Istvánovits Eszter: International Connections... (Jósa András Múzeum Kiadványai 47. Aszód-Nyíregyháza, 2001)
Piotr Luczkiewicz: Zum Problem der frühesten germanischen Waffenfunde südlich der Karpaten
Die von U. Schaaff (SCHAAFF 1986, Karte Abb. 25) dargelegte Fundkarte zeigt, mit neusten Ergänzungen (LUCZKIEWICZ im Druck), daß die relevanten Funde schwerpunkthaft im germanischen Milieu verbreitet sind (21 Fundorte), vereinzelt sind sie auch in West- und Südosteuropa vertreten (mindestens 8 Fundorte). Einige von diesen Schwertern waren mit Rundschildbuckeln vergesellschaftet, so z. B. auf dem Gräberfeld von Verdun (Slowenien) (BRESCAK 1989, 12). Diese speziellen Schildbeschläge sind aber einheimischen, balkanischen Typs (vgl. oben). Die Frage nach der kulturellen Zugehörigkeit der Schwertscheiden mit Leitermuster und sporenförmigen Ortbändern ist also bis heute kaum zu beantworten und läßt keine eindeutigen Schlüsse zu. Der germanische Ursprung der balkanischen Exemplare soll aber in Zweifel gezogen werden. Besondere Beachtung verdient im diskutierten Problemkreis eine verzierte Lanzenspitze von unbekanntem Fundort aus Nordungarn (Abb. 7), die von Tackenberg mit Recht als germanisches Exemplar veröffentlicht wurde (TACKENBERG 1928, 6367). Dennoch ist diese Annahme weiter zu präzisieren. Diese Lanzenspitze weist eine Verzierung in Form von geätzten, unregelmäßigen Tupfen auf. Solche Waffen besitzen ihren Verbreitungsschwerpunkt im Ostgermanien, Beispiele sind die Exemplare von Rumia (Polen) (PIETRZAK 1987, 73, ryc. LXXXVT) und Kowalowice (Kaulwitz, Polen) (PESCHECK 1939, 153, Abb. 287), in anderen Fundlandschaften sind sie dagegen kaum bekannt. Im balkanischen Milieu treten hingegen ausschließlich die Formen auf, die mit zwei Reihen geätzter Halbmonde bzw. Dreiecke versehen sind, wie z.B. aus BeogradKaraburma Grab 28 (TODOROVIC 1972, Taf. IX: 3-4) (Abb. 8) und Rospi Cuprija Grab 27 (GARASANIN 1960, 429, Abb. 1). Diese spezifisch östliche Waffengruppe ist vor allem aus der Umgebung von Beograd, dem Kerngebiet der Skordisker, und vereinzelt im thrakischen Milieu bekannt. Obwohl im Fall der Lanzenspitze aus Nordungarn die Fundumstände und eventuelle Begleitfunde unbekannt sind, so könnte dieses Stück die Anwesenheit eines germanischen Kriegers im Pannonién belegen. Als Importgut erscheint eine einzelne Lanzenspitze hingegen kaum vorstellbar. Fassen wir die bisherigen Ergebnisse zusammen: Die einzigen Waffenfunde, die sicher den Germanen zugeschrieben werden können und die sichere Erkenntnisse zu germanischen Wanderungen nach Süden schon während der ausgehenden vorrömischen Eisenzeit erlauben, sind die Grabinventare von Cifer, Ihriste und der Einzelfund der verzierten Lanzenspitze aus Nordungarn. Doch gibt es noch eine Reihe archäologische Funde und Befunde, die eine gewisse Mobilität nach Süden und Südosten bestätigen können und Wanderungsrichtungen zu markieren scheinen. In Tschechien wurden ostgermanische Spuren am Ende der Latènezeit registriert. Im Fall des für die Kobyler Gruppe eponymen Gräberfeldes von Kobyly, Bez. Turnov (MÄHLING 1944), ist mit einem Eindringen einer nichtkeltischen Bevölkerungsgruppe zu rechnen. Sowohl die Waffenformen als auch der Brauch der Waffenbeigabe scheint im einheimischen Milieu fremd zu sein; beide knüpfen an die Przeworsk-Kultur an. Die spärlich vertretenen Waffenfunde ostgermanischen Charakters in der Westukraine müssen mit Wanderungen bzw. einer Migration der Krieger aus dem Kerngebiet der Przeworsk-Kultur in Verbindung zu bringen sein. Die verzierten Lanzenspitzen und zweischneidigen Schwerter von Drohitsivka (Drohiczówka), Chotymyr (Chocimierz), Hriniv (Hryniów), Markowa, Zablocie und Zadariv (Zadarów) finden ihre direkten