Gulyás Katalin et al. (szerk.): Tisicum - A Jász-Nagykun-Szolnok Megyei Múzeumok Évkönyve 22. (Szolnok, 2013)

Néprajz - Bartha Júlia: Török elemek a magyar népi díszítőművészetben

BARTHA JÚLIA : TÖRÖK ELEMEK A MAGYAR NÉPI DÍSZÍTŐMŰVÉSZETBEN Júlia Bartha Türkische Motive in der ungarischen Volkszierkunst Nach der Türkenherrschaft erfolgten sich grundlegende Veränderungen in der ungarischen bäuerlichen Kultur. Was man heute bäuerliche Kul­tur nennt, ist zur Zeit der Türkenherrschaft gegründet worden. Genau­er gesagt hat sich der Grund, auf dem der bauernbürgerliche Stil vom 18. Jahrhundert, die Basis der heutigen Volkskunst geschaffen wird, zur Türkenherrschaft ausgestaltet, auf sich die Auswirkungen der Türkenzeit tragend und in die späteren regionalen Stile eingebettet. Der der Tür­kenherrschaft folgenden Periode wurde ein Stempel der Stilrichtung Renaissance aufgedrückt. Das ist auf dem Beispiel der ungarischen Renaissance-Keramik richtig zu sehen, dass es fast ein Gleichungszei­chen zwischen die Motive- und Farbenwelt der türkischen Keramik aus der Türkenherrschaft und die der ungarischen Renaissance-Keramik zu setzen sei. Die vergleichende Prüfüng der im Laufe der Ausgrabung der Szolnoker Burg hervorgekommenen Keramik und der ungarischen Re­naissance-Keramik stellt das klar dar. Die Richtung der Ausstaltung der Volksstickerei ist so zu beschreiben, dass die türkischen Zierungsmotive aus Persisch-Anatolien auf Seiden, Teppichen und Brokatstoffen mit der Vermittlung der Osman-Türken zu Europa kommen. An dieser Vermittlung beteiligten wir, Ungarn uns auch selber, unsere Könige und unsere Hochadeligenfamilien kauften ja sehr gerne östliche Stoffe und verschenkten sie ab und zu auch gerne den westlichen Ländern. Die türkische Merkmale tragende, im türkischen Stil geborene Herrensti­ckerei kam durch die Gottestischdecken der protestantischen Kirchen zum Kreis des Volkes und wurde zur Quelle der Ausstaltung der Volkssti­ckerei. Sie blütete im 18. Jahrhundert in ihrer vollen Pracht. Die Kuma- nenstickerei, die Kürschnerstickerei der Kleinpelzmäntel aus Kumanien und die Asai-(Vorder-)muster der gezierten ungarischen Bauernmäntel, wo Blumen in Blumen erscheinen, obwohl alle von ihnen auch vom ört­lichen Stil charakterisiert wurden. Bewahrten den durch die türkischen Textilien vermittelten Motivschatz, der von Zeit zu Zeit immer wieder er­neuert wurde, ausgezeichnet auf. Von der großen Begeisterung vom Ende des 19. Jahrhunderts, durch die Strebung nach der Erneurung der Volkskunst wurde das zum Auf­schwung gebracht. Die diese Kunst immer wieder zu erneuern beabsich­tigenden Spezialisten, die Volkskünstler und neuerlich die Volkskunstge­werbler trugen alle dazu bei, die Bestrebung von ihnen ist ja, die Tradition neu aufleben zu lassen, die örtlichen Stile in die Blüte zu bringen. Das ist aber von ihnen lange nicht mehr gewusst, dass der für traditionell gehaltene Stil vor mehr als dreihundert Jahren zur ungarischen Kultur gekommen ist und dass er darin auf eine Art und Weise eingebettet ist, so dass sein türkischer Ursprung nur noch mit den Forschungen nach­gewiesen werden kann. 319

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