Selmeczi László szerk.: Szolnok Megyei Múzeumi Évkönyv (1981)

J. Gy. Szabó: Einige Lehren aus den Tierknochen Funde der awarenzeitlichen Gräber- feldern im Mátra-Gebiet

János Győző Szabó EINIGE LEHREN AUS DEN TIERKNOCHEN FUNDE DER AWARENZEITLICHEN GRÄBERFELDERN IM MÁTRA-GEBIET Der Verfasser analisierte vom archeologischen Gesichts­punkt aus die Zusammensetzung der Tierknochenmaterials von zwei awarenzeitlichen Gräberfelden des Mátra-Gebiets (die biologische Definitionen sind Ergebnisse von Sándor Bökönyi). In 144 (72%) von 198 Gräbern des fast völlig freigelegten Friedhofes von Gyöngyöspata wurden Tierknochen gefunden. Hinsichtlich der Häufigkeit kamen die Geflügelknochen an die erste Stelle (in 69% der Gräber mit Tierknochen). Danach folg­ten die Gräber mit Schafknochen (43%), Schweineknochen (33%) und die Gräber mit Rinderknochen waren die seltensten (24%). Pferdeknochen wurden in drei Gräbern gefunden. Wildknochen (Feldhase) kamen nur in einem Grabe vor. In den reichen Begräbnissen der mehr die Tradition hütenden führen­den Schicht (12 Männer mit Gürtelzierde, 13 reichlich mit Schmuck versehene Frauen) war die Häufigkeit der Beilegung von Schafknochen auffallender. In Nagyréde-Ragyogópart (10 km - Luftlinie - von Gyön­gyöspata entfernt) legten wir 30 Gräber am südöstlichen Rande eines grösseren Friedhofes frei, die völlig auf das letzte Drittel des VIII. Jhs. datierbar sind. Dieser Friedhof wurde etwa mit einer Generation früher wie der von Gyöngyöspata angefangen. In Nagyréde ist die Rolle des Schafes auffallender, nämlich hier wurde ein gehäutetes Schaf, Schädel und die vier Beine, über die Leiche des Verstorbenen gelegt. Die Häufigkeit der Rinderkno­chen überholte die der Schweineknochen; Geflügelknochen kamen nicht vor. Der Verfasser stellte fest, dass die Zusammensetzung des Tierknochenmaterials der Gräber im Mátra-Gebiet gut in das bisher ausgestaltete Bild der im Wiener-Becken, im Süd-Westen und Süd-Osten der Slowakei freigelegten awarenzeitlichen Friedhöfe passt, was die führende Rolle des Schafes anbelangt. In der Häufigkeit der Geflügelknochen zeigen sich auch in den Friedhöfen der Slowakei grosse Unterschiede. In den inneren Gebieten des Karpaten-Beckens war nur an einigen Stellen (z. B. in SO-Transdanubien) die Beilage der Schafteile häufig. In Teilen Nord-Jugoslawiens konnte man in einigen Friedhöfen den Schafskult beobachten. Der Verfasser weist auf die Hypothesen von M. Beranovä hin, die schon 1966 feststellte, dass in den slowakischen awaren­zeitlichen Friedhöfen überwiegend Schafsteile beigelegt wur­den. Die Verfasserin nahm an, dass die in den Friedhöfen sich meldende führende Rolle der Schafsknochen ein Ergebnis ri­tueller Übernahme ist, in einer Epoche, im VII. Jh., als immer mehr Slawen von der Brandbestattung zum unverbrannten Begräbnis übergingen. Nach Beranovä konnten Vorbilder für die Übernahme die bulgarischen Begräbnisse sein. Das nördliche Randgebiet des awarenzeitlichen Denkmal­materials kann man in einer gut deutbaren siedlungsgeschicht­lichen Einheit zusammenfassen. Das Denkmalmaterial der awa­renzeitlichen Kultur (mit Skelette enthaltenden Friedhöfen do­kumentiert) ist aus einer früheren Zeit als dem zweiten Drittel des VII. Jhs. nich nachweisbar, aber ab zweiter Hälfte des VII. Jhs. meldet es sich massenweise. Das Frühawarentum besetzte nur das genaugenommene Pannonién und östlich von der Do­nau Gepidien (nördlich und östlich bis zu den Römerschanzen). In der zweiten Hälfte des VII. Jhs. dehnte sich aber das Quar­tiergebiet plötzlich in der Richtung des Wiener-Beckens, des nördlichen Teils des Kleinen Alfölds, des Ipoly-Tals und des Cserhát-Mátra-Bükk-Gebietes aus. Dieses Gebiet wurde zu­gleich dicht bevölkert. Zu dieser Zeit kamen, laut Auffassung der Mehrheit der Awarenforscher aus dem Osten im Zusamm­enhang mit den Volksbewegungen des Doner Bulgarentums neue Völkergruppen in das Karpaten-Becken. Wenn der Schaf­skult in dieser Zeit eine auf die Bulgaren zurückführbare Er­scheinung ist, dann ist dieser in der mittleren Awarenepoche im Karpaten-Becken auftauchender Ritus mit den ansiedelnden Bulgaren und mit ihnen wandernden verwandten Völkern ver­bunden. Dieses kann, mit anderen Worten, bedeuten, dass hier eine bewusste Siedlungsaktion des awarischen Kagans vor uns steht, zuerst an den Rändern der awarischen Quartiergebieten: im Nordwesten und Norden (Wiener-Becken, SW-Slowakei, nördlicher Rand der Tiefebene), d. h. Samos' Reich gegenüber; weiters im Süden (zwischen der Donau und der Save bzw. in der Batschka), an dem Grenzgebiet des alten Feind von Byzanz gegenüber. Die weiteren gemeinsamen Züge der fraglichen Friedhöfe sind unbedingt weiter zu erforschen und zu analisieren, um hier sichere Ergebnisse zu erreichen. Bis dahin bleibt alles nur eine Arbeitshypothese. 70

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