Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 13. (Szekszárd, 1986)
Dieter Kaufmann: Der Spätlengyel-Horizont im älteren Mittelneolithikum des Elbe-Saale-Gebietes
A. NAGEL (1882,143) teilte mit, daß bereits Jahrzehnte vor Beginn der durch seinen Bruder und schließlich ihn selbst vorgenommenen Bergungsarbeiten (diese Untersuchungen erfolgten 1879-1890) Funde festgestellt worden sind, „die auf eine grössere Grabstätte ... hinweisen." Wenn er (1882,143; 1887,19) ausdrücklich hervorhebt, daß „sich das Gräberfeld auf einem Komplex von mehreren Morgen erstrecken würde", so erscheint mir die Zahl von annähernd 90 gesicherten Skelettfunden und einigen Einzelfunden, die aus weiteren Grabfunden stammen dürften (also etwa 100 Grabanlagen, KROITZSCH 1973, 101), insgesamt zu gering, zumal A. NAGEL nicht auf bereits durch Steinbrucharbeiten zerstörte Flälchen hinweist. Es könnten angesichts auch des außergewöhnlichen Beigabenreichtums manche Gräber nicht erkannt, andere anhand von Beigaben neu zusammengestellt worden sein. Das Vorkommen von typischen Schmuckgegenständen u. a. der Rössener Kultur in den Gräbern der Gaterslebener Gruppe auf dem Rössener Gräberfeld muß zudem verwundern, da die meisten - und hier, aber auch nur auf die Lokalität bei Rossen bezogen, stimme ich J. LICHARDUS (1976) zu - Gaterslebener Gräber jünger sind als die der Rössener Kultur. Das heißt, daß prinzipiell von einer Gleichzeitigkeit zwischen den Rössener und Gaterslebener Gräbern auf der Nekropole Rossen nicht ausgegangen werden darf. 5. Vgl. K. KROITZSCH 1973,11. Grundsätzlich sind die nach formaltypologischen Erwägungen von H. BEHRENS (1968,77) vorgeschlagenen Kriterien, wonach für die Rössener Keramik der Rundboden und für die Gaterslebener Tonware der Flachboden kennzeichnend seien, nicht aufrechtzuerhalten. Eine solche Auffassung hat letztlich zu ahistorischen Ergebnissen geführt, da sie die gesamte Entwicklung der Gaterslebener Gruppe außer acht läßt. Verfasser geht davon aus, daß beispielsweise in der älteren Gaterslebener Gruppe, die sich aus der späten Stichbandkeramik auf der Grundlage starker Einflüsse aus dem Lengyelbereich und der frühen Rössener Kultur entwickelt hat, durchaus der Rundboden bzw. der abgeflachte Rundboden, und vereinzelt noch eine weiche Profilgebung auftreten können. Am ehesten dürften derartige Unterscheidungskriterien (Flachboden, eckiger Umbruch, Verzierungslosigkeit) - obwohl man allmählich von zu formalen Aspekten in der chronologischen Bewertung der Keramik abgehen sollte - noch für die mittlere Gaterslebener Gruppe zutreffen. Ordnet man unter diesem Blickwinkel, unsere quellenkritischen Bemerkungen zum Gräberfeld Rossen einmal außer acht lassend, die Grabkomplexe archäologisch-kulturell zu, würde man erneut zu anderen Ergebnissen gelangen. Beispielsweise wäre eine Zurodnung der Gefaßbeigaben von Grab 3 (F. NIQUET 1938, Taf. 3,3) in die ältere Gaterslebener Gruppe in Erwägung zu ziehen. Andererseits stünden sich in Grab 11 (F. NIQUET 1938, Taf. 7,11) möglicherweise ein Gefaäß der älteren und ein solches der jüngeren Gaterslebener Gruppe gegenüber. Auch diese Beobachtungen belegen, daß bei der Betrachtung der Rössener Grabfunde Vorsicht geboten ist. 6. Es kann selbstverständlich nicht ausgeschlossen werden, daß aus chronologischen Gründen in Grabkomplexen Fundkombinationen beider archäologischer Kulturen auftreten können, doch sollten hier in erster Linie neuere, wissenschaftlich geborgene Grabfunde zur Auswertung herangezogen werden. 7. So sind aus dem Katalog bei K> KROITZSCH (1973,89-126) nicht nur zweifelhafte oder anderen neolithischen archäologischen Kulturen zugehörige Funde ausgesondert worden, sondern auch solche, die dem Typus Gröna zugerechnet werden. Obwohl die Möglichkeit besteht, daß einige der ohne weitere datierende Beifunde geborgenen Amphoren des Spätlengyel-Horizontes zur Gaterslebener Gruppe gestellt werden müssen, werden sie hier getrennt aufgeführt. Die Legende zur Karet 1 enthält die Angaben zu den Fundorten, die Keramik aus den einzelnen Abschnitten der Entwicklung während des Spätlengyel-Horizontes im Elbe-Saale-Gebiet erbracht haben. 8. Hier dürfte auch ein zweigliedriger Topf von Königsaue, Kr. Aschersleben, mit hohem gerundetem Umbruch, der paarig eingedrückte Fingerkniffe aufweist, und leicht konkavem Oberteil einzuordnen sein (Landesmuseum Halle 58:44, vgl. V. TOEPFER 1956,241 ff.). Dieses Gefäß, das auf dem Umbruch nebenständige Grübchen besitzt, erinnert an ein Gefäß von Radöice (J. LÜNING 1976, Taf. 73, 3), das allerdings dicht oberhalb des Umbruches Knubben aufweist. 9. Noch deutlicher hat J. LICHARDUS (1976,90, Abb. 59 und Abb. 77) die Ansicht vertreten, daß im Saalegebiet bereits die Rössener Kultur verbreitet war, als in Böhmen noch die späte Stichbandkeramik existierte. 10. Eine Autopsie der Funde war leider nicht möglich, da das Material z. Z. im Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden nicht zugänglich ist. Zu den Grubenfunden von Dresden-Nickern äußert sich K. KROITZSCH (1973,45): „Angesichts des Inhaltes der Gruben 139-141 von Dresden-Nikkern (s. Katalog) sollte man ernsthaft in Erwägung ziehen, ob nicht die Gaterslebener Spätphase mit Jordansmühl korrespondierte oder hier ein Nachleben von Elementen sichtbar wird, die man vielleicht auch nicht direkt in Gatersleben, so doch in seiner Lengyelumgebung zu suchen hat." 286