Molnár Attila et al.: Jöttek - mentek. Langobardok és avarok a Kisalföldön - A Győr-Moson-Sopron Megyei Múzeumok Kiállításvezetője 3. (Győr, 2008)
Tomka Péter: Az avarok kora
Das Awarenvolk (besser gesagt der Verband, der unter diesem Namen in Byzanz und im Westen gleichermaßen bekannt war) drang von Osten in das Karpatenbecken ein. Noch 558 schickten sie von den südrussischen Steppen eine Gesandtschaft zur Bündnisschließung an den kaiserlichen Hof in Byzanz. Sie einverleibten eine Reihe Steppenvölker, die sie besiegt bzw. denen sie wirtschaftliche Hilfe geleistet haben. 562 stritten sie gegen die Franken an der Elbe, 568 standen unter Herrschaft Kagan Bajans schon das einstige Gepidia, das sie auf Grund eines mit den Langobarden abgeschlossenen Abkommens eingenommen hatten, aber auch Pannonien, nachdem der Bündnispartner abgezogen war. Beide Teile des Karpatenbeckens verschmolzen nach dem kurzen Intermezzo der Hunnen für lange Zeit - 250 Jahre - zu einer politischen Einheit. Die geschichtlichen Quellen (zuerst Byzantiner, auch italische Langobarden, Ende der Epoche die Franken) sind einseitig, sporadisch, nicht konstant gleichmäßig, beziehen sich vorwiegend auf Diplomatie und Kriegsführung, und sind — natürlich — feindselig. Ohne gründliche Kritik dieser Quellen ist es nicht ratsam, nach ihnen zu greifen. Uns sind die eigenen schriftlichen (falls es überhaupt welche gab) und mündlichen Überlieferungen der Awaren nicht bekannt. Traum aller Sprachforscher, Historiker und Archäologen ist es, dass eines Tages eigene awarische Quellen auftauchen. Vielleicht ist das nicht ganz hoffnungslos, denn wir wissen schon, dass sie eine eigene Schrift hatten (der Beweis dafür: der Schatz von Nagyszentmiklós, Nadelbehältnis von Szarvas, und einige verstreute Funde tragen Runeninschriften mit den gleichen Zeichen). Diese Inschriften widersetzen sich jedoch bis heute jeglicher Entzifferung. Theoretisch ist das Auftauchen weiterer Andenken im Laufe von Freilegungen - jederzeit - möglich. Dann kann die Schrift der Awaren entziffert werden und wir erfahren, welche Sprache/Sprachen die awarischen Völkerschaften gesprochen haben. Zur Zeit können wir nur rätseln: einige Personennamen und Würdennamen weisen darauf hin, dass sie zum archaischen westlichen Abzweig der Türkenschaft gehört haben könnten. Überraschende Gedanken erweckt der gegen Ende der Epoche, vor allem an den Westenden auftauchende Volksname onogur: bezieht er sich auf die gesamte spätawarische Völkerschaft oder nur auf ihre (eine) westliche Gruppe? Läßt sich etwa von hier die „von außen kommende” Bezeichnung für die später auf dieses Territorium gelangenden Ungarn (hungarus, venger usw.) herleiten? Haben etwa die bulgarisch—türkischen Lehnwörter in der ungarischen Sprache (oder ein Teil davon) hier ihren Ursprung? In der awarischen Ethnogenese zeichnen sich bei Analyse archäologischer und historischer Quellen drei große Fäden ab: der erste führt nach Innerasien, der zweite nach Mittelasien, der dritte in das kaukasische Vorland und die ukrainischen Ebenen. Das Bild wird durch im Karpatenbecken angetroffene Volksgruppen bereichert: Gépidén (die, wie es scheint, nach Ostpannonien übergesiedelt sind), die Reste der spätantiken Bevölkerung Pannoniens und evt. auch andere. Wir wissen vom Anschluss anderer Völkerrestbestände und Absplitterungen im Laufe des 6. Jh.s, und die awarische Wanderbewegung brachte die benachbarten slawischen Völker in Bewegung. Desweiteren bezeichnen wir als Awaren die Untertanen des awarischen Kagan, die Bewohner des Awarenlandes — wie dies auch die damaligen Zeitgenossen taten. Ihre Geschichte im Karpatenbecken bis ins erste Drittel des 7. Jh.s wurde von ihren Kontakten zu Byzanz bestimmt. Die Awaren erpressten Geld vom Reich, Byzanz war der Friede so viel wert. Die Schatzung scheint ungeheuerlich (stieg von 60.000 Goldsolidi auf 200.000 an), aber dies entsprach lediglich 1 % des Jahresgoldeinkommens des Byzantinerreiches. Die Epoche schließt mit dem erfolglosen Angriff auf Konstantinopel 90