Kaposvári Gyula szerk.: Szolnok Megyei Múzeumi Évkönyv (1978)

László Szabó: WORTGESCHICHTLICHER HINTERGRUND EINES GEGENSTANDES

Bauerntums auf einem so grossen Gebiet müssen wir auch eine äussere Wirkung eine bewusste Organisation, eine Ideologie annehmen. Dazu genügt es nicht einmal die gemeinsame Geschichte der Gebiete jenseits der The­iss und Siebenbürgen seit der Zeit der Arpaden bis in un­sere Tage hinein. Zum Beweis kann der kulturelle Un­terschied der Teile von Jazygien — Kumanien hinges­tellt werden. 14 Die juristischen Rahmen, geschichtlichen Ereignisse verbanden und gleichberechtigteil die drei Teile des Distriktes. Wenn wir aber bloss Jazygien und Grosskumanien vergleichen, ergibt sich ein riesengros­ser Unterschied, wie das die Angaben des ethnograp­hischen Atlas vom Komitat Szolnok bezeugen. Jazygien ging Grosskumanien der Weg der Verbürgerlichung vo­ran, es zeigt eine vielmehr harmonische Entwicklung. Die Anschauung, die Auffassung der beiden Gebiete ist völ­lig verschieden. Jazygien zeugte immer von geringem re­volutionärem Schwung im Laufe der Geschichte, war immer höfisch gessint — den Freiheitskampf von Rá­kóczi ausgenommen. 1:> Es kann nicht allein mit den geog­raphischen Unterschieden, eventuell mit der grösseren Verwüstung der Türken erklärt werden. Im Falle der Isoliertheit von Jazygien und Kumanien müssen wir in Betracht nehmen, dass Jazygien katholisch, Grosskuma­nien aber reformiert war, und letzteres gerade wegen der konfessionellen Gründen, der Religionsverfolung mit sei­nen Rechten und Privilegien keinen ähnlichen Gebrauch machen konnte wie die Jassen. Mit dieser Feststellung sind wir der Lösung unserer Frage näher geraten. So können wir vielleicht die Entstehung der einheitlichen Anschauung eines grossen Gebietes erkunden. In Schutz­nahme der Fürsten von Siebenbürgen und infolge des religiösen Indifferentismus der Türken baute der sich schnell verbreitende Protestantismus solche Grenzfestun­gen im Gebiet jenseits der Theiss aus, wie Debrecen und Sárospatak. Das sich entiwickelnde Schulnetz versah das Gebiet mit Predigern und Lehrern, was die homogenisie­rende Wirkung des protestantischen Geistes bewirkte. 10 Die ungarische Muttersprache der Kirche fand den Weg zum unbeschulten Bauerntum und nahm an der Heraus­bildung seiner Aschauung weitgehend teil. Daneben, wie auch bei den Katholikern müssen wir auch damit rechnen, dass die Kirche die Moral der Ge­meinschaft gestaltete und kontrollierte und dazu beiget­ragen hatte, dass die Anschauung zu einem Verhalten wird. 17 Dieser Geist war oppositionell, ausgesprochen deutschfeindlich, was die auch sonst traurigen Erfahrun­gen des Bauerntums in dieser Hinsicht zu einer einheit­lichen Ideologie, Anschauung schmiedete Deshalb ist ja Unterschied zwischen Jazsgien und Grosskumanien an­hand unseres kleinen Beispiels, der Holzgabel und einer ganzen Reihe von weiteren Fällen zu bemerken, obwohl das gemeinsame Recht, die politische Gemeinschaft und Geschichte Jahrhunderte hidurch gleiche Wesenszüge zu zeigen schienen. In religiäser Hinsicht aber genoss die katholische Kirche in Jazygien die Unterstützung der zentralen Macht, während die reformierte Kirche als eine Minioritätskonfessin die Reihen der Gesetzwidrig­keiten ertragen musste. 8. Da die oppositionelle Rolle, die Deutschfeindlich­keit der protestantischen Ideologie und ihre Wirkung auf die einheitliche bäuerliche Anschauung hervorgehoben wurde, müssen wir auch einen anderen Wesenszug dieser Ideologie erwähnen. Dieser übt eine ebenso weitgehende Wirkung auf die Volkskultur, die Anschauung des Ba­uertums aus. Das ist der Konservativismus, den Ka­zinczy „den Geist von Debrecen", Debreczinertum und die allgemeine Auffassung als „Rückständigkeit", „Pe­danterie", „Zopf" kennt. Das existiert wirklich, Gross­kumanien ist tatsächlich konservativer als Jazygien, nicht nur wegen der grösseren Verwüstung, der ungüns­tigen Landschaft. Das entspringt nicht nur der Ursache, dass das eine auf religiösem Gebiet belästigt wurde, das andere dagegen nicht. Es hängt nicht mit der physischen Tatsache der Belästigung, sondern mit der Reaktion darauf zusammen. Diesen Reaktion hat der höchste We­sensgehalt der protestantischen Ideologie, die die An­schauung des Bauerntums auf dem Gebiet jenseits der Theiss beeinflusste. Nicht unabhängig von den Lehren des Bauernkriegs von Dózsa und von den früheren geschichtlichen Bedin­gungen verbreitete sich der Protestantismus auf dem Gebiet jenseits der Theiss sehr schnell. Den anderen Teilen des Landes gegenüber entwickelte er sich hier zu einem festen System, wurde sogar zur Staatsreligion in Siebenbürgen und im Partium genoss er eine Autokra­tie. Fürsten und Feudalherren stifteten Schulen von verschiedenen Typen und Kirchen. Nach dem Sturz des Fürstentums von Siebenbürgen, der Verjagung der Tür­ken wurden diese Rechte gesetzwidrig, mit Gewalt, später auch durch Gesetze von Wien beschränkt und verletzt. Eine früher grössere Kompetenz wurde mit Ge­walt zurückgedrängt, beschränkt. Der ohne Unterstüt­zung der Macht kämpfende Protestantismus hatte nur eine Waffe, : er bezog sich immer auf die frühere Rechts­stellung, die Sitten und die Erfolge, um sie aufrechter­halten zu dürfen. Diese einzige Kampfmethode, die das Vorhandene schützte, bedeutete die Vergrösserung aller vorhandenen und noch gebliebenen Rechte, Sitten, Er­179

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