A Nyíregyházi Jósa András Múzeum évkönyve 11. - 1968 (Nyíregyháza, 1969)

Gunda Béla: Volkskunde und Volksbildung

VOLKSKUNDE UND VOLKSBILDUNG Die Volkskunde befasst sich mit der traditionellen Kultur, vielleicht richtiger gesagt, mit der Lebensform der arbeitenden Volksklasse, in erster Linie mit dem Bauernstand. Sie forscht nach der Zeit, zu welcher diese Lebensform zustande gekommen ist, nach deren Zusammenhang mit den wirtschaftlichen und gesell­schaftlichen Faktoren, nach dem fortwährendem Wechsel und ständigen Bewe­gung, was übrigens für alle Kulturen bezeichnend ist. Wenn wir von traditioneller Kultur sprechen, verstehen wir selbstredend darunter nicht nur Tausend jährige oder Jahrhunderte umfassende Überlieferungen. Traditionell ist nicht nur das, was uralt ist, sondern alles, was eine Gemeinschaft in ihre Lebensform aufnimmt, weiter entwickelt, ändert, gestaltet, vielleicht auch dessen Ausmerzung fördert und durch neues zu ersetzen trachtet. Durch diese Auffassung wird in einer Dorfgemeinschaft in einigen Jahren ein modernes Volkslied oder auch der Gebrauch einer landwirt­schaftlichen Maschiene zur Tradition. Die Volkskunde darf nicht nur das uralte in Betracht ziehen, sondern muss auch jenen Lauf der Kulturentwicklung untersuchen, welcher das Ringen des Hergebrachten mit dem Neuem veranschaulicht. Die Volkskunde will keinesfalls die Vergangenheit konservieren! Dagegen trachtet sie für die Museen, Handschriftenarchive und für wissenschaftliche Ab­handlungen jene Gegenstände, mündlichen Überlieferungen sicher zu stellen, welche die Bauernschaft mit ihrer Vergangenheit verknüpfen. Dieses Material der bauer­lichen Kultur spiegelt auch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kämpfe des Bauernstandes. Durch Interpretierung des volkskundlichen Materials kommen wir in die Lage zahlreiche Einzelheiten der Geschichte des arbeitenden Volkes kennen zu lernen. Die bauerliche Kultur, die völkische Bildung verbindet die arbeitende Bevöl­kerung mit ihrer Vergangenheit. Zu gleicher Zeit verknüpft die völkische Kultur die Völker mit ihren Nachbarvölkern. Nicht nur die Flüsse und die Winde strömen von einem Gebiet auf das andere, sondern ebenso auch die Kulturgüter und durch diese Strömungen kommen sich in ihrem Denken die verschiedenen Völker einander näher und lernen gegenseitig ihre Sitten kennen. Alle jene, die sich mit Volksbildung befassen, müssen wissen, dass die tradition­elle Bildung des ungarischen Volkes einen organischen Zusammenhang mit der ungarischen Geschichte und der allzeitigen Gegenwart besitzt. Auf den Schulen können die Schüler die traditionelle Bildung des ungarischen Volkes kaum kennen lernen. Deshalb ist es die Aufgabe der sich mit Volksbildung befassenden Kräfte die Mängel des Unterrichts zu beheben. Es muss auf sämtlichen verschiedensten Stufen der Volksbildung darauf hingewiesen werden, dass das durch die Volkskunde erschlossene und ausgewertete Material lehrreich das friedliebende, einander acht­ende Zusammenleben, die Verbundenheit der verschiedenen Völker dokumentarisch vor Augen führt. B. GUNDA 159

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