Tárnoki Judit szerk.: Tisicum - A Jász-Nagykun-Szolnok Megyei Múzeumok Évkönyve 19. (2009)

Történettudomány - László András Horváth - Katalin H. Simon - Ungewöhnliche Gedanken über einen Meeresgott

Történettudomány | László Andrá s HORVÁTH - Katalin H. SIMON Ungewöhnliche Gedanken über einen Meeresgott 1. Einführung Poseidon ist eine der berühmtesten Gestalten sowohl der antiken griechischen Mythologie als auch der modernen europäischen Kultur, besonders seit der Renaissance. Die Größe und die Wichtigkeit seiner Persönlichkeit ist durch seine Abstammung selbst bestimmt. Seine Eltern - Kro­nos und Rheia - waren Mitglieder der zweiten griechischen Göttergeneration, 1 die schon in sich einen vornehmen Platz in der Götterwelt für ihr Kind sicherten. 2 Das Kind Poseidon versteckte Rheia in einer Lämmerherde, die an der Quelle Arne weidete. 3 Er wurde von den Teichinen, den rhodischen Schmieden, den Söhnen des Meeres und der Kapheira, der Tochter des Okeanos erzogen. 4 Nachdem er herangewach­sen war, verliebte er sich in Halia, die Schwester der Telchi­nen und zeugte sechs Söhne und Töchter mit ihr. 5 Dies war nicht seine einzige Verbindung mit diesen dämonenartigen Wesen von Rhodos, dazu kehren wir später zurück. 2. Ursprung, Gott der Gewässer, der erste Pferdehalter Poseidons Gestalt steht meistens vor uns, wie es in der homerischen Hymne lautet: „Von Poseidon beginn ich zu singen, dem mächtigen Gotte, von dem Erschütterer der Erde, der öden Fluten des Meeres, Meergebieter, des breiten Aigai und Helikons Herrscher. Zweierlei Amt verliehen dir, Erdumstürmer, die Götter: Zähmender Lenker der Rosse zu sein und Schirmer der Schiffe. Heil dir, Landumgürter Poseidon, du dunkelgelockter. Gnädigen Herzens, Seliger, hilf dem schiffenden Seemann." (Horn. Hymn. Pos.) Dieses Bild lebte also vom olympischen Gott in der Klas­sik, wenigstens seit dem 9. oder 8. Jahrhundert v. u. Z. und lebt praktisch unverändert heute noch. Poseidon ist nicht nur der Gott des Meeres im Allgemeinen, sondern der Gott aller Gewässer. 6 Als Herr des Süßwassers knüpft sich an ihn gleich eine weitere Funktion, die des Gottes der kontinenta­len Fruchtbarkeit. 7 Hierher gehört auch das Liebesverhältnis des Poseidon und der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter. Pausa­nias erzählt uns darüber in einer Geschichte, in der Poseidon 1 Hes. Theog. 456; Horn. II. 15. 205ff. 2 STOLL 1875.147; ELIADE 1994. 231. 3 WÜST 1953. 451. 4 KERÉNYI1951.180; WÜST 1953, 451 5 Diod. 5, 55, 7. 6 PRELLER-ROBERT 1894. 566. 7 Verg. Georg. 4, 29. in Arkadien Demeter begegnete, die sich, um dem Gott zu entkommen, in eine Stute verwandelte. Es gelang Poseidon aber, in Gestalt eines Hengstes, sie zu besitzen. Aus dieser Verbindung wurden eine Tochter, deren Name geheim ge­halten wurde, und das Ross Arión geboren. 8 Demnach ist es keine Überraschung, dass es in Troizen neben dem Hei­ligtum der Demeter auch ein solches des Poseidon gab, in dem er als cpuià^nioç (der durch Nässe die Erde befruchtet, in einer anderen Lesung pflanzennährend) verehrt wurde. 9 Poseidon als Wasser überhaupt wird in demselben Sinn mit Demeter und Gea verbunden. 1 0 Wasser und Fruchtbarkeit knüpfen sich in diesen Fällen stark aneinander. Die Figur des Poseidon war aber viel komplizierter. Sein Name, seine Funktionen, mythischen Züge und sein Kult enthalten unzweifelhaft zahlreiche Elemente, die für einen Meeresgott fremd sind. 1 1 Lesen wir die antiken Quellen auf­merksam, finden wir mindestens die Spuren solcher weite­ren Charakterzüge, die auf eine frühere, in der Klassik schon vergessene Poseidonfigur hinweisen und die in den meisten Fällen bei der Deutung des Gottes auch nicht beachtet wer­den. Im Folgenden werden wir solche behandeln. 3. Verbindungen mit dem Feuer a) Götter Schon am Anfang stellt sich die Frage von sich selbst: Hat es überhaupt einen Sinn, in Verbindung mit einem Meeresgott und im Allgemeinen dem Gott der Gewässer über das Feuer zu sprechen? Einige zur Verfügung stehende Angaben zeigen, ja. In der mythischen Überlieferung haben Poseidon und die zwei wichtigsten und unzweifelhaft bekanntesten Feuergötter Hephaistos und Prometheus keine gemeinsame Sage. 1 2 Mit dem Letzten hatten sie in Kolonos an demselben Ort je ein Heiligtum, wie darüber Sophokles in seinem Drama (Oed. in Kol. 57) berichtet, 1 3 was aber in sich noch kein Beweis für 8 Pauszaniasz. 8, 25, 7; 8, 42,1; PRELLER - ROBERT 1894. 587; NILSSON 1941. 199; ELIADE 1978. 245-246; OTTO 1934. 34-35; MORFORD-LÉNÁRDON 1985.104; BREMMER 2001. 201. 9 Pauszaniasz. 2, 32, 8; WELCKER 1860. 291; PRELLER - ROBERT 1894. 585; MEYER 1906. 2820. 10 WELCKER 1860. 291; SCHACHERMEYR 1950. 50. 11 WELCKER 1857. 632; PRELLER 1881. 61; ELIADE 1978. 245; BUR­KERT 1977. 217-218; MAKKAY1989. 91. 12 Die einzige Ausnahme ist in der Orionsage zu lesen, als Poseidon dem Onopion eine vom Hephaistos geschmiedete Wohnung einrich­tete (Apollod. 1,4,4,1). 13 „Der ganze Raum ist heilig, hier wohnt hochgeehrt Poseidon. Hier der Gott, der feuertragende Titan Prometheus" (WEISKE 1842, 523). 537

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