Molnár Attila et al.: Jöttek - mentek. Langobardok és avarok a Kisalföldön - A Győr-Moson-Sopron Megyei Múzeumok Kiállításvezetője 3. (Győr, 2008)

Nagy Andrea: Különleges korai avar sírok Győr-Pápai vám lelőhelyről

Im Herbst 2006 kamen geradezu überraschend 5 frühawarische Gräber zum Vorschein. Auf dem Gebiet des Fundorts Pápai vám einstiger Tiermarktplatz fanden vor dem Bau des Family Centers archäologische Grabungen statt. Von diesem Fundort kannten wir bis dahin nur neolitisches und frühmittelalterliches Siedlungsmaterial. Die 5 Gräber gelten als Sensation unter den bisher bekannten Bestattungen in unserem Komitat. Die Gräber lagen ähnlich wie am Fundort Börcs—Nagydomb in lockerer, verstreuter Anordnung, weiter von einander entfernt, am südlichen, südöstlichen Ende der freigelegten Fläche, auf einer höheren sandigen Erhebung. Möglicherweise hat sich das Bestattungs­gebiet in südlicher Richtung, wo schon früher Bauarbeiten stattgefunden haben, erstreckt, im Norden zieht sich nämlich eine nasse, morastige Vertiefung. Die Orientierung der Grabgruben ist NNW—SSO, sie weichen darin weniger voneinander ab als die in Börcs, und die Entfernung zwischen ihnen ist auch nicht so groß. Unter den 5 Bestattungen haben wir lediglich in einer keine Beigaben gefunden, diese zählen wir auf Grund ihrer Plazierung, Orientierung und der Lage des Toten (ausgestreckt auf dem Rücken liegend) in die Zeitepoche. Unter den anderen 4 Gräbern wurde nur eins (Nr. 67) ausgeraubt, die anderen zum Glück nicht. In Objekt Nr. 25, einer langen, schmalen, an den Ecken abgerundeten rechteckigen Grabgrube, lag ein erwachsener Mann. Die Längsseite der Grube ist mit einem stufen­förmigen Vorsprung versehen, darunter zeigte sich die Verfärbung des Sarges. Dies könnte darauf hindeuten, dass auf den Vorsprung Bretter gelegt waren, um Sarg und Leiche vor der bei der Beerdigung zurück geschaufelten Erde zu schützen und um sie vom Opfertier zu separieren. Auf diesen Vorsprung war eine abgezogene Schafshaut gelegt (partielle Tierbestattung), die mit Schädel und Gliedmaßen abgezogen worden war. Als Wegzehrung waren Schafs- bzw. Rindfleisch beigelegt, was die hier gefundenen Knochen beweisen. Um die Taille hatte der Tote ähnlich wie in den Gräbern Nr. 1 und 2 in Börcs einen Gürtel mit Beschlagimitation, Ziernieten und Haken, mit einer Eisenschnalle zusammengefasst. Unter seinem linken Arm lag ein Eisenmesser. Ähnlich wie auch bei den anderen Bestattungen fanden wir unter beiden Knien Rinderschwanzknochen. Bei den frühawarischen Bestattungen war der Schafschwanz eine häufige Speisebeigabe. Der Schafschwanz gilt auch noch heute in bestimmten Gegenden, bei Völkern mit nomadischen Wurzeln (z. B. Mongolei) als Delikatesse, und steht dem Oberhaupt bzw. Füher der Familie oder dem geehrten Gast zu. Bei unseren Bestattungen sehen wir uns nun aber Rinderschwanzbeigaben gegenüber, die in jedem Fall in Kniehöhe unter die Beine des Toten gelegt wurden. Dieser Bestattungsbrauch wirft gleich mehrere Fragen auf. Z. B. das Fehlen des Schafs oder dessen Verdrängung in den Hintergrund in dieser Region, oder die Herausbildung anderer rätselhafter Riten, Bräuche innerhalb der Gemeinschaft. Der Verdrängung des Schafs widerspricht, dass wir in jedem Grab als Opfertier Reste des gehäuteten Schafs gefunden haben (partielle Schafbestattung). Von den Bestattungen hebt sich Grab Nr. 39 ab, in das vermutlich ein Führer der Gemein­schaft mit großer Sorgfalt bestattet war. Die Grabgrube ist von großem Ausmaß, trapez­förmig, mit steilen Seitenwänden und tiefem Grabschacht. Das Skelett des erwachsenen Mannes lag im Ostteü des Grabs. Neben ihn waren die Reste eines gehäuteten, aufgezäumten Reitpferdes, als Opfertier eine ebenfalls gehäutete Ziege, als Speisebeigabe ein Haushuhn und kleinere Schafstücke gelegt. 120

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