A Debreceni Déri Múzeum Évkönyve 1980 (Debrecen, 1982)

Irodalomtörténet, művelődéstörténet - Lévay Botond: Die „Grillenmusik” (Tücsökzene) von Lőrinc Szabó – einige Fragen zur Persönlichkeit des Dichters

Botond Lévay DIE „GRILLENMUSIK" (TÜCSÖKZENE) VON LŐRINC SZABÓ — EINIGE FRAGEN ZUR PERSÖNLICHKEIT DES DICHTERS Das Jahr 1945 brachte sowohl im privaten als auch im dichterischen Leben von Lőrinc Szabó einen tiefen Einschnitt. In den ihm noch verbleibenden zwölf Jahren schuf der Dichter aus der Inspiration zweier Erlebnisse, und im wesentlichen bilden zwei gewaltige Zyklen sein Werk nach 1945. Der erste ist die „Grillenmusik", mit der sich auch die vorliegende Arbeit auseinandersetzt. Ein Heraufbeschwören der Kindheit und des Mannesalters, eine dichterische Berechnung und Erklärung des Le­bensweges. Das zweite Werk ist „Das sechsundzwanzigste Jahr", darüber, wie einer seine Liebste verliert und beweint. In der vorliegenden Arbeit will der Autor die „Grillenmusik" nicht vollständig analysieren und auswerten, sondern er versucht lediglich, mit dem Herangehen an einige Fragen der Dichterpersönlichkeit und mit dem Aufzeigen seiner Komplexität Möglichkeiten und Methoden für eine detaillierte Interpretation zu liefern. Diese Ar­beit ist nur Teilstück seiner Doktordissertation, in der der Autor sich mit der gesamten „Grillenmusik" befasst. Die „Grillenmusik" ist ein lyrisches Werk, das Bekenntnis eines aus dem Gedä­chtnis heraus neugeborenen Erlebnisses ergibt sich aus der harmonischen Werwirkli­chung des Organismus und der Zeitbetrachtung des Zyklus. Das Grillenwort, das die pantheistischkosmische Neigung in der Persönlichkeitsgestalt Lőrinc Szabós zum Schwingen bringt, legt infolge der assoziativen Möglichkeit der Erlebnisse nicht allein die Pflastersteine für den inneren Bau des Werkes, sondern es knüpft sich an die Ebenen der Zeitbetrachtung des Werkes an. Eine bewusste Verschärfung der Neigung der Dichterpersönlichkeit gibt die reiche Welt der „Grillenmusik" wider: Die pantheis­tische und die rationalistische Anschauungsweise vervollkommen sich und harmonie­ren künstlerisch, die Mikro- und die Makrowelt werden entdeckt. Diese poetische Erscheinung bedeutet neben dem Erfassen der Lebensbahn des Dichters auch in der Gestaltung einzelner Gedichte etwas Neues. Aufgrund der Intensität in dem Erinnerungen heraufbeschwörenden Erlebnis­zwanges der dichterischen Persönlichkeit können in dem lyrischen Material drei verschiedene Gedichttypen unterschieden werden: der epische Typ, der Erlebnisse analysierende Typ und der Monologtyp. Diese Gedichttypen scheiden sich in der Wirksamkeit der künstlerischen Schöpfungskraft, in der Analyse des Erlebnisses und in seiner Abstraktion voneinander. Zur Blosstellung einzelner Gedichte verfügt die Persönlichkeit Lőrinc Szabós über ein anderes, sehr wesentliches künstlerisches Mittel: die auf der Tat ertappbare Zeit wird angehalten, wird an ein Erlebnis, an eine Persönlichkeit gebunden. Das Erlebnis wird durch den zeitlichen Augenblick der Erinnerung befruchtet. Und obschon der Erlebniskern der Erinnerung räumlich beschränkt ist, lässt der Dichter die duschlebten Lebenstatsachen drei, indem er den Strom in den Zeitebenen beliebig löscht. Die weiteren Zeitebenen unterscheidet der Verfasser wie folgt: Zusammenfassung der Vergangenheit in der Gegenwart, reine Vergangenheitsebene, Mitvergangenheit, Vergangenheit, die in die Gegenwart hineinwächst und Zeitebene der reinen Gegen­wart. Bei der Auswahl der dominanten unter den verschiedenen Zeitebenen ist entscheidend, wie der zeitliche Augenblick der das Gedicht gestaltenden Dichterpersön­lichkeit seine gefühlsmässige Gesättigtheit — eventuell sogar reihenweise — vollendet. Auch die bildliche Architektur der Gedichte wird von den Tendenzen der Persön­lichkeit und der Kunst des Dichters bestimmt. Die beinahe schon als traditionell zu bezeichnende Gedichtperspektive von Lőrinc Szabó ist auch hier eine stufenweise auf­teilende, rationelle Beschreibung des Erlebnisses, ein fühlend-analytisches Sehenlassen. 497

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