Alba Regia. Annales Musei Stephani Regis. – Alba Regia. Az István Király Múzeum Évkönyve. 20. 1980 – Szent István Király Múzeum közleményei: C sorozat (1983)

Tanulmányok – Abhandlungen - Szabó Miklós: Audoleon und die Anfänge der ostkeltischen Münzprägung. p. 43–56. t. XII–XVI.

dem Revers ein nach rechts trabendes Pferd mit schlei­fendem Zügel zu sehen, die Legende befindet sich gewöhn­lich oberhalb des letzteren (GAEBLER 1935, 203—204, Nr. 1—4, T. XXXVIII, Abb. 7). Die keltischen Prägungen mit der Inschrift Audoleontos, deren Verbreitung bereits erwähnt wurde, scheinen auf den ersten Blick die Tetra­drachmen Philipps II. nachzuahmen, abgesehen freilich von der Legende. Zu Beginn war die Forschung tatsächlich dieser Meinung (GAEBLER 1935, 205, ad. Nr. 13, T. XXXVIII, Abb. 7), doch erkannte Pink, daß es sich nicht ganz darum handelt. Der Avers (Taf.XH,2b) ist zwar ohne Zweifel auf den Avers des Philippers zurückzuführen, doch die Vorlage für den Revers (Taf. XII, 2a) war die Tetra­drachme des Paionenkönigs. Das beweist nicht nur die Anschrift, sondern auch das Pferd. Während nämlich das Pferd auf dem Revers der Tetradrachmen Philipps den linken Vorder — und rechten Hinterfuß hebt, ist es beim Audoleonpferd umgekehrt. Andrerseits berücksichtigte der Stempelschneider auch den Revers des Philippers und setzte aufs Pferd einen kleinen grotesken Reiter ohne Füße (PINK 1939/74 2 , 93—94; GÖBL 1973, 22, T. 32/402, 1—5; 403, 6). Dieses merkwürdige „pasticcio" fügt sich sinnvoll in die erwähnte numismatische Situation ein. Für die Ostkel­ten war die silberne Tetradrachme Philipps II. das authen­tischste Geld und so bemühte sich auch die barbarische Prägung vor allem diese nachzuahmen. Da die Philipper und die Münzen des Audoleon auf dem nordöstlichen Balkan in den ersten Jahrzehnten des 3. Jh. gemeinsam in Umlauf waren, ist das Erscheinen des Audoleontyps in die Zeit anzusetzen, als das regale nomisma in diesem Raum als „Mangelware" galt (PINK 1939/1974 2 , 54; LE RIDER 1977, 255— 309).( 21 ) Anhand der Forschungen von Le Rider ist der terminus post quem das Jahr 294 v.u.Z. (LE RIDER 1977, 442—443, vgl. 304—, bzw. 443, vgl. 400); als weiterer Anhaltspunkt der Datierung ist auch der Zeitpunkt des Aufenthaltes der Kelten in Paionien 280/79 v.u.Z. zu berücksichtigen (BELOCH 1904, 578—579). Es dürfte nämlich angenommen werden, daß dem Stempelschneider das paionische Geldsystem näher stand als das mazedonische: Der Audoleontyp steht in bezug auf sein Gewicht nicht der Tetradrachme Philipps IL, sondern den Silbermünzen von Audoleon näher, die nach dem reduzierten phönizischen Münzfuß geprägt wurden (Zum metrologischen Problem vgl. GAEBLER 1935, 203—204; PINK 1939/1974 2 , 54, 17, bzw. 93—94). Es ist ferner erwähnenswert, daß auf dem Revers zuweilen die Nachahmung des Monogrammes oder Kerykeion der Münzen des paionischen Königs erkennbar ist.( 22 ) Aufgrund dessen ist festzustellen, daß der Audoleontyp hinsichtlich seiner Entstehung mit Paionien verbunden ist, hinsichtlich seiner Funktion jedoch als Nachahmung des Philippers dienen sollte. Vielleicht erklärt gerade dieser unbestreitbar hybride Charakter die Tatsache, daß auf fast allen keltischen Münzen mit der Legende Audoleontos unter dem Bauch des Pferdes eine Einstempelung von bislang unbestimmtem Ort und aus' unbestimmter Zeit angebracht wurde. Wegen seiner Form nannte Forrer diesen Einschlag „triquetrum" ; es handelt sich eigentlich um das in der keltischen Kunst äußerst populäre Dreiwir­belmotiv (Triskeles) (FORRER 1908, 166— ; Vgl. PINK 1939/1974 2 , 38—39, 93; Bíró— Sey 1973, ЗЩ 23 ) Allerdings bleibt die Frage auch weiterhin offen, ob der Typ im nordöstlichen Balkan entstanden ist, oder in Nordostungarn, wie aufgrund der Fundorte angenommen wurde. Nach dem Gesagten dürfte im letzteren Fall der Stempelschneider ein Kelte (?) gewesen sein, der in einer paionischen Münzstätte ausgebildet wurde. Einstweilen ist schon deshalb keine der beiden Lösungen abzulehnen, weil ein Teil der Kelten, die an den Balkanfeldzügen betei­ligt waren, gleich nach dem ersten großen Sieg über die Truppen von Ptolemaios Keraunos in ihre oikeia zurück­gekehrt war. In der Forschung wird schon seit langem angenommen, daß die fragliche oikeia im Karpatenbecken war.( 24 ) Die Tatsache, daß auf den Nachahmungen des Audoleontyps die Einstempelung auf den Haupttyp zuwei­len in der Form einer plastisch dargestellten Triskeles in die Motive des Revers eingefügt wurde, könnte darauf hin­weisen, daß der Haupttyp im fertigen Zustand mit dem Einschlag in den nordöstlichen Teil des heutigen Ungarns gelangte und hier sowie in den benachbarten Gebieten eine ganze Reihe von Nachahmungen inspirierte (PINK 1939/1974 2 , 93— ; PREDA 1973, 79—81 ; Zum Erscheinen von Triskeles auf den Nachahmungen vgl. PINK 1939/ 1974 2 , 97—98; Bíró—Sey 1973, 29). Die Untersuchung der Schatzfunde begründet schon seit langem die Vermutung, daß der Audoleontyp wohl kaum durch einen größeren Zeitraum von seinen unmittelbaren Nachahmungen ge­trennt sein kann. (Bíró—Sey 1973, 34) Vor dem historischen Hintergrund, der in diesen Zeilen entwickelt wurde, scheint diese Vermutung annehmbar zu sein. Wenn wir nämlich das Entstehen des Audoleontyps um 280 v.u.Z. oder in die unmittelbar folgenden Jahre setzen und in Betracht ziehen, daß der Schatz von Egyházasdengeleg, wo der (21) Zur Interpretierung des »regale nomisma" {Hör. ep. II, 1, 232—4): LE RIDER 1977, 436. (22) S. z. В. Paris, Bibi. Nat. CM 9855 A und В. (Die Zahl entspricht der Katalognummer von MURET —CHABOUILLET 1889). Das paionische Material bzw. die Stücke des Audo­leontyps von CM konnte ich mit freundlicher Unter­stützung von M. Amandry studieren. (23) Es sei hier erwähnt, daß die Nachahmungen der Münzen mit der Inschrift Audoleontos schwerer sind als diese. Das könnte vielleicht so gedeutet werden, daß die letzteren, als fremdes und — im Vergleich zum üblichen, d. h. den — Nachahmungen der Philippern — leichteres Geld mit einer Einstempelung für die lokale Kursfähigkeit validiert wurden. (Vgl. Le Rider 1975). (24) Vgl. Paus. X, 19, 7; lust. XXXII, 3, 6—8. (Indeper vestigia, qua vénérant, antiquam patriam repetivere). Zum oikeia­Problem vgl. Mócsy 1966, 93; erwähnenswert sind die drei griechischen Bronzegefäße, die offenbar mit den aus Grie­chenland heimkehrenden Kelten als Kriegsbeute in das Karpatenbecken gelangt sind: 1.) Szob, Kantharos = Hor­váth 1945, 60—, Abb. 1. — Zum Typ vgl. Szilágyi 1976, 13—15, Nr. 4.—2.) Szabolcs, Kalyxkantharos (unpubliziert) ; vgl. Szabó 1974, Nr. 172. Zum Typ vgl. Vocotopoulou 1975, 767—768, Nr. 19, Abb. 28.—3.) Hurbanovo, „Konkol-ma­jer", Lékythos = Benadik 1981, 191—2, T. XIX. — Zum Typ vgl. Sparkes 1977, T. 3—9; HORNBOSTEL 1980,168—169. Nr. 99; Szabó, im Druck. 53

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