Arrabona - Múzeumi közlemények 15. (Győr, 1973)
Lackovits E.: Die Beschreibung einer Frauengarderoben von Kapuvár
3. Die nach der neuesten Mode gemachten Kleider, die unmittelbar für Frau Göndöcs von ihrer Mutter genäht wurde. Die drei Gruppen der Tracht veranschaulichen die Sitte der Tragensornung : die aus kostbaren Stoffen .verfertigten Festkleider könnten geerbt werden, die billigeren Kleider für den alltäglichen Gebrauch wurden unmittelbar für die Besitzerin gemacht. So hatten sie eine Möglichkeit aus leichten, billigeren Stoffen in Farben und Muster der letzteren Mode nach zu kaufen. Die Materie und Schnitt der teueren Festtrachten konnten auch durch zwei Generationen unverändert bleiben. Die Festkleider mit den Schmuckelementen wurden von Teréz Póko, von der berühmten Bauernnäherin von Kapuvár gemacht. Sie hat auf die Kleider den zum Putz dienenden Seidengürtel „szerszám" und von dem Verschleiß schützende Verbrämung „söprű" aufgenäht. Frau Göndöcs hat im Alter von 13 Jahren die fertige Garderobe in 1949—50 geerbt. Sie hat nur die Röcke aufgenäht, übrigens ändrete sie nichts an den Kleidern. Bis Ostern 1971, bis zum Ablegen der Tracht hat Frau Göndöcs alle ihrer Kleider (ausgenommen das einzige aus Blaudruckstoff) getragen. Das „majkó" legte sie am Anfang der 1960er Jahren ab, bisdahin hatte sie bei großen Feiern in der Kirche getragen. Die Materie der Kleider sind: Samt, Seide, Tuchstoff, Pikee, Kottun („tarka"), Batist, Grenadine, Fiókon, Barchent („parget"), Leinwand, Blaudruckstoff. Der Samt und der Tuchstoff wurden von Bécsújhely (Wiener Neustadt) gebracht, die anderen Stoffe kauften sie in Kapuvár. Für den Rock war 5 Meter („viermal die Breite"), für die Blusen 1 Meter nötig. Sie brachten auf einmal eine Stoffmenge für 3—4 Kleider zur Näherin. Die Unterwäsche, wie schon früher erwehnt wurde, ist nicht geerbt worden. Bei dem geprüften Fall hat die Besitzerin diese von ihrer Mutter bekommen. Während ihrer Mädchenzeit hatte sie 10 Hemden, nach ihrer Hochzeit bekam sie noch 25 Stücke. Ein jedes Stück wurde aus Leinen (nicht mehr aus selbstgewebter Hausleinwand) sondern aus feiner dünner Fabrikswaren (Baumwollstoff) hergestellt. Es gehörten zum Unterkleid, aber sie spielten wegen der Formgestaltung eine wichtige Rolle die folgenden Kleidungsstücke: „melleses szoknya" (ein Unterrock, vorne bedeckt auch die Brust und mit zwei Bänden gefestigt) aus Barchent und Kottun, „abaszoknya" (Flausrock); „vasalt szoknya" oder „keményszoknya" (gebügelter oder harter Rock) aus Leinwand; „alsó puruc" das untere Leibchen aus Kottun; und aus den Resten gefütterten „kolbász" (Steißpolster). Zwei-vier Stücke waren vorhanden in einer Garderobe und wenn sie zerrissen wurden, so wurden sie wieder komplettiert. Der Kleiderschnitt war bei jeden Frauen der gleiche. Der Rock ist weit, gefaltet, hebt die Hüften hervor. Am vorderen Teil des Rockes werden die Falten weniger, hier befindet sich der 30 cm lange Schlitz, und über diese Stelle wird eine Schürze gebunden, unter der — der bäuerlichen Sparsamkeit entsprechend — der Rock aus schlechterem, billigerem Material bestand. Für Stellen, die man nicht sah, verwendeten die Bauern nie gutes Material und auch keine Verzierungen. Die Ärmeljacke „ujjas" ist vorne offen, schließt sich beim Hals, mit Knöpfen versehen, in den Rock einzubinden. Der Halsausschnitt wurde mit einem ein cm langen Band aus demselben Material eingesäumt. Am Rücken der Jacken zieht sich an beiden Seiten vom Schulter bis zur Taille je eine — schlank machende, 0,5—1 cm lange abgenähte Faltung („csípés"). Die Weite der Ärmel wird ebenso mit drei oder vier 0,1—0,5 cm breiten, genähten Falten eingenommen. Das Kleid wird mit Applikation der Schmuckelemente („szerszám") auf betonten und unbetonten Teil aufgeteilt. Feströcke und die dazu passenden Ärmeljacke pflegten aus dem gleichen Material zu sein. Bei den einfacheren Kleider war es nicht üblich. In einer Garderobe war es genügend, wenn ein (oder zwei) Ausgehkleid aus gleichfarbigem und gemustertem Stoff vorhanden war. Nach dem zweiten Weltkrieg erschien die kurzärmelige Variation der „lekötős" Blusen, die „dindi", die mit verschiedenen bunten Röcken getragen wurden. Die Frauen von Kapuvár haben sich immer eine Schürze umgebunden. Diese wurden entweder aus einfarbiger (schwarz oder blau) oder aus der sg. „lángszínű" flammroten Seide; oder aus handgestickten weißen Leinen („táncos kötény", „höveji varrott"); oder aus Blaudruckstoff verfertigt. Die Festschürzen werden mit dem sg. Schmetterlingsmuster oder mit Spitzen besetzt. Sie hatten nicht so viel Schürzen wie Röcke, weil sie sich die gleiche Schürze zu verschiedenen Röcken ungenommen haben. Die Farbe und die Besätze bestimmen die Festlichkeit. Im Gegensatz zu der relativ 15 Arrabona 225