Szilágyi Miklós (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 6-7. (Szekszárd, 1977)
Gémes Balázs: Die Schäferlanden und die Frage der Schäferzunft in Mezőföld im 18–19. Jh.
Balázs Gémes DIE SCHÄFERLADEN UND DIE FRAGE DER SCHÄFERZUNFT IN MEZŐFÖLD IM 18—19. JH. Im Aufsatz werden drei, in den ungarischen ethnographischen Forschungen wenig untersuchte Probleme aufgeworfen. Im ersten Teil gibt Verfasser solche Schäferladen bekannt, die das „Zeichen" der Beschäftigung an sich tragen (Schäfer mit Schafen, mit einem Esel). Solche, vom ungarischen Gebiet stammende Kisten wurden bislang noch nicht bekanntgegeben. Die Erinnerungen der Besitzer solcher Kisten lassen darauf schliessen, dass im Gebiet Osttransdanubiens (Komitat Fejér und Tolna) im Kreise der Schäfer zunftartige Gebräuche gelebt haben. Da die Besitzer der Kisten Schäfer deutscher Herkunft waren, untersucht Verfasser, ob di e Traditionen der deutschen Schäferzünfte eventuell hier in Ungarn nicht weitergelebt hätten. In Westungarn Hessen sich im 18—19. Jh. deutsche Schäferfamilien in grosser Zahl nieder. Die Ansiedlung hing grösstenteils auch mit einem „Rassenwechsel" zusammen: zu dieser Zeit verbreiteten sich in dieser Gegend, insbesondere infolge deutscher Vermittlung die Merinoschafrassen spanischer Herkunft. Im Zusammenhang mit diesen deutschen Schäferfamilien bildete sich in der ungarischen ethnographischen Literatur der Standpunkt aus, dass sie in Székesfehérvár (Komitat Fejér) eine Zunft gebildet und in dem Zunftleben ähnlichem Rahmen gelebt haben. Dies scheint sowohl das Vorhandensein der den Laden der Zünfte angehörenden Handwerkergesellen ähnlichen Schäferkisten, wie auch das mit diesen verbundene rezente Datenmaterial zu unterstützen. Mit der Zunftorganisation zusammenhängende andere Daten konnten bisher nicht entdeckt werden. Verfasser musste deshalb das örtliche Archivmaterial aus dem 18—19. Jh. eingehend untersuchen, wobei er zu dem Schluss kam, dass es in Székesfehérvár, wenn es solche Bestrebungen auch gegeben haben konnte, nie zur Gründung einer Schäferzunft gekommen ist. Die Stadt war trotz dessen ein wichtiger Treffpunkt der Schäfer: jährlich einmal (am 29. September, Tag des Hl. Michaels) kamen die Schäfer für drei Tage unter der „Fahne der Schäfer" aus mehreren Komitaten zusammen, nahmen an einer Prozession und einem gemeinsamen Gottesdienst teil und unterhielten sich. Zu dieser Zeit wurden auch die Verdingungen abgeschlossen. Die auf eine zunftartige Organisation verweisenden Daten lassen sich nur so erklären, dass die sich früher in deutschen Gebieten ausgebildeten Zunftgebräuche ausserordentlich lang ausgeübt wurden, worüber uns aus dem ungarischen ethnographischen Material auch mit anderen Zünften im Zusammenhang zahlreiche Beispiele bekannt sind. 197 ,JO