Alba Regia. Annales Musei Stephani Regis. – Alba Regia. Az István Király Múzeum Évkönyve. 24. 1986-1988 – Szent István Király Múzeum közleményei: C sorozat (1990)
Irodalom – Besprechungen - Bóna István: Die transalpinen Verbindungen der Bayern, Alemannen und Franken bis zum 120. Jahrhundert. p. 153–154.
Die transalpinen Verbindungen der Bayern, Alemannen und Franken bis zum 10. Jahrhundert. Nationes. Historische und philologische Untersuchungen zur Entstehung der europäischen Nationen im Mittelalter. Band 6. Herausgegeben von H. Beumann und W. Schröder. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1987, 431 S. Der Band enthält die Vorlesungen des im September 1982 in Irsee gehaltenen Kolloquiums - und einer umfangreichen Ergänzung. Die Problematik des Kolloquiums wird von H. Beumann umrissen und entspricht im wesentlichen dem Titel des Bandes. Zugleich wird mit einer Analyse der im 9.-10. Jh. herrschenden Verhältnisse gleichsam eine Einführung zum Thema geliefert. Ergänzt durch einen forschungsgeschichtlichen Rückblick, ist der Vortrag von R. Schindler der fränkischen Alpenpolitik gewidmet, die die gesamte Epoche und Thematik ausschlaggebend geprägt hat. Im I. Kapitel wird der fränkische Vorstoß im 6. Jh. erörtert, als die fränkischen Eroberers gleichsam ein Keil - gegen Osten ad limitem Pannóniáé vordrangen, ein Ereignis, welches auch für uns von unmittelbarer Bedeutung ist. Im II. Kapitel werden die schriftlichen Quellen und die neuen archäologischen Forschungsergebnisse über die dem Schutz von Italien dienenden Clausurae Alpium zusammengefaßt. Der III. Kapitel ist der Funktion der Alpenpässe und Schutzvorrichtungen im 8. Jh. gewidmet, im IV. wird die fränkische „Kolonisation" des langobardischen Italiens nach 774, im V. die kirchlichen und politischen Verhältnisse des Alpenlandes im 9. Jh. erörtert. Jederzeit gestützt vor allem auf Originalquellen, ist der Abhandlung echter Quellenwert zu bescheinigen. Zur Kenntnis der langobardischen, awarischen und karolingisch-fränkischen Perioden Pannoniens wird künftig die Abhandlung von A. Schmid (Bayern und Italien vom 7. bis zum 10. Jahrhundert) als grundlegender Beitrag gelten. Nach einem Rückblick auf die spätrömische Periode und ohne auf die im vorangehenden Aufsatz ausführlich behandelten Themen einzugehen, erörtert er das langobardisch-bajuwarische Verhältnis. Sowohl von archäologischer wie auch von historischer Seite können wir seiner einleitenden Feststellung nur zustimmen, wonach „die Langobardentheorie bei der Diskussion um die Anfänge des Bayernstammes zu Recht nur am Rande erörtert worden (ist)". Gründlicher und besser denn je zuvor wird in höchst anerkennenswerter Weise die Rolle geschildert, die die Nachkommen von Garibald I. und seiner langobardischen Gattin, Walderada Lethinger Abstammung, bei der Besetzung des langobardischen Thrones nach Alboins Tod gespielt haben, zumal die Agilolfinger Abstammung bis zu Liutprand (712-744) in der langobardischen Thronfolge von ausschlaggebender und sogar legitimierender Bedeutung war. Deutlicher als alles andere erklärt diese dynastische Verbindung die langobardisch-bajuwarischen archäologischen Zusammenhänge im Italien des 7. Jh. Mit Detailfragen ließe es sich freilich diskutieren, so etwa mit der tatsächlichen Existenz des „Awarenfeldzuges des Jahres 592" und erst recht mit seinem vorgeschlagenen Schauplatz, oder mit den Akteuren und dem Schauplatz der bei Fredegar beschriebenen Bulgarentötung, auch mit dem Zeitpunkt der awarischen Ausplünderung von Forum Iulii, doch verliert dadurch die gleichfalls auf primären Quellen beruhende Abhandlung nichts an Bedeutung. Aus der Sicht des Awarenreiches wichtig ist der Abschnitt über die Langobarden- und Kirchenpolitik von Tassilo III., doch möchte ich bezweifeln, daß der Bayernherzog bereits im Jahre 770 an ein Bündnis mit den Awaren gedacht hätte. Im Zusammenhang mit der karolingischen Ära wird die kurze Geschichte der Avarici limitis custodes beschrieben, doch haben wir einiges an der geschämigen Verschweigung der Tatsache auszusetzen, daß der 914 zu den Ungarn geflohene Herzog Arnulf der Böse seine bayerische und langobardische Politik nach seiner Heimkehr von 919 bis 921 mit Hilfe seiner ungarischen Verbündeten zu verwirklichen trachtete. J. Ried m an behandelt die Funktion der Bischöfe von Säben in den transalpinen Beziehungen, eine zweifellos bedeutungsvolle Vermittlerrolle im 6.-10 Jh., die seit dem 11. Jh. von Trident übernommen wurde. Im Zusammenhang mit den Schriftwerken des Bischofs Arbeo behandelt J . S p 1 e 11 ein spezifisch bayerisches Problem („Arbeo von Freising, der deutsche Abrogans, und die bairischlangobardischen Beziehungen im 8. Jahrhundert"). Mit der italisch-langobardischen Bildung des Bischofs erklärt er dessen „Langobardizismen", die mit dem „real existierenden" Bajuwarentum nicht viel zu tun hatten. Schwierig wird die Rolle des Rezensenten bei der Besprechung eines umfangreichen Teiles, welches als Ersatz für die Arbeit des frühzeitig verstorbenen R. Christlein aus der Feder von Manfred M en к e in den Band nachträglich aufgenommen wurde. Unter der Überschrift „Alemannisch-italische Beziehungen vom späten fünften bis zum siebenten Jahrhundert aufgrund archäologischer Quellen" erstreckt sich die Abhandlung über 240 Seiten, weit mehr also, als die 169 Seiten der übrigen Aufsätze insgesamt. Die Arbeit beginnt mit einem eigenen Inhaltsverzeichnis, nicht zu Unrecht, da der Sonderdruck als selbständiger Band gilt. Auch die 10 Photo-Tafeln und die 7 graphischen Abbildungen sind separat numeriert. Mit der Zusammenfassung von fast drei Jahrhunderten süddeutscher Geschichte und Archäologie, obendrein eingebettet in ein neues Beziehungssystem und eingefügt in eine neue chronologische Reihenfolge, scheint sich der Verfasser in dem in anscheinend all zu kurzer Zeit geschriebenen Buch ein wenig übernommen zu haben. Auch sah er sich gezwungen, die ungewöhnlich weitverzweigte Problematik mit einem überdimensionierten Apparat (1181 Anmerkungen!) zu untermauern, der etwa die Hälfte der ganzen Arbeit darstellt. Offenbar muß ich aufgrund dessen auf eine eingehende Besprechung verzichten, schon deshalb, weil allein die Erörterung der Beziehungen im mittleren Donaugebiet einer längeren Abhandlung bedürfte. Es sei mir daher gestattet, mich auf einige Reflexionen zu beschränken. Bei der Erörterung historischer Fragen greift der Verfasser nicht auf die Originalquellen zurück (als wäre dies für Archäologen verboten?!), sondern stützt sich auf geschichtliche Bearbeitungen. Nun gibt es darunter solide, zuverlässige Arbeiten, und auch solche, die nur Luftschlösser bauen. Die letzteren sind leider - von nicht unerheblicher Anzahl. Ihr gemeinsames Kennzeichen ist die Bemühung, zu vorgefertigten Theorien, Konzepten und Einfällen „Beweise" zu suchen und, freilich, zu finden. Nichtkenner der Originalquellen werden dadurch reichlich irregeführt, denn die betreffenden Autoren scheinen ja die Quellen prächtig zu kennen und zu gebrauchen. Doch es bleibt beim Anschein. Die beiden Richtungen, die kritische und die kritiklose bzw. hyperkritische, lassen sich miteinander nicht vereinbaren, und so sehen sich die Historiker und Archäologen unserer Zeiten gezwungen, abermals zu den Originalquellen zurückzugreifen. Dafür sind schon im vorliegenden Band gute Beispiele zu finden, wodurch in gar manchen Fragen zuverlässigere Ergebnisse erzielt werden konnten, als jene, die MM aufzuweisen hat. Soviel zu den historischen Einzelheiten, mit denen wir in tatsächlicher Kenntnis der Quellen nicht selten gar schwerlich einverstehen könnten. Weitaus beachtenswerter ist der archäologische Teil. MM ist nämlich der Forscher, der in den vergangenen Jahren das meiste getan hat, um die archäologischen Denkmäler und die einschlägige Fachliteratur der mittleren Donauregion (Karpatenbekken), insbesondere Ungarns, auch persönlich kennenzulernen ein durchaus anerkennungswürdiges Vorhaben. Zugleich ist mit Bedauern festzustellen, daß seine Absichten bisher nur halbwegs von Erfolg begleitet waren. Das Kennenlernen einiger großer Museen, die Kenntnis der fremdsprachigen Standardwerke und der zentralen Zeitschriften der letzten zwei Jahrzehnte - all dies stellt nur einen Teil der Möglichkeiten dar. Zahlreiche Angaben und Feststellungen^ die in diesen Ländern in tschechischer, slowakischer, slowenischer, ungarischer, serbo-kroatischer und rumänischer Sprache auf mindestens ein Jahrhundert zurückgreifend festgehalten wurden, sind trotz besten Willens für einen ausländischen Forscher unzugänglich, ebenso wie die Funde und Depots der Dutzenden von Museen außerhalb der Zentralen. Es ist nämlich diesen Ländern bei bestem Willen nicht zuzumuten, all ihre Funde auch in deutscher oder anderer Weltsprache zu publizieren oder gar auf den Gebrauch der nationalen Sprache zu verzichten. Es geht eben um die Kenntnis der originalen Publikationen und Funde, durch nichts anderes zu ersetzen, und deren Unkenntnis zwangsläufig zu Irrtümern führt, wie sie aufgrund von Photos und Zeichnungen auch in vorliegenden Band vorkommen. Da der Verfasser (und keineswegs nur er!) die originalen Publikationen infolge teils sprachlicher, teils anderer Schwierigkeiten nur unzureichend kennt, kann im weniger bewanderten 153