrat, gleichzeitige Einwirkung von einer dritten Gruppe und auch die Konvergenz in Frage kom­men. Wir müssen auch bedenken, das die Erscheinung einer neuen Bevölkerung archäologisch wahrzunehmen ist: 1) wenn die alte und die neue Völkergruppe markante, charakteristische Züge hat und diese sich voneinander unterscheiden; 2) wenn sie ihre eigenen Sitten auch nach der Einwanderung beibehalten haben; 3) wenn eine der beiden - mindestens zum Teil - ihre Sonderstellung auch terri­torial manifestieren konnte (sonst wäre es nur ein Glücksfall, die verschiedenen Elemente aus einer gemischt benützten Siedlungskammer aussondern zu kön­nen); 4) theoretisch darf man auch mit einer Möglichkeit rechnen, wenn die neuen Ankömmlinge die alte Gruppe völlig vernichtet, vertrieben, also einfach abgelöst haben - in Wirklichkeit ist dieser Fall unter frühmittelalterlichen Verhältnissen eher eine Ausnahme. Wenden wir uns nach diesen Überlegungen unserem Versuchsfeld zu. Ich möchte die Möglichkeiten der Brauchtumforschung in einem der „neuralgischen Punkte" der Awarenzeit auf die Probe stellen. Wie gesagt, es geht um die sog. zweite Einwanderung im Laufe der Awarenzeit. Ich will jetzt die Geschichte der Forschung nicht schildern. Soviel ist allge­mein bekannt, dass man erst die gemeinsamen Züge, die organische Entwicklung betont hat, dann haben die Anhänger der Migrationstheorie die Unterschiede zwi­schen Früh- und Spätawarenzeit hervorgehoben. In der ursprünglichen Form rechnete man gleichzeitig mit der „späten Blechgruppe" und der „Greifen-Ranken 164

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