Arrabona - Múzeumi közlemények 3. (Győr, 1961)

A. Lengyel: Geschehnisse der Jahre 1848/49 in Győr im Spiegel eines unbekannten Tagebuches

dischgi'aetz überschritt mit einem mächtigen Heer am 13. Dezember die ungarische Grenze und nach der Niederlage bei Parndorf war Görgey bemüht, die sich im Raum von Győr befindlichen ungarischen Truppen sukzessive zurückzuziehen. Dieser Rückzug legte dann den Weg in das Herz des Landes frei und war die unmittelbare Ursache, dass schon zwei Wochen später feindliche Truppenverbände auf den Stras­sen der verängstigten Handelsstadt aufmarschierten. Schreiber des Diariums nahm das Erscheinen der Österreicher in der Stadt mit Genugtuung zur Kenntnis, ängstigte sich umso mehr, als dann wieder Nachrichten vom Vorrücken der Honvéden eintra­fen. Der Frühjahrsfeldzug begann nämlich wieder mit ungarischen Erfolgen, so dass Feldmarschalleutnant von Weiden, der neue Oberbefehlshaber der kaiserlichen Trup­pen, nach Aufgabe der Hauptstadt den Rückzug seiner Truppen über die Stadt Győr anordnete. Görgey hätte diese Gelegenheit ausnützen sollen, um einen vernichtenden Schlag gegen den Gegner zu führen; doèh auch diesmal ging derVertreter des Ober­befehlshabers nicht so vor, wie er es im Interesse der Revolution hätte tun sollen: sich dem entschiedenen Wunsch der Nationalwehr (Honvédelmi Bizottmány) wider­setzend, erfolgte die Verfolgung des Feindes nur saumselig, ja noch mehr, in Győr machte er mit seiner Armee einfach halt. Die Freudentage der patriotisch gessinten Einwohner von Győr waren gezählt: das österreichische Heer wurde wieder „aktionsfähig — auch der russische Verbündete erschien auf dem Plan — und nun begann unter der Führung des Feldmarschalls Haynau der Gegenangriff. Vergeblich bemühten sich Sándor Lukács und Lajos Kálóczy im Interesse des Landsturmes auf dem Komitatssitz; umsonst erschien Klapka persönlich in Győr und auch der Sieg des Obersten Kmetty bei Csorna war nutzlos gewesen. Nach einem kurzen Feuergefecht fiel die Stadt und die ungarische Hauptarmee zog sich nach Komorn zurück. Mit unverhohlener Freude registrierte der Tagebuchschreiber diese Ereignisse, ferner das persönliche Erscheinen des Kaisers Franz Josef des I., den Durchmarsch der zaristischen Truppen, obwohl dieser Stand der Dinge die Niederwerfung des ungarischen Freiheitskampfes zur Folge hatte. Daran konnte nicht mehr die schnei­dige Waffentat Klapkas etwas ändern: einige Tage hindurch widerhallten wieder die Schritte der Honvéden auf den Strassen Gyors. Die feindliche Übermacht im Bunde mit der inneren Uneinigkeit versetzte der ungarischen Revolution den Todes­schlag, obzwar die Errungenschaften derselben den Weg, der einst zu der nationalen Selbstständigkeit führen sollte — die allerdings viele Jahre auf sich warten Hess — geebnet hatten. A. Lengyel 141

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