A Nyíregyházi Jósa András Múzeum évkönyve 41. - 1999 (Nyíregyháza, 1999)
Természettudomány - Gábor Csüllög: Das mittelalterliche Gebiet jenseits der Theiss als geographische Region
Csüllög Gábor Das mittelalterliche Gebiet jenseits der Theiß als geographische Region Die im Karpatenbecken bestimmenden und sich auf die späteren Jahrhunderte auswirkenden Prozesse der Terraingewinnung, die seit Jahrhunderten an die räumliche Migration gebunden waren und von der sich mit starker Raumaktivität organisierenden Gesellschaft der landnehmenden Ungarn gelenkt wurden, begannen mit der territorialen Organisierung des ungarischen Staates im 10.-12. Jahrhundert. Als Basis der Gebietsorganisierung kann man das System der aufgrund von Schriftquellen nur schwer interpretierbaren, juristisch nicht fixierten Raumeinheiten ethnische Siedlungesgebiete, Sprach- bzw. Wirtschaftsräume, geographische Regionen - betrachten. Dies sind die durch die räumliche Organisierung der lokalen Gesellschaft, also den Regionalismus, herausgebildeten Raumeinheiten der Betätigung. Auf den so entstehenden geographischen Regionen gründen die nach dem germanisch/lateinischen Vorbild der europäischen Feudalstaaten organisierten politischen und Verwaltungseinheiten (Burgkomitate, Kirchendistrikte). Diese bilden sich im Zuge der den politischen Kräfteverhältnissen bzw. Ausgleichen entspringenden und vom Staat ausgehenden territorialen Regelung, d.h. der Regionalisierung, heraus. Die Großraumanordnung der zusammenhängenden regionalen Komponenten (offene Räume, Hinterland, Vorraum, Zentralräume, Netz der Raumbahnen und vermittelnden Linien) ist zwar ähnlichen Aufbaus. Dennoch bilden sie Raumeinheiten, die in Organisationsrichtungen und bestimmten Betätigungsenergien voneinander abweichender Ausdehnung und daher nicht als politische bzw. Verwaltungsregion, sondern als geographische Region zu interpretieren sind (Abb. 3). Die wichtigsten darunter sind die unmittelbar an den Raumbahnen organisierten Regionen mit vollständigem strukturellem Aufbau, deren offene Räume zugleich die bestimmenden Zentraleinheiten des Großraumes darstellen und in deren Gebiet man die wichtigsten politischen, kirchlichen und wirtschaftlichen Zentren findet. Dazu gehört auch die geographische Region jenseits der Theiß, wo das vom Inundationsgebiet der Theiß bis zur Hochgebirgszone reichende System der Raumteilungs- (Abb. 1) und Strömungsrichtungen im Grunde das Modell der geographischen Arbeitseinteilung im Karpatenbecken (Abb. 2) widerspiegelt. Die zwischen den Zentren gelegene energische Zone bildet sozusagen die Mittellinie des Raumes. In nahezu gleichbleibendem Abstand davon findet man in Richtung Theiß ein niedriger gelegenes, sehr ausgedehntes Vorraum-Flußterrain mit reduzierter Raumaktivität. Gleichzeitig erstrecken sich in Richtung der Gebirge Bergfußterrains, Halbbecken und Flußtäler mit bedeutender Raumaktivität, die ein dichtes Netz von Tälern gliedert. Aus der Lage des Hinterland-Waldterrains zwischen zwei Regionen ergibt sich, daß die Gegend jenseits der Theiß die einzige Region des Großraumes darstellt, die nicht mit äußeren Räumen in Berührung kommt. Eine Folge davon ist, daß die bei der Organisierung der Region entscheidenden Flüsse (Szamos und die Täler der Körös-Flüsse) nicht nur die Gebirgsterrains an die Region binden, sondern auch in Richtung Siebenbürgen, der Nachbarregion, vermitteln. Entlang der Flüsse haben die verschlungen in das Hinterland hineinreichenden aktiven Terrains das niedriger gelegene Waldterrain - im Gegensatz zu anderen Regionen - schon früh aktiviert. Die selbständigen organisatorischen Merkmale der Region vertritt am ehesten der sich auf die Täler der Er-, Berettyó- und Körösflüsse, ihre inneren Becken, Halbbecken, Gebirgsvorräume und hochwasserbestandenen Flächen erstreckende Biharer Raum. Seine zentrale Lage innerhalb der Region ist in jedem historischen Zeitalter ein bedeutender Faktor geblieben. Dieser Raum fungiert solange als bestimmendes Gebiet der auf dem Regionalismus aufbauenden und mit den historischen Abläufen zusammenhängenden Regionalisierungsprozesse - Organisierung der Burgkomitate und Kirchendistrikte, Eingrenzen der herzoglichen Gebiete, Kammereinteilung usw. -, bis im 16. Jahrhundert infolge der räumlichen Veränderungen im Zusammenhang mit den türkischen Eroberungen, parallel zur erstarkenden Rolle Siebenbürgens, neue regionale Gebilde entstehen (z.B. Partium, Heiduckenstädte, Verwaltung der Reformationskirchen usw.). Diese sind bereits Bestandteil von bedeutenden, die wesentlichen strukturellen Eigenheiten des Großraumes nicht abbauenden, sondern gewichtsmäßig verlagernden territorialen Prozessen im Zeitraum Ende 16. Jahrhundert bis Anfang 18. Jahrhundert. Übersetzt von Gotlind B. Thurmann Gábor CSÜLLÖG Fachbereich Geographie der Pädagogischen Fakultät der Eötvös-Lorand-Universität Budapest H-1397, Pf. 514. 498