A Nyíregyházi Jósa András Múzeum évkönyve 47. (Nyíregyháza, 2005)

Régészet - Révész László: Das landnahmezeitliche Gräberfeld von Tiszavasvári–Aranykerti tábla (nach der Grabung von István Dienes)

Honfoglalás kori temető Tiszavasvári-Aranykerti táblán ausschließen würde, dass man die Benutzungszeit des Gräberfeldes sogar bis an den Anfang des 11. Jahrhunderts hinausschiebt, scheinen einige Umstände dem dennoch zu widersprechen. Zum einen fehlen unter den Funden die im besagten Zeitraum in großen Mengen auftauchenden Gegen­standstypen, andererseits darf man keineswegs außer Acht lassen, dass die Bestattungen eindeutig heidnischen Ritus aufweisen. Die Reiterbestattungen, die große Zahl der Speisebeigaben, die den Verstorbenen mitgegebenen Waffen, Schmuckgegenstände oder Gewandverzierungen zeigen, dass die um die Jahrtausendwende einsetzende christliche Missionierung auf das Leben bzw. die Be­stattungsbräuche der Gemeinschaft von Tiszavasvári noch keinerlei Einfluss hatte. In Anbetracht dessen meine ich, dass die letzten Gräber dieses Friedhofs im letzten Viertel des 10. Jahrhunderts gegraben wurden. Nach den herkömmlichen archäologischen Kategorien lässt sich das Gräberfeld von Tiszavasvári problemlos unter den zur reichen Mittelschicht gehörenden Fundorten einreihen: der Anteil der Reiter- (8) bzw. Waffengräber (6) ist hoch, die Tracht der Frauen zieren silbervergoldete Lockenringe, Anhänger, Ohrgehänge, Armringe und Gewandschmuck. Genau die Hälfte der Gräber, 10 Bestattungen, enthielt Gegenstände aus Edelmetall. Dessen Vorkommen ist besonders für die Frauengräber typisch, in sechs der acht Frauengräber sind Schmuck oder Gewandverzierungen aus Silber zu beobachten, und von den vier Kindergräbern enthielten die der zwei Größeren ebenfalls solche Gegenstände. Der Nachlass der Männer ist in dieser Hinsicht weitaus bescheidener: lediglich bei zwei von ihnen fand man einen silbernen bzw. goldenen Lockenring. Die Tracht, Bewaffnung bzw. Rangabzeichen der übrigen schmückten bestenfalls Bronzegussbeschläge. Auf den ersten Blick lässt sich unser Gräberfeld also den sog. „an Edelmetallen reichen" Gräberfeldern der oberen Theißgegend zuordnen. Prüft man die Angaben allerdings näher, bietet sich bei weitem kein so schillerndes Bild mehr. Das in den Gräbern gefundene Silber mit einem Gesamtgewicht von 138,8 g kann man nicht als bedeutsame Menge bezeichnen. Die Hälfte davon (70,6 g) stammt aus nur einem Grab (5), und hinzu kommen lediglich noch ein goldener Lockenring (Grab 12) sowie ein an einem Anhänger mit Goldkügelchen verzierter Ohrring (Grab D). Alles in allem fügt sich das Gräberfeld von Tiszavasvári tatsächlich in die Reihe der Gräberfelder mit ähnlicher Gräberzahl des oberen Theißgebiets ein. Zwecks Vergleich: im Gräberfeld von Bezdéd mit 18 Gräbern fand man 116,69 g Silber (die Hälfte davon bilden die Gewandverzierungen aus Grab 16) sowie einen einzigen Goldlockenring, das Gesamtgewicht der Silbergegenstände aus dem 26 Gräber umfassenden Gräberfeld Kenézlő II dagegen beträgt 559,89 g, begleitet ebenfalls von einem Lockenring aus Gold. Die Tendenz ist offensichtlich: in diesen an Beigaben wahrlich reichen Gräberfeldern sind abgesehen von ein oder zwei Ausnahmen nur wenige, höchstens 150-500 g Silbergegenstände und eine verschwindend geringe Goldmenge anzutreffen. Es ist also an der Zeit, dass wir endgültig mit dem in einem Teil der historischen-archäologischen Fachliteratur hartnäckig weiterlebenden Bild der „mit Gold und Silber aus-geschlagenen" landnahmezeitlichen Gräberfelder abrechnen. Übersetzt von Gotlind B. Thurmann László RÉVÉSZ Ungarisches Nationalmuseum Budapest H-1370 Pf. 364 e-mail: revesz.laszlo@hnm.hu

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