Valló István szerk.: Győri Szemle 1. évfolyam 1930.

I. évfolyam. 4-6. szám. 1930. április-június - Horváth Konstantin: Szegedy Róza levelei Kisfaludy Sándorhoz a győri csata idejéből. (Első közlemény)

(er sagt) nur um einen Augenblick. Ich kann dir nicht beschreiben, wie es mich schmerzte, sogar diese Freude — endlich einmal durch einen Augenzeugen von deinem Befinden, deiner Lebens­weise und allen deinem Umständen erzählen zu hören, — vereitelt zu sehen. Nun Werden wieder Monate vergehen, ehe jemand von der Gegend dorthin käme und nur unsichere Briefe geben mir Nachricht von dir. Vom Franzel erzählte er ausführlicher, aber auch nicht beruhigend ; wir dachten ihn ganz gesund und Sztopka sagt, er sieht sehr übel und mager aus und hat noch Anfälle von Schwindel Wie sehr uns dies besorgt macht, kannst du denken. Dann machte er eine weitläufige Beschreibung des Elendes, welches unsere arme Officiere im Lager zu erdulden haben und konnte damit kaum zu Ende kommen. Noch eine Hoffnung nährte ich bei seiner Ankunft, und auch die musste der fatale Hiobs-Bothe mir vereiteln. Ich meinte nähm­lich, er würde die zweifelhaften Gerüchte, die sich hier seit mehre­ren Tagen verbreiten, widerlegen ; aber er bestätigte sie vielmehr in neuen Zusätzen. Nun weiss ich zwar, dass der gute Mensch manchmal übertreibt; indess bin ich doch besorgt. Wir leben, leidger, in einer Zeit, wo das Üble leicht, das Gute schwer zu glauben ist ; wir erlebten bereits Dinge, die auch das Schreck­lichste befürchten machen. Vom Ausgang der grossen Schlacht weiss mann noch nichts bestimmtes hier und doch ist's schon sehr lange, dass man davon spricht ; alles wünscht mit Ungeduld das glückliche Ende. Unser Bischoff befindet sich sehr schlecht in Nerven-Fieber. Der Bódi kam gestern hier an. Unsere Wirtschaft geht in der Ordnung fort, es fiel nichts besonderes vor. Wir leben hier, wie die Klosterfrauen (à propos, wo sind Wohl die armen Notre Damen bei dem Elend in Pressbug hin­gekommen ? so oft wollte ich schon fragen), also wie die Kloster­frauen. Wir gehen sehr selten aus, ausser in die Kirche. Prome­naden sind hier nicht, wenigstens keine angenehme, und so sitzen wir den ganzen Tag und lesen und arbeiten. Ich stafiere schon alle Kinder mit Heubein und Reckein aus. Katinka stickt ihnen Strümpfen. Mir ist's so recht lieb; was kann man auch mit frem­den Menschen viel reden. In meiner jetzigen Lage entbehre ich Gesellschaft leichter, als jemals; kann ich von dem nicht sprechen, was allein meinen Geist beschäftigt, so schweige ich lieber. Und wie wenige Menschen sind fähig an fremden Angelegenheiten Theil zu nehmen, wie Wenige haben Gefühl vor fremden Leiden. Schweigen und dulden, sein Leid in sich verschliessen, ist das klügste und rathsamste, aber lächeln, wenn das Herz blutet, — ist eine schwere Kunst. Ich mag hinsehen, wo ich will, so finde ich nur neue Ur­sachen zum Kummer ; zur Freude nicht einen Anlass. Schon an eigenem Schicksal trage ich schwer genug ; aber auch das Loos meiner Verwandten und Freunde ist betrübt ; und was steht uns

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