Szabó István: Fejezetek az észt kultúra történetéből – A Jász-Nagykun-Szolnok Megyei Múzeumok közleményei 53. (1995)

betrachtet. Wir möchten also nicht die Literatur und die Sprachwissenschaft — wovon wir am meisten wissen — darstellen, sondern die Volkskultur als Ausgangspunkt und auch das, wie die Volkskultur im Freilichtmuseum in Tallinn, in der Chor- und Tanzbewegung, im Theater, in der bildenden und Gewerbekunst iiund am jüngsten im Film erscheint. Diese sind die Gebiete der Kultur, die die Entwicklung der Gesellschaft und der Geschichte am meisten beeinflußten. Ich habe mehrere Aspekte vor den Augen gehalten, als ich den Themankreis dieser Arbeit auf die Esten unter den drei baltischen Ländern beschränkt habe. Während meiner Museologenarbeit beschäftige ich mich beinahe seit 25 Jahren mit der estnischen Kulturgeschichte. Aus diesem Thema habe ich zahlreiche Ausstellungen und Publikationen gemacht. Durch die Freundschaftsstadtbeziehung zwischen Szolnok und Tallinn habe ich als Museologe Gelegenheiten gehabt, Material in Museen, Bibliotheken, Ataliers von Tallinn und Tartu zu sammeln. So habe ich versucht, auf bei uns nicht so bekannte Gebiete, auf weniger publizierte Tendenzen in meiner Arbeit zu konzentrieren. Es ist allgemein bekannt, daß man in den vergangenen Jahrzehnten die Grenze der Sowjetunion als Tourist sehr schwer übertreten durfte, und man aus einer Stadt in die andere innerhalb einer Republik nur unter streng kontrollierten Umständen reisen durfte. Ich durfte davon nicht einmal träumen, daß ich ein vergleichendes Material über alle drei baltischen Republik, wo ich frei reisen dürfte, zusammenstellen kann. Ihre Geschichte, ihre jahrhundertelange Unterworfenheit und die kurze Zeit ihrer Selbständigkeit sind in mehreren Hinsichten ähnlich. Das Schicksal ihrer Völker ist wegen der strategischen und wirtschaftlichen Anzeihung ihrer Gebiete dasselbe. Ihre Herkunft und deshalb ihre ethnischen Eigentümlichkeiten und ihre Kulturgeschichte sind anders. Ihre wesentlichen Unterschiede, die Spezifika der drei Völker kann man nur so vergleichen, wenn jemand alle drei Völker ebenso tief untersucht. So habe ich für wichtiger gehalten, wenn ich mit meinen beschränkten Möglichkeiten auf die Ausbildung und Entwicklung der estnischen nationalkultur und die das hilfende, beispielgebende Arbeit der estnischen Intelligenz konzentriere. Die Studie folgt der estnischen Kultur während anderthalb Jahrhunderte. Sie betont, wie das estnische Bürgertum das Folklór- und Gegenstandmaterial seiner bäuerlichen Kultur zu einer bürgerlichen umformt: aufgrund der Volkslieder die klassische Musik, aus seinem Urepos Kalevipoeg die Literatur und die Dichtung, mit der volkstümlichen Verzierungskunst die bildende und Gewerbekunst schaffend. Innerhalb einiger Jahrzehnte baut sich die Volkskultur in die verschiedenen bürgerlichen Künste völlig e,in, und erwerbt sich in mehreren Gebieten einen internationalen Ruf. Diese Veränderung ist größtenteils der bewußten Arbeit der estnischen Intelligenz zu danken, die seit dem 19. Jahrhundert kontinuierlich ist. In diesem historischen Prozeß spielten auch die Persönlichkeiten zweifellos eine wichtige Rolle. Die Intelligenz bildet im Prozeß, zu einer Nation zu werden, nicht nur eine gesellschaftliche Schicht, sondern auch besteht sie aus sehr großen und charakteristischen Persönlichkeiten, die die 211

Next

/
Oldalképek
Tartalom