A Debreceni Déri Múzeum Évkönyve 1972 (Debrecen, 1974)

Néprajz - Salamon Anikó: Nádsípkészítés a Hortobágyon

Anikó Salamon ROHRPFEIFENHERSTELLUNG AUF DER HORTOBÁGY Im Juni 1970 haben die Mitarbeiter des Déri-Museums eine Rohrpfeife in brauchbarem Zustand beim Püspökladányer Hirten Gábor Törő eingesemmelt. Die Länge der Rohrpfeife ist 25 cm. Am Schaft gibt es sehs Löcher. Das Mundstück wurde aus einem anderen Rohr­stengel gemacht. Der frühere Hortobágyer Hirt Gábor Törő hat auf unsere Bitte die Technik der Her­stellung der Rohrpfeife vorgestellt. Das Rohr wird aus einem alten Rohrdach herausgezo­gen, da nur das völlig ausgetrocknete Rohr für Pfeife geeignet ist. Das entsprechende Stück wird aus der Mitte des Rohres - etwa über dem fünften bis sechsten Glied - ausgeschnit­ten, u. z. so, dass der ,,Ködök" an beiden Enden erhalten bleibt („Ködök" ist der Voll­knoten am Rohrstengel, wo das Blatt wächst). Dann werden die Kődöks mit der Spitze des Klappmessers durchgestochen, und an einem Ende wird das aus einem dünneren Rohr ge­machte Mundstück hineingesteckt. Vor der Einlage wurde ins Mundstück ein 2-4 cm langer Schlitz (eine sog. Zunge) geschnitten. Mit der Tiefe der Einlage des Mundstückes wird der Grundton der Rohrpfeife eingestellt. In den Körper der Rohrpfeife werden dann sechs Löcher geschnitten. Das erste ist vom Mundstück drei Zoll entfernt, die anderen je ein Zoll weiter. Ist das Ausschneiden der Löcher gut gelungen, sind vom Verschliessen aller Löcher an die 7 Töne der Durskala erhalten. (Das bei der Blockflöte bekannte Durchblasen ist hier nicht möglich.) Lautet die Pfeife nicht klar, kann mit der Änderung der Löcher ein wenig geholfen werden,- ist das nicht genug, muss man die Pfeife wegschmeissen. Die Rohrpfeife wird heutzutage nur von den Kindern gebraucht. Früher war sie auch in Kapellen üblich, da sie mit dem Einstellen des Mundstückes auch gestimmt werden konnte. Auf ungarischem Gebiet ist sie vorwiegend in der Grossen Tiefebene verbreitet. Es gibt eine Variante, wo das Mundstück nicht getrennt, sondern aus demselben Rohr­stengel gefertigt wird. Es gibt Varianten auch mit sieben Löchern, wo die ganze Durskala vorhanden ist. Diese Pfeife ist auch bei den Rumänen des Komitats Torontál (heute an der nordöstlichen Grenze Jugoslawiens) und bei den Arabern üblich. Früher musste sie auch eine kultische Rolle spielen. 25 Déri Múzeum évkönyve 385

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