Benedek Csaba – H. Bathó Edit – Gulyás Katalin – Horváth László – Kaposvári Gyöngyi szerk.: Tisicum - A Jász-Nagykun-Szolnok Megyei Múzeumok Évkönyve 14. (2004)

Phasen Eines Verwünschungsfalles

MÓNIKA KOCSIS PHASEN EINES VERWUNSCHUNGSFALLES In der Studie versucht der Verfasser eines Liebesver­wünschungsfalles zu analysieren. Der Fall wird auf Grund der Geschichte von zwei Frauen (Mutter und Tochter) skizziert. Die Fragen, wie ein sich merkwürdig beneh­mender Junge und seine Großmutter in einer Gemeinschaft zum Fall werden, wie eine unerwartete Schwangerschaft und eine Heirat mit einer Liebesverwünschung zu erklären sind, sollten dadurch beantwortet werden. Wie funktioniert das mental aufgebaute Kenntnisssystem der Gesprächs­partner bei der Klärung dieses Falles? Die Hauptdarsteller der sich um die Liebesverwün­schung handelnden Geschichte sind eine Großmutter und ihr Enkelsohn, Anti. Der junge Mann, seine frühere Geliebte in Stich lassend, heiratet ein anderes Mädchen, von dem es sich herausstellt, dass es schwanger ist und der Vater muss Anti sein. Der Fall ist der Meinung der Dorfgemeinde nach unerwartet, weil er das andere Mädchen hat heiraten wollen. Etwas Verdächtiges soll da sein, der Fall muss irgendwie erklärt werden. Ein Me­chanismus zur Interpretierung kommt in Gange, was die bis da miteinander nicht zusammenhängenden Ereignisse einander zuordnet, und so entsteht eine anzunehmende, sich das Wertsystem der Dorfgemeinde widerspiegelnde Erklärung. Die Aufmerksamkeit wird auf die Großmutter gelenkt: die junge Nachbarin (über sie sich der Tratsch verbreitet, dass auch sie wegen Anti gefastet hat, damit er eine seiner Verwandten heiratet, die früher, vor dem Fasten der Oma, auch seine Geliebte war) erweckt auf das in der letzten Zeit verdächtige Benehmen der Großmutter die Aufmerksamkeit der Gemeinde. Sie mag gefastet haben, wie es den äußeren Umständen nach zu beurteilen sei: sie hat an bestimmten Tagen ihre gewöhnlichen Hausarbeiten nicht verrichtet, sie ist im Haus geblieben, hat gebetet, mit niemandem gesprochen und sie war traurig. Die Oma hatte die frühere Geliebte ihres Enkels nicht „gern", und sie wählte für ihn ein anderes Mädchen aus, die der Enkel heiratete. Um ihr Ziel zu erreichen, begann sie zu fasten, damit ihr Enkel von seiner früheren Geliebten „verwünscht" und an einem anderen Mädchen „verwünscht" wird. Es wurde mindestens von den Anga­benmitteilern auf Grunde der Geschichten, die sie über den Fall gehört hatten, so interpretiert. Im mental augfebauten Kenntnisssystem bekommt das die körperliche und see­lische Läuterung bringende Fasten eine neue Funktion: es wird zum Mittel der Verwünschung. Die Ereignisse, die mit der Geschichte in Verbindung gebracht werden kön­nen, werden von der Biografie der Oma ausgewählt: diese Frau hat keinen guten Ruf, obwohl sie als „Betende" benannt ist, denn sie ist zanksüchtig und in Übeln Ruf von Hexe gebracht, der älteren Generation nach. Im Falle der Großmutter und ihres Enkelsohnes wird die Anwendung der Magie zum Schicksalereignis. Ihr Leben verändert sich: in die Biografie des jungen Mannes wird eingebaut, dass er zu seiner Frau verwünscht worden ist. Dieser Verkehr mit den „Unlauteren" übt auch auf das spätere Leben der Familie ein Wirkung aus: seine Frau wird krank sein, eines ihrer Kinder wird Epilepsie haben, die Ehe des anderen wird mit Trennug beendet werden. Auch das Leben der Großmutter verändert sich, zwar hat ihr Fasten ja sein Ziel erreicht, sie muss doch büßen; sobald ihr Enkelkind geboren wird, stirbt sie. Auf Grund des mental aufgebauten Kenntnisssystems wurde ihr sich geändertes Benehmen als Fasten aufgefasst, nicht als auf eine Krankheit deutendes Zeichen. Das Liegen im Bett, sich vermindernder Appetit, Koständerung wegen zufälli­ger Körperregime, Stimmungsänderung als Symptomen hätten im voraus auf ihren Tod „deuten können". Vom Gesichtspunkt der äußeren Gruppe, der Dorfgemeinde aus ist auch das ein Schicksalereignis. Als sie ja die zwei Geschehenen (das Fasten der Großmutter und die Heirat des Enkels) miteinander verbindet, dann kommt die bis da unterirdische Sinnbildung plötzlich zum Tageslicht, und die Großmutter und ihr Enkel werden mit einer neuen Identität und ihre Handlungen mit einem neuen Sinn versehen. Die Großmutter wird zu einer „fastend Be­hexenden" und der Junge zum „fastend Verwünschten". In dieser Konfliktlage wird eine erklärende Formel, die den Glauben als sich im Laufe der Sozialisation angeeig­neten interpretierenden Rahmen aktualisiert, zum Leben gerufen. Ein außergewöhnliches Phänomen wird mit dem mental aufgebauten Kenntnisssystem und dem durch das kollektive Gedächnis übertragenen Wissen erklärt, es kann so zu verstehen und menschlich, dadurch weniger furch­terregend und überwindlich werden. Es kann nicht entschieden werden, ob das Fasten der Großmutter bestan­den hat, oder ihr Benehmen einfach so „gesehen" war, man vermutete doch bestimmt real, was gesehen wurde. 290

Next

/
Oldalképek
Tartalom