Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 13. (Szekszárd, 1986)
Nándor Kalicz: Über das spätneolothische Siedlungswesen in Ungarn
Aus den oben Gesagten ist ersichtlich, dass zwischen Theiß- und HerpályKultur deutliche Unterschiede hinsichtlich des Siedlungswesen bestehen. In der Theiß-Kultur sind einshichtige größere und kleinere Siedlungen charakteristisch und deswegen sind die 13-15 Teil- und teilartigen Siedlungen in deren südlichen Verbreitungsgebiet besonders auffallend. Sie verteilen sich ziemlich ungleichmäßig entlang der Körös-Flußläufe und der südlichen Theiß - manhcmal auf nur wenigen km 2 - mehrere Tellsiedlungen (MAKKY 1982, 176) (Abb. 1). Ihre Größe schwankt zwischen 1,5-10 ha. Bei den größeren Teil- bzw tellartigen Siedlungen ist die Siedlungskonzentration besonders auffallend, da die einschichtigen Siedlungen meistens eine kleinere Räche einnehmen. Der größte, aus Ungarn bekannte Teil von typischer Form ist Vésztő-Mágor mit nur 3,8 ha (MRT 6, 1982, Abb. 18); in seiner Nähe liegt Szeghalom mit einem kleineren Teil von typischer Form mit 1,3 ha (BAKAY 1971, 140-144; MRT 6, 1982, Abb. 11). Es gibt Theorien, wonach die großen Teil- oder teilartigen Siedlungen der Theiß-Kultur das Ergebnis hierarchischen Beziehungen zu den kleineren, einschichtigen Siedlungen der Umgebung sind (MAKKAY 1982,104-164). Die kleineren einschichtigen Siedlungen hätten dabei nur die Funktion von Gehöften gehabt, die in erreichbarer Nähe einerseits der Felder, andererseits der großen Zentralsiedlungen lagen. Diese Hypothese reicht aber als Erklärung für das Vorhandensein großer Teil- oder teilartigen Siedlungen aus mehreren Gründen nicht aus: - Sie befinden sich nur im südlichen Verbreitungsgebiet der Theiß-Kultur. - Ihre Entfernung voneinander ist unterschiedlich, manchmal gruppiert. - Die bisherige Forschung ergab keine spezifischen Merkmale für eine hierarchische Siedlungsstruktur. - Diese größeren Teilsiedlungen befinden sich in der Regel im Gebiet des Zusammenflusses mehrerer Flüsse und entlang der größeren Flüsse, damit wahrscheinlich auch im Kreuzungsbereich wichtiger Verkehrswege. Meiner Meinung nach verdanken sie ihre Größe und Bedeutung vor allem ihrer geographischen Lage und den sich daraus ergebenden Möglichkeiten. Es ist jedoch nicht auszuschließen, daß sie eine gewisse Zentralfunktion kultischer, sozialer oder anderer Art innenhatten. Wir können aber diese Zentralfunktion nicht als Zeichen für eine typische hierarchische Siedlungsstruktur werten. Die Bedingungen ermöglichten eine längere Besiedlunsdauer möglicherweise auch für größere Menschengruppen. Um dies aber weiter interpretieren zu können, müssen wir das Phänomen einer vielseitigen, weiteren Prüfung unterziehen. Die Größenunterschiede der Teil- bzw teilartigen Siedlungen könnte man auch mit unterschiedlicher Bebauungsdichte erklären. Bei der größten teilartigen Siedlung der Theiß-Kultur - Szegvár - kennen wir die Bebauungsdichte noch nicht eingehend. Wir müssen also die Möglichkeit einer lockeren Bebauung in Erwägung ziehen (CSALOG 1959,10; 1965, Abb. 6; KOREK 1972). Bei jeder großen Teil- bzw teilartigen Siedlung besteht auch die Möglichkeit, daß in einer Siedlungsphase nicht das ganze Areal, sondern nur ein Teil davon bebaut war. Dazu bieten die bisher gegrabenen Teil- bzw teilartigen Siedlungen gute Beispiele, wo sich innerhalb der Siedlung, aber von Wohnstätten getrennt, Bestattungen (Gräbergruppen) befinden. (Hódmezővásárhely-Kökénydomb: BANNER 1930, 28-36, 82-88; 1951, 33, 36; BANNER-FOLTINY 1945, 9, 15; Gorzsa: GAZDAPUSZTAI 1963,27-30,47; 1969,127-128; HORVÁTH 1980,239; 1982,295; 1983, 9 129