Istvánovits Eszter: International Connections... (Jósa András Múzeum Kiadványai 47. Aszód-Nyíregyháza, 2001)
Boris V. Magomedov: Die Cernjachov-Marosszentanna/Sîntana de Mureç-Kultur in der Karpatenregion
Es heißt, daß die Lipitza-Kultur (1.-2. Jahrhundert) vom Stamm der Kostoboken begründet wurde (SMISZKO 1932, 178; VAKULENKO 1977, 81; SCUKIN 1979; QGILIK 1975, 148-150). Die Kostoboken lebten nördlich von Dazien und wurden gegen das Jahr 170 von Vandalen-Asdingen niedergerungen. Die Asdingen gehörten zum Verband der vandalischen Stämmen, die man an die Przeworsk-Kultur bindet. Waffen enthaltende Przeworsk-Gräber erscheinen sporadisch im Raum des oberen Dnjestr und auch in Gräberfeldern der Lipitza-Kultur (Gryniv, Zvenigorod, Kapustincy, Dobrostany) (KOZAK 1984,12-16). Diese Kriegergräber könnten die Spuren der vanda-lischen Kriegsexpedition sein, die der Grund für den Untergang des Stammes der Kostoboken war. Reste des Stammes schlössen sich (gemeinsam mit einer Gruppe der Zubritzka-Kultur) der Bevölkerung an, von der die Denkmäler des Typs Cerepin-Teremtzy stammen, und lösten sich später unter den Slawen der Praga-Kultur endgültig auf. Die spätrömische Karpatenhügel-Kultur hatte ebenfalls eine Beziehung zur slawischen Ethnogenese. Ihre Denkmäler finden sich in den Vorgebirgsgegenden der Oberläufe von Dnjestr und Prut und auch im nördlichen Moldau; ein ähnlicher Bestattungsbrauch ist westlich der Karpaten bekannt. Der Prozeß der Entstehung der Karpatenhügel-Kultur ist in vielem unklar, doch als sein Ausgangspunkt gilt die Umsetzung der Stämme nach der römischen Eroberung Daziens (MIHÀILESCU-BÎRLIBA 1997, 837). Zweifellos trägt die Kultur thrakische Züge. Als ihre Träger vermutet man einen Stamm der Carpen (SMISZKO 1960, 151), die gemischte Bevölkerung der Przeworsk-Kultur (das heißt die Vandalen-Asdingen) und der Lipitza-Kultur (MIHÀILESCU-BÎRLIBA 1980, 206-207) sowie die Kostoboken und Daker (KOTIGOROSKO 1991, 12-13). L. Vakulenko sonderte in Materialien der Siedlungen der ukrainischen Ostkarpaten außer dem thrakischen Element auch das präslawische Element ab; das spezifische Gewicht des letzteren Elements steigt in der Schlußetappe der Kultur zu (VAKULENKO 1977, 76-89). Man kann es so erklären, daß sich die Bevölkerung der Denkmäler des Typs Cerepin-Teremtzy vom Dnjestr bis an das rechte Ufer des Flusses Prut erstreckte. Dieser slawische Teil der Bevölkerung der Cernjachov-Marosszentanna/Sîntana de Mureç-Kultur assimilierte die lokale Bevölkerung der Karpatenhügel-Kultur. Die deutliche territoriale und typologische Abgrenzung der beiden Kulturen wird in der Hunnenzeit von den gemeinen slawischen Merkmalen ersetzt (TIMOSCUK 1984). Anscheinend war die Bevölkerung der Karpatenhügel-Kultur eine der letzten Splittergruppen der „freien Daker", die ihre Eigenart gegenüber den germanischen Stämmen selbst unter den Umständen der Bergisolierung beibehalten, der slawischen Assimilierung jedoch nicht widerstehen konnten. Im 5. Jahrhundert enthielten die frühesten Komplexe der Praga-Kultur dieses Bezirkes noch 1—15% der Cernjachov- oder Karpaten-Scheibenkeramik (Raskiv, Zelenyj Gaj, Ustje, Luka-Kavecinska, Bernasivka, Rogisna, Kodyn, Goreca) (BARAN 1983, 24-37). Siedlungen gleichartigen Typs wurden auch im rumänischen Moldawien ergraben, wo sie sich auf den Typ Costisa-Botosani beziehen (TEODOR 1978, 31-32; IONITÄ 1985; ANDRONIK 1991).