Alba Regia. Annales Musei Stephani Regis. – Alba Regia. Az István Király Múzeum Évkönyve. 13. 1972 – Szent István Király Múzeum közleményei: C sorozat (1974)
Tanulmányok – Abhandlungen - Kocztur Éva: Ausgrabungen im südlichen Stadtviertel von Gorsium (Tác-Margittelep). XIII, 1972. p. 69–148.
III. DAS LEBEN DER SIEDLUNG Landwirtschaft Aus dem uns zur Verfügung stehenden minimalen Material können wir darauf schließen, daß die Bewohner der Periode 2 keinen umfangreichen Ackerbau betrieben haben. Sowohl in der Erde des Hauses XL wie in der Grube XIV. kommt der Samen von Kulturpflanzen in minimaler Menge vor. Von den Getreidepflanzen haben wir im Fundament des Hauses XI, über dem Bewurf nur den gewöhnlichen Weizen vorgefunden. Daneben konnten die Körner von Weintrauben und Wildobstsorten sowie in der Aufsschüttungserde ebenfalls die Samen von Waldfrüchten, wie: Waldapfel, Kremmelkirschen, Pflaumen und Süßkirschen bestimmt werden. In der Grube XIV. haben wir die Reste von Süßkirschen eingeholt. Auf den keltisch-römischen Siedlungen ist überall ein blühender Ackerbau zu finden. Auf der Siedlung von Magdalensberg wurden z. B. im Laufe der Erschließung Weizen-, Roggen- und Rapskörner festgestellt. (167) Auf Siedlungen landwirtschaftlichen Charakters sind auch in ausserordentlich großer Anzahl Mahlsteine und große Vorratsgefäße zu finden. (l68) Im Falle von Tác haben wir ein einziges Mahlsteinfragment (Inv. Nr. 65.303.10) und 55 Vorratsgefäßränder gezählt. (Ein Drittel dieser stammt von grossen Vorratsgefäßen). In der weiteren Umgebung von Gorsium sowie in ganz Pannonién finden wir große Waldungen, in der unmittelbaren Nähe ein Moorland und sträuchiges Gelände. Da zu dieser Zeit an Obstimport nicht gedacht werden kann, muß man mit der massenhaften Einsammlung der Frucht von wild lebenden Bäumen rechnen. Dies beweist das in den beiden Gruben gefundene Samenmaterial. Viehhaltung Auf eine Viehhaltung hinweisende Anzeichen konnten nicht gefunden werden. Aus dem Tierknochenmaterial des Grabungsgeländes (etwa 5000 St.) können 4074 laut der folgenden Verteilung gewertet weden : (167) J. MOSSLER, Carinthia 1/142, 1952, 116. (168) M. К a b a auf der im Kamaraerdő freigelegten Siedlung (freundliche mündliche Mitteilung), auf den Siedlungen des 2 — 3. Jh. in der Tschechoslowakei (cf. Anm. 128.) Rind 1283 31% Schaf-Ziege 998 25% Schwein 731 18% Pferd 406 10% Esel 6 o% Hund 278 7% Huhn 128 3% Gans 31 1% Auerochs 2 o% Hirsch 10 o% Reh 1 0% Vogel 197 5% Fisch 3 0% Unter den Rinderknochen sind sowohl die der kleinen örtlichen Rasse wie auch die der großen, aus Italien gebrachten Rasse zu finden. Das in grosser Menge zutage geförderte Knochenmaterial deutet unbedingt auf eine örtliche Züchtung. (169) Zu dieser Zeit ist es schon unwahrscheinlich, daß man — so wie dies im Falle des Gellérthegy vom Ausgräber vorausgesetzt wurde (170) — mit einem italischen Import zu rechnen hat. Auf den moorigen Charakter der Umgebung weisen die im Material häufig vorkommenden Wasservogelknochen: von Kriek-, Knack-, Tafel- und Schopfenten, Störchen, Rohrweihen und Kranichen (cf. Anm. 169). Industrie In den großen Töpferwerkstätten Galliens und Aquincums finden wir überwiegend eingeborene Namen auf den Gefäßen. (171) In Kenntnis des oben Gesagten halten wir es für wahrscheinlich, daß auch die gewerbetreibende Schicht der örtlichen Bevölkerung die aus der Fremde hierherbezogenen oder im späteren die aus den vor der ersten quadisch- sarmatischen Verwüstung aus der Limesgegend fliehenden Volksgruppen stammenden Arbeiter gern angestellt hat. In Margittelep sind bloß bezüglich der Ausübung der Töpferei handgreifliche Beweise zu finden. Die feuergefährlichen Öfen wurden ähnlich anderer Siedlungen auch hier am Rande der Stadt ausser(169) Die Bestimmung des Tierknochenmaterials und ihre wissenschaftliche Bearbeitung hat S. Bökönyi durchgeführt. Für seine freundliche Information spreche ich an dieser Stelle meinen Dank aus. (170) É. B. BONIS, AH, XL VII, 1969, 211. (171) K. Sz. PÓCZY, AArchHung, VII, 1956. 131. Anm. 276 und 278. 9 Alba Regia 129