A Debreceni Déri Múzeum Évkönyve 1994 (Debrecen, 1996)
Természettudomány - Sándor István–Dudás Miklós: Veränderungen im Bestand von Greifvogelarten im Bezirk Hajdú-Bihar in der Zeit
István Sándor—Miklós Dudás VERÄNDERUNGEN IM BESTAND VON GREIFVOGELARTEN IM BEZIRK HAJDÚ-BIHAR IN DER ZEIT ZWISCHEN 1976 UND 1984 Es besteht ein ständiger Streit zwischen den Jägern und Naturschützern in Ungarn darum, ob hier wenig oder viel Raubvögel heimisch wären. Da uns aber nur wenig tatsächlich auswertbare Angaben zur Verfügung stehen, so fehlt uns in vielen Fällen eine ausreichsbasis in Bezug darauf, ob überhaupt von einer Übervermehrung von Raubvögeln gesprochen werden darf, wenn man beispielsweise an den „Reichtum,, an Raubvögeln im vergangenen Jahrhundert denkt. Sinn und Zweck der Forschungen in den Gebieten des Bezirkes Hajdú-Bihar, die von grösseren zusammenhängenden Mischwäldern bedeckt sind, bestand darin, ein realeres Bild von der Verteilung, der gegenwärtigen Situation und den Gründen für die Veränderungen des hier vorkommenden Brutbestandes zu erhalten. Wir unternahmen hier den Versuch, jene Abläufe und Wechselwirkungen aufzudecken, die darauf hinweisen, welche Faktoren die Ursache dafür waren bzw. sind, dass die Individuenzahl der einen oder anderen Art zurückgeht, eventuell sogar völlig aus der „lokalen,, Fauna verschwindet, oder aber dafür, dass sich eine neue Art hier ansiedelt, die bis dahin nicht diese Lebensräume charakteristisch war. In Hinsicht auf die Arten- wie auch die Individuenzahl ist es in den hier untersuchten Waldgebieten während der vergangenen fünfzig Jahre zu einem schnellen Rückgang gekommen. So deckten die Forschungen auf, dass in Bezug auf einige Arten die Artendiversifikation weit hinter den Forschungsangaben aus den zwanziger und dreissiger Jahren zurückbleibt. Verschwunden sind aus diesem Gebiet unter den nistenden Arten der Zwergadler, der Schreiadler, der Rote Milan, der Schlangenbussard und der Jagdfalke. Die „frei gewordenen,, Lebensräume wurden dann von kulturfesteren Arten wie dem Mäusebussard oder dem Taubenhabicht eingenommen. Die Veränderunge, die in der Artenzusammensetzung eingetreten sind, haben uns auf eine Erscheinung aufmerksam gemacht, von der die Lebewelt der noch vorhandenen Wälder in der Ungarischen Tiefebene allgemein bedroht sind, und zwar handelt es sich hierbei um den Verarmungsprozess der Fauna, der leider schon über ein Anfangsstadium hinaus fortgeschritten ist. Das Gesamtgebiet der untersuchten Wälder hat sich im Wesentlichen nicht verändert, nur der Anteil an alten, ungestörten und für das Nisten geeigneten Waldstücken geht immer stärker zurück. Die Kraftanstrengungen des Umwelt- und Naturschutzes zielen darauf ab, diese ungünstigen Vorgänge zu verlangsamen und einzudämmen. Das Verbot des Einsatzes von Pestiziden mit Totalwirkung (DDT, Strichnin usw.), der gesetzliche Schutz von Raubvogelarten sowie die Schaffung von Schutzgebieten und die Aufklärungsarbeit unter Jägern haben schon jetzt ihre günstige Auswirkung auf Bestandsveränderungen bei einigen Arten gezeigt. Wir konnten vor allem bei stark geschützten Arten die Erfahrung machen, dass sich hier nach dem Tiefpunkt in den sechziger Jahren ein langsames Anwachsen bzw. eine Stagnation abzeichnen (Schwarzmilan, Jagdfalke, Kaiseradler usw.). In dem von uns untersuchten Zeitraum haben sich die jährlichen Beobachtungsangaben nicht wesentlich verändert, bzw. im Vergleich mit den uns zur Verfügung stehenden Literaturangaben konnten wir bei den obengenannten Arten Tendenzen in der Bestandsveränderung feststellen. 36