Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 13. (Szekszárd, 1986)

Jan Lichardus: Lengyel IV und dessen kulturelle Vermittlerrolle bei der Herausbildung der frühen Kupferzeit Mitteleuropas

treten in Württemberg die Gruppen Schwieberdingen und Aichbühl auf. Hierzu gehört zweifellos auch das neuerdings veröffentlichte Material aus der Siedlung von Schernau (LÜNING 1981) im bayerischen Unterfranken, das sich nicht nur in der Keramik, sondern auch im Hausbau von Rossen III (Bischheim) unterschei­det. Das erste Auftreten von Kupfergeräten sowie Kupferschmuck in Schernau paßt gut in den Rahmen dieser östlichen Verbindungen (LÜNING 1981,141). Die Situation in Niederbayern ist noch nicht ganz klar, obwohl hier ein „bayerisches Aichbühl" vermutet werden kann (LICHARDUS 1974, 46). Vergleichbare For­men an Aichbühler Keramik sind sogar bis ins Pilsener Becken in Böhmen zu ver­folgen (NEUSTUPNY 1961, 313 ff.). Obwohl die Zonen A und B einerseits, die Zonen C und D andererseits starke Einflüsse aus dem zentralen Lengyel-Bereich empfangen haben, können dennoch in allen vier Zonen bestimmte Gemeinsamkeiten festgestellt werden. Überein­stimmend treten überall erste Schmuckstücke und Geräte aus Kupfer auf, und der Formenbestand der Keramik verändert sich, insbesondere durch das Hinzukom­men von neuen Formen wie: Fusschale, Ösenbecher, Amphore, Kanne, profilier­ter Becher und Topf. Selbst die Steinäxte dieser Zeit - wie es schon J. Driehaus er­kannt hatte - gehen auf Lengyel-Vorbilder zurück (DRIEHAUS 1960,7). Es zeigt sich aber auch, dass sich in der vom Lengyel-Kerngebiet am weitesten entfernten Zone D die einheimischen Traditionen, vor allem die Disposition, die Verzie­rungstechniken und die Motive der Keramik stärker hielten als in den Gebieten, die unmittelbar an den zentralen Lengyel-Bereich angrenzten. Dort, wo Lengyel-Einflüsse nicht hinreichten, wie z. B. im unteren Oderge­biet oder in Kujawien lebte die Stichbandkeramik weiter bis in die frühe Kupfer­zeit. Ähnlich kam es auch im westlichen Gebiet der Post-Rössener-Gruppen im Elsass (Entzheim), in Belgien (Givry) und im Pariser Becken (Menneville) zu ei­ner Fortsetzung der späten Rössener Traditionen ohne Lengyel-Einflüsse. Diese Beobachtungen bestätigen somit auch weiterhin die Feststellung (LI­CHARDUS 1976,211), dass die Lengyel IV-Kultur keine Bedeutung bei der Her­ausbildung der frühen Trichterbecher-Kulturen (Tricherbecher A, frühes Mi­chelsberg d. h. Lüning II) besass, sondern dass sich der frühkupferzeitliche Len­gyel- und der Trichterbecher- Komplex, von Anfang an, in verschiedenen Gebie­ten nebeneinander entwickelten. Daraus ergibt sich, dass in Mitteleuropa neben der frühkupferzeitlichen len­gyel IV- Kultur und den durch diese beeinflussten Entwicklungen in den Zonen A-C noch vier andere, gleichzeitige Kulturen bestanden, und zwar: 1) Die Poströssener Gruppen im westlichen Mittel - und in Westeuropa, 2) die Post-Stichbandkeramischen Gruppen im Oder-Gebiet, 3) die Trichterbecher A - Kultur in Polen, Norddeutschland und Südskandi­navien, 4) die frühe Michelsberger Kultur (Lüning II) in Südwest - und Nordwest­Deutschland. Für die Weiterentwicklung der frühen Kupferzeit ist die Feststellung wichtig, dass die Lengyel-Kultur nach deren Stufe IV (Brodzany-Nitra) keine überregiona­le Ausstrahlung mehr ausübte, was zu ganz bestimmten regionalen Veränderun­gen führte. So kam es im Bereich von Brodzany-Nitra zur Entstehung der Ludani­ce-Gruppe (Lengyel V), in Kleinpolen entstand die Zlotniky-Gruppe, in Schlesien,

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