A Nyíregyházi Jósa András Múzeum évkönyve 36. - 1994 (Nyíregyháza, 1995)

György Goldman–Júlia G. Szénászky: Die neolithische Esztár-Gruppe in Ostungarn

Die neolithische Esztár-Gruppe in Ostungarn György GOLDMAN - Júlia G. SZÉNÁSZKY An den letzten zehn Jahren führten wir eine Reihe von kleineren und größeren Ausgrabungen im Körös-Tal durch, das wie ein von Westen nach Osten geöffneter Fächer die geographische Einheit der öst­lichen Gebiete Ungarns sowie des westlichen Randgebiets von Rumänien darstellt. Im Zeitraum vor der Wasserregulierung entstanden hier große Sumpf­gebiete und fruchtbare Getreidefelder. Die neu entdeckten Fundorte der Esztär-Gruppe bei Mezőgyán, Geszt und Zsadány umreißen das Stammgebiet dieser archäologischen Einheit, wäh­rend die südlich und westlich davon mit Funden der klassischen ALK und der Szakálhát-Kultur zum Vor­schein gelangten ihre relativchronologische Lage schildern. Im Zuge der ersten monographischen Bearbeitung der Gruppe stellte man rund 30 Fundorte zusammen, davon wurden vier auch von den Verfassern als ungewiß beurteilt. Im seither verstrichenen Zeitraum fanden kaum Ausgrabungen statt. M. Sz. Máthé legte bei einer Fundbergung drei Gruben frei. Diese Sied­lung brachte sehr wichtige Funde zutage, die für die Beurteilung der Gruppe eine herausragende Rolle spielen. Gegen Ende der siebziger Jahre begann man in Mezőgyán und Geszt mit Meliorationsarbeiten, wobei ein dichtes Kanalisationsnetz angelegt wurde. Schon am Anfang stieß J. J. Szabó an zwei Orten auf Siedlungsspuren. Zwischen 1983 und 1989 hatten wir die Möglichkeit, die Kanalisationsarbeiten systema­tisch zu verfolgen. Im Ergebnis dessen zeichneten sich die Konturen eines ebenso dichten Siedlungs­netzes ab. Die Maschinen hatten Weiden zutage gebracht, die früher nie umgeackert worden waren. Diese Umstände zeigen, daß es nur sehr wenig Oberflächenfunde gab, auf deren Grundlage die Ausdehnung der Siedlungen nicht beurteilt werden kann. Dennoch sind wir in dieser Hinsicht in einer glücklichen Lage, da die angelegten Kanäle einen Querschnitt des Gebiets gaben. Im weiteren stellen wir die neuen Fundorte vor. Geszt-Gehöft Brand war ebenfalls eine Siedlung der Körös-Kultur. Zu einer Grube der Esztär-Gruppe gehörte hier eine dicke Lehmbewurfschicht sowie die Bruchstücke eines großen Vorratsgefäßes. Mezőgyán-Bakos. Hier fanden wir drei flache, ova­le Gruben, die etwa 80 m voneinander entfernt lagen. In der ersten Grube kam auch ein Hockergrab zum Vorschein. Mezőgyán-Kecskés-Wiese. An dieser Stelle legten wir wiederum eine flache, im Vergleich zur vorange­henden etwas tiefere, ovale Grube frei (Tiefe: 140 cm von der heutigen Oberfläche), deren östliches Drittel ein zusammenhängender, 15-20 cm dicker Lehm­bewurf bedeckte. Mezőgyán-Kokas-Wald. Eine einzige, runde Gru­be, die aber ziemlich reich an Funden war. Mezőgyán-Kórógy-Bach ist eine Siedlung des jün­geren Zeitalters. Zu unserer Phase gehört ein Scher­benhaufen, der in einer Tiefe von 35-40 cm in der Lößschicht lag. Mezőgyán-Makkos. Hier kamen zwei flache, ovale Gruben und eine runde, 270 cm tiefe Grube ans Tageslicht. In den beiden flachen Gruben wurden auch vier Gräber gefunden (zwei Kinder, zwei Er­wachsene). Im Kanal beobachteten wir in einer Länge von 200 m drei weitere Flächen, die Funde enthielten. Mezőgyán-Nagyszalontai-Brücké. Zwei Gruben, die infolge der Kanalisationsarbeiten leider nur un­vollständig freigelegt werden konnten. Mezőgyán-Gehöft Oláh. Hier fanden wir einen Grubenkomplex, dessen größte Grube wiederum flach und oval war. Zsadäny-Püski-Hügel ist eine Tellsiedlung, deren unterste Schicht zur Esztär-Gruppe gehört. Die obe­ren Schichten bilden zur Szakálhát-Kultur und Esztár­Gruppe sowie später zur Theiß-Kultur gehörende Funde. Aufgrund der Grabungen konnten wir sowohl den inneren Aufbau der Siedlungen, als auch die Bezie­hungen der einzelnen Siedlungen zueinander unter­suchen. Die Ausdehnung der Meliorationsgräben wurde bereits erwähnt. Man kann sie als eine Reihe von Forschungsgräben betrachten, da sie einen guten Einblick in die oberen Schichten der Oberfläche gewährten. Zusammenfassend ist festzustellen, daß Siedlungsspuren im allgemeinen spärlich vorkom­men, die einzelnen Wohnplätze liegen nicht selten in einer Entfernung von 40-70 m. Wichtigste Sied­lungsobjekte sind die Gruben, deren Umfang etwa 12-15 x 5-6 m beträgt. Diese Gruben sind nicht tief. In einzelnen konnten wir eine zusammenhängende Lehmbewurfschicht beobachten, wie sie J. Sőregi im Falle von Zsäka-Gehöft Vizesi beobachtet hatte. Diese Tatsachen deuten darauf hin, daß die Objekte mög­licherweise auch Wohnzwecken gedient haben könnten. Im allgemeinen sind es Siedlungen kleinen Umfangs; kaum einige Wohnplätze, die dazu gehö-

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