A Debreceni Déri Múzeum Évkönyve 1997-1998 (Debrecen, 1999)
Régészet, Ókortudomány - Dani János: Siedlungen der frühbronzezeitlichen Nyírség-Kultur in der Umgebung von Polgár
János Dani SIEDLUNGEN DER FRÜHBRONZEZEITLICHEN NYÍRSÉG KULTUR IN DER UMGEBUNG VON POLGÁR Siedlungsteile der frühbronzezeitlichen Nyírség Kultur wurden während der fundrettenden Arbeiten an der Spurlinie der Autobahn M3 im Komitat Hajdú-Bihar auf den Fundorten PolgárKirályér (1. Fundort) und Polgár-Kengyel-köz (7. Fundort) ausgegraben. Am Királyér-Ufer sind ein aus 4 Gruben (Objekte 297., 388-389., 514), im Kengyel-köz ein aus 12 Objekten bestehender - viel grösser und ein reicheres Fundmaterial erhaltender als der erste - Siedlungsteil zum Vorschein gekommen. Das 512. Objekt von den im Kengyel-köz ausgegrabenen Objekten, funktionierte als Abfallgrube, das 86. Objekt wahrscheinlich als Pfahlloch, die 583. Und 599. Objekte als Brunnen, das 586. Objekt als Grube für Tongewinnung und Vorbereitung, und das 685. Objekt - obwohl es ursprünglich auch ein Brunnen sein sollte - als Opfergrube. Die in der Opfergrube in 3 Schichten gelegenen Gefässe - oft in reichverzierter Ausführung - gestatten einen Einblick in das sakrale Leben der Kultur, und zeigen auf die bestimmende Bedeutung des Wassers für den vorgeschichtlichen Menschen. Die Zweckbestimmung der Objekte 306-307, 508 und der Objekte 492-493-494., die einen dreifachen Ringform haben, ist fraglich, sie sollten vielleicht zu einer Pfahlbaukonstruktion gehören. Der Mangel an Häusern ist auf beiden Siedlungen auffällig. Die Struktur der Siedlungen - mit den anderen schon ausgegrabenen Siedlungen der Kultur vergleichend - weisen auf eine, von kleineren Gesellschaften nicht zu lang bewohnte einzelgehöftartige Siedlungsstruktur, dieses Bild wird von den bisher ausgegrabten, aus ein oder zwei Gräber bestehenden „Gräberfelder" verstärkt. Der Tierknochenfundbestand in den Gruben ist ausserordentlich rar; der Zahl der Jagdtiere ist sehr klein, aber Haustierknochen wurden nicht einmal in wesentlicher Menge gefunden. Das wirft vor uns wieder ein Bild über für kurze Zeiträume sesshaft werdende, kleine, bewegliche Gemeinschaften. Neben der ausserordentlich sehenswerter mit mit weisser Inkrustation gefüllten Einritzungen verzierter Feinkeramik wurden die Fragmente der Hauskeramik - oft mit einer Oberfläche mit Besenstrich - mit grober Ausarbeitung in stattlicher Anzahl gefunden. Einige Gruben haben auch Mahlstein-Fragmente enthalten, die indirekt auf Ackerbau verweisen können; aber in der Siedlung sind wenige geschlagene Steingeräte zum Vorschein gekommen. Die Untersuchung der Steingeräte hat nachgewiesen, dass die Mitglieder der Gemeinschaft das Steinrohmaterial in erster Linie aus dem Gebirge Tokaj-Zemplén (die Umgebung von Erdőbénye, Bodrogkeresztúr) beschafft hatten. Das Auftauchen der zwei Wagenrädermodelle und eines Spinnwirtel aus Ton ist noch bedeutend. Aufgrund der Analyse der Keramikmaterialien können wir die Siedlungen zum in Nordungarn in der II. Periode der Frühbronzezeit lebenden Volk der Nyírség Kultur binden. Aufgrund der Parallele der Gefässformen sind Beziehungen mit Nagyrév, Glockenbecher, Somogyvár-Vinkovci Kulturen und mit der Gyula-Rosja Gruppe nachzuweisen. 75