A Nyíregyházi Jósa András Múzeum évkönyve 39-40. - 1997-1998 (Nyíregyháza, 1998)
Néprajz - Gyula Viga–Ilona Viszkóczky: Der Bratkürbis von Nagydobos
A nagydobosi sütőtök Der Bratkürbis von Nagydobos In der Zeit der langsamen Verbürgerlichung der ungarischen Landwirtschaft, in der zweiten Hälfte des 19- Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, war es besonders häufig, daß sich einzelne Ortschaften oder Mikrolandschaften durch neue Pflanzenkulturen oder Tierarten, die Einführung neuartiger Produktions- und Aufzuchtverfahren, durch den Übergang zur Produktion für den Markt von ihrer Umgebung absonderten. Im glücklichen Falle übten die neuen Zweige der Wirtschaft einen kräftigen Schub auf die gesamte Lebensweise der daran beteiligten Gemeinschaft aus und formten ihre Bildung auch im Ganzen um. Als Beispiel für obiges dient die Ortschaft im historischen Burgkomitat Szatmár (heute Komitat Szabolcs-Szatmár-Bereg, Nordostungarn), Nagydobos, wo ein Bratkürbis mit speziellen Eigenschaften, der seinen Namen auch von der Ortschaft erhalten hat, in den Jahren von 1920 bis 1940 einen außerordentlichen wirtschaftlichen Aufschwung zum Ergebnis hatte und die frühere Struktur der Wirtschaft der Bevölkerung umformte. Auf dem Sandboden mit geringen Ertragsgegebenheiten hat die Bevölkerung bis zum Zweiten Weltkrieg eine zwangsweise vereinigte Bewirtschaftung in Dreifelderwirtschaft betrieben. Ähnlich wie insgesamt in der ungarischen Landwirtschaft nehmen die Hackfrüchte neuen Typs nach und nach die Fläche der zur Erholung der Erde dienenden Brache ein. In den Jahre nach 1920 wurden immer mehr Kürbisse angebaut, die - Dank der Ernährungsstruktur in Ungarn - in Budapest und anderen großen Städten des Landes einen ausgezeichneten Markt hatten. Der Sandboden erleichterte den Anbau des ansonsten arbeitsaufwendigen Kürbisses, so daß eine Familie auf 1 bis 1,5 oder sogar 2 Katasterjoch Kürbisse aufzog und die produzierten 100-150, manchmal 200 Doppelzentner Bratkürbis einen außerordentlichen wirtschaftlichen Wert darstellten, da ja der Preis dem des Getreides gleichkam. Die Ortschaft war bemüht, den örtlichen Bratkürbis als Markennamen zu eichen, die Ernte wurde vor der Reife gestempelt, damit keine gefälschten Kürbisse auf den Markt kamen und in einer Ordnungsverfügung wurden auch Aufzucht und die Sortenreinheit festgelegt. Im Herbst verließen 80-120 Eisenbahnwaggonladungen entsprechende Mengen Bratkürbis Nagydobos und erschienen in erster Linie in den Markthallen und auf den Märkten von Budapest. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die frühere wirtschaftliche Karriere des Nagydoboser Kürbisses zu Ende. Es ist nicht gelungen, die Sortenreinheit der im Dorf angebauten Kürbisart zu bewahren, unter dem Namen des Nagydoboser Bratkürbisses sind auch von anderswo „gefälschte" Marken auf den Markt gebracht worden. Die gemeinsame Wirtschaft hat den Anbau von Kulturpflanzen ausgesprochen benachteiligt, und auch die veränderten Ernährungssitten machten den Bratkürbis überflüssig. Der Verzehr von Bratkürbisse kam aus der Mode. Der Bratkürbis war zwischen den beiden Weltkriegen im wesentlichen zum Sinnbild von Nagydobos geworden, dafür war die Ortschaft berühmt. In den vergangenen Jahrzehnten haben zahlreiche Leute die Erneuerung der Aufzuchttradition versucht und sie möchten auch den Bratkürbis im Wappen von Nagydobos unterbringen. Aber das interessanteste Beispiel für die Weiterführung der Tradition ist vielleicht, daß das seit 1991 jährlich ausgerichtete Autoerossrennen um den Bratkürbis-Preis ausgetragen wird. Die jüngeren Generationen kennen die örtliche Marke des Bratkürbisses jedoch nur noch von seinem Ruf her, und dieser ist tatsächlich ein solcher Teil der Tradition, der die älteren und heutigen Generationen miteinander verbindet. Übersetzt von der Autoren Gyula VIGA Ilona VISZÓCZKY Herman-Ottó-Museum Petőfi-Museum Miskolc Aszód H-3501,Pf.4. H-2170,Pf.39201