Arrabona - Múzeumi közlemények 13. (Győr, 1971)

Timaffy L.: Schnittergemeinschaft in Dunaszentpál

SCHNITTERGEMEINSCHAFT IN DUNASZENTPÁL Bei der ethnographischen Erforschung der volklichen Landwirtschaft darf die Untersuchung der bäuerlichen Betriebslehre keinesfalls übergangen werden. Bei der engen Verkettung der einzelnen landwirtschaftlichen Betriebszweige, der Organisa­tion der Arbeit innerhalb der landwirtschaftlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten war sie hinsichtlich der Rentabilität der bäuerlichen Betriebe von ausschlaggebender Wichtigkeit. Doch hatten es die Bauern stets verstanden, die landwirtschaftliche Pro­duktion im Rahmen des Möglichen bestens zu organisieren und somit den Lebens­unterhalt ihrer Familien zu sichern. Eine bäuerliche Arbeiterorganisation war auch die Schnittergemeinschaft. Kleinbauern mit einem Grundbesitz von ein-zwei Katast­ral j och und Kleinhäusler taten sich zusammen und verdingten sich auf dem nahe gelegenen Herrschaftsgut als Erntearbeiter wo sie — neben der Bewirtschaftung ihres eigenen kleinen Grundbesitzes — Jahr für Jahr ein sicheres Auskommen fanden. In Dunaszentpál in der Landschaft Szigetköz ist diese Arbeiterorganisation bereits seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts bekannt. Sie entsprach den Interessen beider Parteien: für das Herrschaftsgut war es überaus vorteilhaft, daß ihm an Ort und Stelle stets leicht mobilisierbare Arbeitskräfte zur Verfügung standen, die Kleinbauern wollten für Geld oder Naturalien arbeiten, und das konnten sie, ohne ihre Familien und ihren kleinen Grundbesitz verlassen zu müssen. Sie verpflichteten sich alljährlich für die Ernte des Getreides auf demselben Herrschaftsgut. So hatte jede Schnittergemeinschaft ihr ständiges Arbeitsgebiet, wie es die Karte der Kleinen Un­garischen Tiefebene veranschaulicht. Im Frühjahr wurde der rechtsgültige Schnittervertrag unterzeichnet. Nur der­jenige wurde zu den Erntearbeiten (Mähen und Dreschen) aufgenommen, der sich verpflichtete, von den Früh Jahrsarbeiten bis zum Einbringen aller Feldfrüchte im Herbst an allen landwirtschaftlichen Arbeiten teilzunehmen. Jede Schnittergemein­schaft war 24 Mann stark. Es war vereinbart, daß sie unter der Leitung ihres Bosses pro Kopf je zwei Morgen Zuckerrüben vereinzeln, zweimal hacken und im Herbst einbringen müssen. Diese Arbeit wurde mit Geld entlohnt. Demgegenüber verpflich­tete sich der Gutsbesitzer, einem jeden Mitglied der Schnittergemeinschaft ein Ka­tastraljoch Mais für einen Viertelteil des Ertrags zu sichern. Aufgabe der Schnitter war auch das Mähen des Grünfutters, ein Katastralj och pro Mann, ebenfalls für das Viertel des Ertrags. Bei der Getreideernte bildeten je zwei Mäher, zwei Hocker, zwei Schnitterinnen — eine, die das Strohseil legte und eine, die die Garben band — eine Sechsergruppe, die pro Mäher die Mahd von 20 Morgen Getreide für ein Elftel ver­richten mußte. Für das Dreschten waren 2 bis 4 % des Ertrags festgelegt. Beim Dre­schen arbeiteten Vierergruppen, die sich täglich in der Arbeit ablösten: auf dem Feim, bei der Spreu und bei den Getreidesäcken. Nach Beendigung der Herbstarbeiten konnten die Schnitter wintersüber in den herrschaftlichen Waldungen arbeiten, eben­falls für einen Teillohn. Dieser Art konnten die Schnittergruppen das ganze Jahr über arbeiten und den Lebensunterhalt ihrer Familien sichern, ohne in die Fremde gehen zu müssen. Die Schnittergemeinschaften bestanden bis 1945. Nach der Befreigung des Landes waren sie überflüssig geworden, aber sie hielten auch später zusammen. Ihre seit Jahrzehnten andauernde Zusammengehörigkeit wurde zum Grundpfeiler der sozialis­tischen Gemeinschaft: sie waren die Begründer der landwirtschaftlichen Produktions­genossenschaften. L. Timaffy 175

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