Wehner Tibor: Hommage a Vaszary: A Kuny Domokos Múzeum képzőművészeti kiállítása (Tata, 1997)

wechslungsreich, vielschichtig, stellen die Veranstalter der Öffentlichkeit eine in der Anwendung graphischer Techniken zahlreiche Variationen verkörpernde Schaffensreihe vor. In dem Material dieser Ausstellung ist auch die allgemein typi­sche Tendenz der gegenwärtigen Graphik zu beobachten: Auch hier tauchen kaum die reinen, klassischen Techniken auf, barock werden die Materialien gemischt, die Vorgänge, in den Vordergrund gelangen gemischte Aufarbeitungen. In den vielfäl­tigen Schöpfungen tauchen nach und nach Vaszary-Figuren auf, die Umarbeitung einzelner Werke, einzelne wieder — und wiederkehrende Motive des CEuvres, aber es gibt auch sich mit großen Transmissionen an den Kreis der traditionellen an­knüpfende Werke: die Konkretheiten und die Abstraktionen — das Auftauchen von Wirklichkeitszitaten, Stilisierungen und Nonfigurationen — was ein Geflimmer spannender Materie schafft. Zum Zeitpunkt der Auslobung der Ausstellung — sonderbar, zufällig zum glei­chen Zeitpunkt — erschienen in einer Zeitschrift die Erinnerungen des ehemaligen Vaszary—Zöglings Tamás Lossonczys. Die Erinnerungszeilen erhellen die pädago­gische Tätigkeit dieses hervorragenden Meisters, die in der ungarischen bildenden Kunst von außerordentlicher Bedeutung war: „Ich flüchtete aus der leisetreteri­schen, dunklen, schokolade-takalien-tabakfarbigen Flochschule hierher zu János Vaszary. Der Lehrkörper der Hochschule hat mit Ausnahme des ebenso hervorra­genden István Csók eindeutig Gift und Galle auf János Vaszary gespien. Oh, d ie ewi­ge Hochschule, das Heim dieser und jener Kopierung des Naturalismus und der an­deren erstarrten Stile, junge Leute, ihr könnt machen was ihr wollt, nur etwas Ech­tes, Tapferes nicht. Das haben die hochwohlgeborenen, unrespektablen, vogel­scheuchenähnlichen Hochwüörden gepredigt. Als ich zu Vaszary gelangte, war ich noch ganz jung, aber die Jugend hat eigentlich dieser alte Herr in mich gegossen und diese befreit. Die Liebe zur Schöpfung, dem Leben und der Kunst. Ihr sollt euch wohlfühlen. Er hat die verdunkelten Fenster der tiefen Trauer, welche in meiner Fa­milie herrschte, aufgeschlagen. Er hat von der Lampe den Trauerschleier abgenom­men, die der frühe Tod meines Vaters auf uns gesenkt hatte. Vaszarys Lebenslust hat mir den Anstoß für meinen Weg gegeben. Und ich sehe auch jetzt von weitem sein mutgebendes Winken: Wir sollen uns, meine Freunde, nicht auf der Landstra­ße der immer dasselbe Wiederkauende treiben lassen, wie irgendeine Ochsenher­de und uns gegen die geistigen Kerkertore der gut eingeführten Schablonen und Methoden treiben lassen!" Die Tataer Vaszary-Hommage und auch die Vaszary—Beschwörung Tamás Lossonczys beweisen, daß der Geist eines der bedeutendsten Meisters der Jahrhun­dertwende und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts — in der Stadt Tata, aber auch ausstrahlend über die Grenzen der Stadt hinaus — jetzt, am Ende des 20. Jahrhun­derts auch anwesend sein kann: indem er lebt und lebendig wirkt. Er kann als Weg­weiser der zeitgenössischen Schöpfer sein, kann also Wegweiser der Freunde der zeitgemäßen zeitgenössischen Kunst sein. Tibor Wehner 8

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