Kisné Cseh Julianna – Somorjai József szerk.: Komárom – Esztergom Megyei Múzeumok Közleményei 5. (Tata, 1997)

Tóth Endre: Zur Interpretation der spätantiken Medaillons mit Jünglinksportäts

Zur Interpretation der spätantiken Medaillons mit Jünglingsporträts Endre Tóth Die Abhandlung erörtert die Darstellungen des in der Gemarkung der Gemeinde Bajna (Kom. Komárom-Esztergom) zum Vorschein gekommenen spätrömischen Silberlöffels. Der Löffel wurde von mir in der Zeitschrift Folia Archaeologia (Heft 42, Jg. 1991) bearbeitet, wo ich mich mit dem Gebrauch der spätantiken Löffel und mit ihrer Funktion im alltäglichen Leben: bei den sakralen und Festmahlen eingehend befaßte. Der Silberlöffel bildet einen Streufund. Seine Länge beträgt 13,3 cm und sein Gewicht 16,36 g. Das Innere der Laffe zeigt eine eingeschnittene Verzierung. Ein in ihrer Achse entlangziehendes Blattgeflecht teilt das Stück in zwei Felder. Das in den Feldern auf seine Spitze gestellte Viereck wird von je einem runden Medaillon in die Mitte genommen, in welchen Jünglingsporträts zu sehen sind. Der Löffel, der ein Cochlear ist, gehört in die Gruppe C der Typologie von Max Martin. Im Aufsatz faßte ich die Gruppen der ähnlichen Jünglingsdarstellungen zusammen: 1. Porträts von beflügelten Jünglingen; 2. Jünglingsporträts mit antithetischem Ast oder Pflanzenornament; 3- Jünglingsporträts ohne Attribut. Im Zusammenhang mit dem Glasbecher von Köln-Braunsfeld und der späten Blechgruppe der Zwiebelkopffibeln (letztere ausfürlich in: Folia Archaeologia 1993) befaßte ich mich eingehender mit der Interpretation der Jünglingsporträts und stelle mit Uwe Süssenbach übereinstimmend aus chronologischen und Interpretationsgründen in Abrede, daß die Jünglingsporträts lebende Personen - die Fürsten der Constantinus-Dynastie - darstellen. Die Darstellungen sind keine lebenden oder historischen Personen, keine individuellen Porträts. Oft tragen sie Flügel, infolgedessen lassen sich die Porträts oder ein Teil von ihnen an den Eros-Kreis knüpfen. Da aber die Eros-Figuren und ihre Verwandtschaft (die Jahreszeitpersonifikationen) auch ohne Flügel erscheinen können, wurden aus den auf kleinen Oberflächen angebrachten Darstellungen die Flügel oft weggelassen. Auf den kunstgewerblichen Gegenständen verbreitet sich die ideologiefreie Verzierung im 4. Jh. Sie wurden zu einfachen Ziermotiven: symbolisierten das ewige Leben, die Erneuerung, die Ankunft der felicia temporum, dem allgemeinen, sich dem Kaiserkult eng anpassenden Ideenkreis des Zeitalters entsprechend. Der in diesem Gedankenkreis hergestellte Löffel dürfte ein Geschenkgegenstand gewesen sein, der anläßlich einer Geburt oder beim Anbruch des Neuen Jahres dargereicht wurde. 387

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