Gulyás Katalin et al. (szerk.): Tisicum - A Jász-Nagykun-Szolnok Megyei Múzeumok Évkönyve 22. (Szolnok, 2013)

Régészet - Fodor István: Sámánizmus és a magyar régészet

István Fodor Schamanismus und die ungarische Archäologie Vor der Übernahme des Christentums war auch das Ungartum ein Volk von Schamanenglauben und brachte Ende des 9. Jahrhunderts ins Kar­patenbecken seine Glaubenswelt von Osten mit. Die Elemente dieser uralten Glaubenswelt blieben im ungarischen Volksglauben lange, bis zum 20. Jahrhundert aufbewahrt. Die ungarischen Ethnographen und Ar­chäologen rekonstruierten lange Zeit auf Grund des bei den sibirischen Völkern beobachteten Schamanismus von den 18.-19. Jahrhunderten die Glaubenswelt des landnehmenden Ungartums. Gyula László betonte - seinen früheren Standpunkt ändernd - ab den 1950er Jahren, dass der Entwicklungsstand der ungarischen Gesellschaft in den 10.-11. Jahrhun­derten auf viel höherem Niveau gestanden hätte, als die Entwicklung der an die Schamanen glaubenden, zurückgebliebenen sibirischen Völker in den 18.-19. Jahrhunderten. Einer seiner ausgezeichneten Schüler, István Dienes kam zur Wahrneh­mung des Wesens der uralten ungarischen Religion näher. Von ihm wurde betont, dass es auf Grund des eindeutigen Beweises der zeitmäßigen schriftlichen Quellen zweifellos sei, dass in den Höfen der Türk-, awari- schen und mongolischen Herrscher mit besonderen Aufgaben versehene Schamanen Dienst geleistet hatten, die sich auch an der Erledigung der Angelegenheiten des Reiches beteiligt hatten und deren Rolle die der nur noch im sakralen Leben je eines Geschlechtes oder einer Siedlung betätigenden Schamanen weit überschritten war. Im Kreis des Ungartums von den 9.-10. Jahrhunderten hat der in den nomadischen Staaten allgemeine Tengrismus den Grund der Glaubens­welt gebildet, was nichts anders ist, als die entwickelteste Variante des Schamanismus, bei dem die besondere obere Kategorie der Schama­nen, das Orden der „weißen Schamanen” erscheint. Das war eigentlich ein Versuch der nomadischen Staaten, um aus dem Schamanismus eine Staatsreligion zu schaffen, was sich aber überall erfolglos zu sein be­wies. Beim Ungartum wechselte das Christentum im 11. Jahrhundert den Tengrismus ab, obwohl auch bei ihm eine breite Schicht der den Ge­schlechtskult pflegenden „gemeinen” Schamanen („Táltos”) lange weiter lebte, die den Volksglauben ernährten und die als merkwürdige Typen der Aerzte, der Hellseher, der Wahrsager, mit einem Wort die der „weisen Menschen” das 20. Jahrhundert erlebten. Unter den frühmittelalterlichen Funden von Ungarn gibt es sehr wenige, welche überzeugend bestätigen würden, dass sich in bestimmten Grä­bern einst Schamanen bestatten ließen. Aus den awarischen und unga­rischen Gräbern kamen aber künstlerische Andenken zum Tagesschein (z. B. Darstellungen des Lebensbaums), die eindeutige Beweise für den uralten Schamanismus dieser Völker seien.

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