Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 13. (Szekszárd, 1986)

Jan Lichardus: Lengyel IV und dessen kulturelle Vermittlerrolle bei der Herausbildung der frühen Kupferzeit Mitteleuropas

Lengyel IV und dessen kulturelle Vermittlerrolle bei der Herausbildung der frühen Kupferzeit Mitteleuropas JAN LICHARDUS, Saarbrücken Mit einem Abstand von mehr als 20 Jahren - und obwohl die Veröffentli­chungen von Grossgrabungen wie Aszód, Svodin, Nitriansky Hradok und Teseti­ce noch ausstehen - kann man heute doch sagen, dass die damals auf Grund der slowakischen Materialien erarbeitete zeitliche Gliederung der Lengyel-Kultur ihre Bestätigung fand (Abb. 1) (LICHARDUS-VLADÁR 1964, 69 ff.; TOCIK-LI­CHARDUS 1966, 1 ff.). Aufbauend auf dieser funfstufigen Gliederung ist eine mehr kulturgeschichtlich orientierte Betrachtungsweise der Lengyel-Kultur von besonderem Interesse, weil diese Kultur im Verlaufe ihrer Entwicklung in unter­schiedlicher Intensität auf die westlich und nördlich angrenzenden Kulturen ein­wirkte. Veränderungen und Verschiebungen des Verbreitungsgebietes zeugen von Vorstössen und Rückzügen im Laufe der Zeit und lassen unter anderem auch erkennen, von welcher Art die Einwirkungen auf die Nachbarkulturen waren. Empfänger von Impulsen war zunächst die Kultur der Stichbandkeramik. Während in Böhmen in stichbandkeramischem Zusammenhang bereits Lengyel I-Keramikimporte aufreten, führte das Zusammentreffen von Stichbandkeramik der Stufe IVa und frühem Lengyel in Kleinpolen ganz offenbar zur Entstehung ei­ner neuen und selbständigen Erscheinung, nämlich der sogenannten Samborzec­Gruppe (KAMIENSKA 1969, 207 ff.). Während der Stufe Lengyel II kam es in den zentralen Gebieten dieser Kultur zu regionalen Entwicklungen und zu einer gewissen Stagnation, was in den peri­pheren Gebieten zu einer Wiedererstarkung der Stichbandkeramik führte. Die Entstehung der Malice-Gruppe in Kleinpolen ist dafür ein gutes Beispiel. Mit der Stufe III beginnt die Lengyel-Kultur erneut an Macht und Einfluss zu gewinnen. In Böhmen treten wiederum Lengyel-Importe auf und in Kleinpolen entsteht Pleszów, eine regional geprägte Gruppe, die offenbar ohne stichbandke­ramische Anteile, ausschliesslich aus Lengyel III hervorgegangen ist (KULCZYC­KA-LECIEJEWICZOWA 1979, 113 ff.). Die besondere Bedeutung der klein­polnischen Gebiete ist wohl auch durch deren reiche Silexvorkommen begründ­bar; im zentralen Gebiet der Lengyel-Kultur fand Silex dieser Herkunft starke Verwendung. Für die Zeit des späten Neolithikums lässt sich somit feststellen, dass enge Kontakte, Wechselwirkungen und gebietsweise Verlagerungen zwischen Lengyel I bis III und der nordwestlich benachbarten Kultur der Stichbandkeramik bestan-

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