Alba Regia. Annales Musei Stephani Regis. – Alba Regia. A Szent István Király Múzeum Évkönyve. 28. – Szent István Király Múzeum közleményei: C sorozat (1999)

IV. SPOLIENTRANSPORT IN PANNONIÉN Zur Erbauung der großen Königsbasilika in Székesfehérvár soll Steinmaterial auch aus Brigetio (Barkóczi 1951, 47; Nővé Zámky 1998, 62.) und Aquincum (Alföldi 1940, 195 ff, 214 ff.) her­antransportiert worden sein. Bereits im Hinblick auf den Gelehrtenstreit über verschiedene Aspekte der römischen Siedlung in der Nähe von Tác (Tóth 1989; Fitz 1993; Alföldy 1997.), der sich an die Hypothese der aus Aquincum stammenden Steine knüpfte, wirkt diese Annahme stark konstruiert. Tatsächlich dürfte die bereits 1940 publizierte These durch den Fortschritt der Ausgrabungen in Gorsium, die damals erst am Anfang standen, hinfällig geworden sein. In quantitativer Hinsicht wurden die postulierten Steintransporte sicher über­schätzt. Einzelne Steintransporte aus Aquincum und Brigetio mögen vorgekommen sein, im allgemeinen dürfte jedoch das Steinmaterial aus Gorsium durchaus ausgereicht haben. Gewiß nahm ein für die ungarische Geschichte sehr bedeutender Aufbruch in ein euro­päisches Selbstverständnis in Székesfehérvár seinen Ausgang, trotz der hohen historischen Bedeutung war aber das mittelalterliche Städtchen noch klein, vermutlich kleiner als das spätantike Gorsium. Man brauchte nicht Steinmaterial aus drei römischen Großstädten, um es zu erbauen, eine war bestimmt genug. Die hohe ideelle Bedeutung des Geschehens beeinflußte hier mehr oder weniger bewußt auch die Vorstellung von materiellen und quantitativen Vorgängen. Die spätantike und mittelalterliche Spolienverarbeitung unterscheidet sich grundlegend. Nach den katastrophalen Feindeinfallen und totalen Zerstörungen des Jahres 260 n. Chr. wurden in großem Umfang architektonisch an­spruchslose Bauwerke wie Befestigungsanlagen her­gestellt, die undifferenziert Baumaterial verschlangen. Das mittelalterliche Székesfehérvár befand sich jedoch an der Schwelle einer neuen Epoche, die auch an die neue Architektur Ansprüche stellte. Der Bau der Königsburg mag mit der Errichtung der spätantiken Stadtmauern vergleichbar sein, aber die Ausstattung der Königs­basilika mußte im wesentlichen neu hergestellt werden. Während in der Spätantike Altes repariert wurde, schuf man im Mittelalter Neues. In großem Umfang mußten alsó auch die Steinbrüche aktiviert und neue Architek­turteile hergestellt werden. Als Begründung für die weiten Steintransporte wurde die Meinung vertreten, daß die Umgebung von Székesfehérvár steinarm sei (Alföldy 1997, 230.). Dies ist nicht der Fall. Der Kalkstein der Spolien aus der Stadtmauer dürfte aus den Brüchen von Várpalota (ca. 20 km Entfernung) stammen, auch die Sandsteinvorkommen des Plattensee-Nordufers wurden ausgebeutet (Palágyi 1996, Abb. 10.). Im archäologischen Park von Gorsium befinden sich einige Säulchen aus dem für diese Vorkommen typischen roten Sandstein aus Vörösberény (Fitz 1976, 69; Fitz 1996, 24.). Ohnehin müßte man sich fragen, woher die Römer in einer steinarmen Gegend derartig viele Steine, auch den hier vorgestellten Fundkomplex, beziehen konnten, die heute noch jeder Besucher des Geländes betrachten kann. Da das Mauerwerk aus Bruchsteinen besteht, gab es genug von diesem Material, andernfalls hätte man verstärkt Ziegel produziert. Wenn Spolien nur in steinarmen Gegenden verarbeitet worden wären, wären die vielen Spolien z. B. in der Gegenfestung Contra Aquincum unerklärbar, wo doch der nachgewiesene antike Steinbruch am Gellertberg gleich gegenüber lag 8 Petö 1998.). Spolien wurden ausschließlich zu dem Zweck verarbeitet, um Arbeit und Geld zu sparen. Sobald dieser Nutzen nicht mehr gegeben war, wenn z. B. der Aufwand eines langen Landtransportes, z. B. rund 70 km aus Aquincum und Brigetio erheblich größer war als der Arbeitsaufwand im Steinbruch, verlor die Aktion ihren Sinn und wurde unterlassen. Alle anderen Erwägungen sind unrealistisch. Die nachgewiesenen Spolientransporte, z. B. von Trier nach Neumagen (Massow 1932.) auf der Mosel, von Äugst nach Basel (Fellmann 1955; Fellmann 1981; Berger 1981.)auf dem Rhein, von Budapest nach Bölcske (Gaál-Szabó 1990; Soproni 1990; Soproni 1993, 178 ff.) auf der Donau und schließlich in späterer Zeit von Brigetio nach Wien (Barkkóczi 1951, 47.) fanden stets auf dem Wasserweg statt. Bereits mit den stromauf gerichteten Transporten, die noch im 19. Jh. getreidelt, d. h. von kompliziert zusammengesetzten Pferdezügen gezogen wurden (Meissinger 1990, 27ff), war ein beträchtlicher Aufwand verbunden, sodaß die These von der Beschaffung bloßen Baumaterials für Wien aus Brigetio zur Zeit Maria Theresias auf diesem Wege eher skeptisch zu beurteilen ist. Wahrscheinlich suchte man bereits damals aus wissenschaftlichem Interesse nach Inschriften und Reliefs. Bei der wissenschaftlichen Bearbeitung von Stein­material stellen immer und überall Transport und Bewegung der Steine sehr große Probleme dar. Oft ist es nicht möglich, Steine heben oder umdrehen zu lassen, um allfällige Dübellöcher, Anrißlinien oder ähnliche für die Interpretation wichtige Details zu untersuchen. Auch bei dem hier besprochenen Fundkomplex besteht die Möglichkeit, daß sich wichtige Details auf den in der derzeitigen Lagerung nicht sichtbaren Seiten befinden. Mehrmals wurden Steine als einfache Platten mit glatter Oberfläche gezeichnet, bis sich nach dem Umdrehen herausstellte, daß sie Profile oder andere Bearbeitungs­spuren aufwiesen. Nicht alle Museen verfügen über Gabelstapler oder andere technische Hilfsmittel. Auch in 44

Next

/
Oldalképek
Tartalom