A Nyíregyházi Jósa András Múzeum évkönyve 21-23. - 1978-1980 (Nyíregyháza, 1988)
Gunda Béla: Egy kárpátaljai magyar falu ethnobotanikája
werden in die Ohren des kranken Schweines gezogen; die Dorfbewohner kaufen sie von hausierenden ukrainischen Frauen. Ebenfalls von ukraischen Wanderhändlern wird das Harz von Pinus silvestris verschafft und als Wundsalbe benützt. Aus den fleischigen Blättern des Sempervivum tectorum wird der Saft in das wehe Ohr getröpfelt. (In anderen ungarischen Dörfern wird das Gewächs zum Schutz vor dem Blitzschlag auf das Hausdach gepflanzt.) Zur Heilung des steifen Beines wird das Badewasser mit Gratiola officinalis bereichert. Der Saft von Betula pendula dient als Erfrischungsgetränk. Die Knollen des Chaerophyllum bulbosum werden um Frühjahr von den Kindern ausgegraben und gegessen. Die Eichel der Fagus silvatica wird im rohen Zustand verzehrt oder den Schweinen gegeben; man presst auch öl daraus. Aus dem ausgepressten Saft von Malus silvestris und Pyrus achras ssp. pyraster wird Essig gegoren. Urtica urens wird als Gemüse verzehrt. Mehrere Pflanzen (Arctium lappa, Artiplex sp., Convolvolus arvensis, Glyceria fluitans, Malva neglecta usw.) dienen als Enten-, Gänse- und Schweinefutter. Eine bedeutende Rolle spielen die verschiedenen Pilze in der Volksernährung. Der Verfasser lenkt die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass die volkssprachliche Terminologie der verschiedenen Getreidearten (Weizen, Gerste, Hafer, Roggen) in ganzen ungarischen Volksgebiet (von der Moldau bis zum Burgenland) gleich ist, während die Wald- und Feldpflanzen je nach Gegenden — oft sogar nach Dörfern — anders genannt werden. Allein in der Moldau und in Siebenbürgen wurden nicht weniger als vierundzwanzig verschiedene Namen des Equisetum arvense aufgezeichnet. Dies erklärt sich dadurch, dass die Verbreitung der wildwachsenden Pflanzen stärker eingeschränkt ist. Ihr Gedeihen hängt von den geographischen Verhältnissen ab, ihr Gebrauch ist eher individueller Art. Auch das Wissen der Kräuterinnen wird oft geheimgehaltten. Die Pflanzen der Sammelwirtschaft sind ortgebunden und gelangen nicht in den Handelsverkehr und so bleiben auch die abwechslungsreichen volkssprachlichen Terminologien erhalten. Nicht so im Falle der Kulturpflanzen, wo es schon infolge des Getreidehandels notwendig ist, den Weizen, die Gerste oder den Roggen in umfangreichen Gebieten unter dem gleichen Namen zu vermarkten. Auch die gleiche Benennung von Weizen (ung. buza), Gerste (ung. árpa), Roggen (ung. rozs), Hafer (ung. zab) im ungarischen Volksgebiet bestätigt, dass es sich um alte Kulturpflazen im Wirtschaftsleben der Ungarn handelt. Im Falle der wildwachsenden Pflanzen gibt es jedoch keine Möglichkeit dafür, dass eine der verschiedenen Terminologien allgemeingebräuchlich werde. BÉLA GUNDA 41