Istvánovits Eszter: International Connections... (Jósa András Múzeum Kiadványai 47. Aszód-Nyíregyháza, 2001)
Boris V. Magomedov: Die Cernjachov-Marosszentanna/Sîntana de Mureç-Kultur in der Karpatenregion
Die Cernjachov-Marosszentanna/ Síntana de Mureç-Kultur in der Karpatenregion Boris V. Magomedov Die Mehrheit der gegenwärtigen Forscher stimmt darin überein, daß den Hauptteil der Bevölkerung der Cernjachov-Kultur das germanische Volk der Goten bildete, das in frührömischer Zeit von der Wielbark-Kultur repräsentiert wurde. Im Zeitraum der Umsiedlung aus dem Wislabassin ins südöstliche Europa (Ende 2. Anfang 3. Jahrhundert) kam es zu einem Zusammenwirken der Goten mit verschiedenen Gruppen der lokalen Bevölkerung, deren Gebiete später in den CernjachovRaum eingingen (Abb. 1). Im Osten ist dies ein Teil des Territoriums der Kiew-Kultur (TERPILOVSKIJ-MAGOMEDOV im Druck), im Süden sind es die sarmatische Steppe und die Siedlungen der antiken Bevölkerung (MAGOMEDOV 1987). Der Südwesten und Westen des Raumes der Cernjachov-Marosszentanna/Sîntana de Mureç-Kultur erstreckte sich im östlichen Teil der Karpatenregion, der seit langem hauptsächlich von den carpen-dakischen Völkern besiedelt wurde; von hier sind auch die Altertümer der Slawen und Sarmaten bekannt. Wir werden versuchen, die Verbindung der westlichen Bevölkerung mit den Denkmälern der genannten Kultur aufzuklären. Am oberen und mittleren Dnjestr befanden sich in spätrömischer Zeit die Siedlungen des Typs Cerepin-Teremtzy, die von den frühen Slawen zurückgelassen wurden (BARAN 1981). In diesen kommen zwar Cernjachov-Fundkomplexe vor, dennoch zeichnen sie sich durch den Charakter des Hausbaus und der Bestattungssitte aus. Der keramische Komplex enthält viel (34-60%) handgeformtes Geschirr (BARAN 1981, 77,148). Zu den Haupttypen dieser Keramik (den Töpfen) finden sich Analogien unter der Keramik der frühmittelalterlichen slawischen Praga-Kultur. Die besonderen Typen (konische Schüssel mit Fuß, „dakische Schale", wie auch konische Spinnwirtel) erklärt man mit der Anwesenheit der thrakischen Komponente (Lipitza-Kultur). Die Denkmäler des Typs Cerepin-Teremtzy sind eine genetische Fortsetzung der Altertümer der Zubritzka-(Wolhynien-Podolische-)Kulturgruppe im westlichen Wolhynien sowie am oberen und mittleren Dnjestr (KOZAK 1992, 30—69). Ihre kulturellen Grundlagen waren die örtlichen Altertümer der Przeworsk-Kultur, auf die sich im 1. Jahrhundert eine Komponente der Zarubintzy-Kultur legte. Vielleicht hat sie sich nach dem Zerfall der Zarubintzy-Kultur mit einem Teil der aus Region Pripjat'Polesje abgewanderten Bevölkerung verbunden (KOZAK-TERPILOVSKIJ 1986). Am Dnjestr reihten sich auch die Stämme der Lipitza-Kultur in den Prozeß der Integration ein (KOZAK 1992, 116-118). In Wolhynien verschwinden im letzten Viertel des 2. Jahrhunderts die Zubritzka-Denkmäler und an ihre Stelle treten die Denkmäler der Wielbark-Kultur. Anscheinend ist die Bevölkerung der Zubritzka-Kultur unter dem Druck der „wielbarkischen" Goten nach Süden, an den Oberlauf des Dnjestr, ausgewichen, wo in dieser Zeit die neuen Siedlungen entstehen und die Dichte der Besiedlung in den alten Siedlungen zunimmt (KOZAK 1992, 126).