A Debreceni Déri Múzeum Évkönyve 1980 (Debrecen, 1982)

Irodalomtörténet, művelődéstörténet - Tóth Béla: Die Geschichtslehre und die Archäelogievorlesungen von György Maróthi

Béla, Tóth DIE GESCHICHTSLEHRE UND DIE ARCHÄOLOGIEVORLESUNGEN VON GYÖRGY MARÓTHI Seine Professorentätigkeit nahm György Maróthi (1715—1744) zu Beginn des Jahres 1738 am Kollegium zu Debrecen mit der Lehre der Geschichte auf. Als Grundlage für seinen Unterricht führte er die Cellarius (Chr. Keller) História Univer­salis ein, womit er von den religions- und kirchengeschichtlich eingestellten Vorlesun­gen seiner Vorgänger voll und ganz abwich. Von Anbeginn seines Wirkens verband er die Geschichte mit einer eingehenden Lehre der griechischen und der römischen Ar­chäologie, was zu der Zeit in Debrecen als Neuheit galt. Ebenso neu war Maróthi aber auch in der Methode und Betrachtungsweise seiner Vorlesungen. Mit seiner Me­thode hob er diese Fächer nämlich aus dem Bannkreis der „philologia sacra" heraus und erweiterte sie der allgemeinen Geschichte gegenüber. In seinen Vorlesungen sehen wir jene Prinzipien realisiert, die bei seiner Geschichtslehre genannt wurden, d. h., Maróthi war bemüht, die Gebräuche, Institutionen und Gesetzmässigkeiten des griechischen und des römischen Volkes vorzustellen, indem er auch auf Gebiet der Literatur übergriff, um anstelle von äusserlichen Angaben und Jahreszahlen das Leben eines Volkes von vielen Seiten her zu beleuchten. Einer der wesentlichsten Züge seiner Methode zur Aufdeckung von Quellen war das Etymologisieren, den ursprünglichen Sinn, die Gestalt von Wörtern und ihre his­torischen Veränderungen als Zeugen zu zitieren. Und gerade hier kam seine mathe­matisch geschulte Logik ausgezeichnet zur Gültigkeit; sein aus der frühen Periode der Aufklärung stammender Rationalismus gestattete es nicht, dass ein schwärmerisches Etymologisieren neuere sprachliche Erscheinungen auf den Weg eines aus den bib­lischen Sprachen herrührenden Vorganges ableitet. In dieser Hinsicht konnte man auch in ganz Europa schwer dergleichen an Auffassung und Methode finden. Sein aufgeklärtes Denken liess er durch die abergläubischen Erscheinungen der antiken Religion, hauptsächlich aber durch Wahrsagungen und Wahrsagestätten zur Geltung kommen, aber auch dadurch, dass er die idealistische Philosophie Piatons verwarf. An diesen Stellen liess er es auch nicht an versteckten oder gar offenen Ans­pielungen auf die Verhältnisse seiner eigenen Zeit fehlen. Am fortschrittlichsten zeigt er sich jedoch dort, wo er die Prinzipien des ius naturale in seine Vorlesungen einflechtet, indem er seinen Standpunkt den anti­demokratischen Institutionen und in erster Linie der absoluten Monarchie und dem ewigen Königtum gegenüber bezieht. Indem er aber die römische Archäologie nahezu zur Geschichte des römischen Rechts umwandelt, bringt er diese Disziplin in Debrecen als erster zu Gehör. Dass er sein Fach so weitreichend auffassen konnte und mit einer so vielschichti­gen Methode an es herangehen konnte, ja einfach der Anspruch darauf, zeitgemasses Wissen vermitteln zu wollen, setzten eine Kenntnis der zeitgenössischen klassisch­philologischen und der historischen Literatur voraus. Und diesen Bedingungen kam Maróthi in höchstem Masse nach. Wie aus dieser etwas gedrängten Darstellung hervorgeht, kannte Maróthi nicht nur das gesamte al­tertümliche, griechische und lateinische Quellenmaterial, sondern ebenso deren mo­derne Bearbeiter von der Renaissance an bis zu seiner Zeit. Und er kannte darüber hinaus auch nicht nur die grossen zusammenfassenden Werke, sondern auch kleinere Dissertationen, auf welche er sich häufig berief, sowie die zeitgenössischen besten Standardausgaben von Autoren; diese besass er zum Grossteil auch in seiner eignen Bibliothek. Maróti übte an dem riesigen Wissensmaterial, das er in seinen Vorlesungen zusammentrug, scharfe Kritik und liess es seinem Zweck entsprechend zu einem 465

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