Alba Regia. Annales Musei Stephani Regis. – Alba Regia. Az István Király Múzeum Évkönyve. 8.-9. 1967-1968 – Szent István Király Múzeum közleményei: C sorozat (1968)
Tanulmányok – Abhandlungen - Bakay Kornél: Gräberfeld aus den 10–11. Jahrhunderten in der Umgebung von Székesfehérvár und die Frage der fürstlichen Residenz. II. – A Székesfehérvár környéki 10–11. századi temetők és a fejedelmi székhely kérdése. VIII–IX, 1967–68. p. 57–84. t. VII–XXII.
Die Lage der Gräberfelder in der Umgebung von Székesfehérvár lässt vermuten, dass ein jedes der Gräberfelder zu je einer Siedlung gehört hat. 211 Demnach kann im Gebiet südlich der Stadt mit 5—6 Siedlungen (Demkóhegy, Sóstó—Vízművek, Bikasziget oder Rádiótelep, Kuruczdomb oder Sárkeresztúri út und Táci út), und an der Nordseite mit ein-zwei Siedlungen (Szárazrét) gerechnet werden. Aus den gegenwärtigen Ortsnamen werden die Zusammenhänge mit dem Wasser, d.h., dass das Wasser für das ganze Leben der Einwohner bestimmend war, ersichtlich. Im Inneren der Stadt gab es kein Denkmalgut, das mit Sicherheit in das 10. Jahrhundert datiert werden kann. Die in der Innenstadt ausgegrabenen neuesten Funde sind nicht publiziert, so dass wir diese nicht mit auswerten können. 211a Der nördliche-nordwestliche Abhang der etwa 120—150 m (u.d.M.) hohen Hügelkette südlich der Stadt reichte bis an das Sumpfgebiet des Sárrét. Die spätere Stadt (111 m ü.d.N.) lag fast gänzlich inmitten des Sumpfes. Aus der Gräberzahl der Gräberfelder wird erkennbar, dass die Einwohnerschaft in dorfähnlichen Siedlungen lebte. Eine Analyse der Grabbeigaben hat dargetan, dass die an der Südseite der Stadt Bestatteten freie Ungarn des niederen Standes waren, deren Lebensunterhalt vornehmlich die Viehhaltung, in kleinerem Ausmass aber auch der Ackerbau war. Im Gräberfeld von Szárazrét konnte einheimische Bevölkerung des 10. Jahrhunderts ermittelt werden. Die topographische Lage der Gräberfelder (am Rand eines überschwemmungsfreien Gebiets mit dem Blick auf das Überschwemmungsgebiet) lässt klar erkennen, wo die Winterlager der viehzuchttreibenden Einwohnerschaft zu suchen sind. 212 „Diese Grenzlinie ist ein ideeller Siedlungsplatz in unserem bereits etwas trockenem Klima: nach der Überschwemmungsperiode, zur Zeit der sommerlichen Trockenheit, findet das Vieh im Überschwemmungsgebiet immer noch Grünfutter, bei Hochwasser aber weidet das Vieh auf den überschwemmungsfreien Gebieten. Der Wert dieses Randgebietes steigerte sich, als neben der weidenden Viehwirtschaft auch Ackerbau getrieben wurde, wobei naturgemäss die uralte Sammelwirtschaft weiter fortbestand. Der Sammelwirtschaft diente auch weiterhin das Überschwemmungsgebiet, und dem Ackerbau das vom Wasser nicht gefährdete Land, als Viehweiden dienten aber abwechselnd beide Landstriche. Dass die Siedlung dort erbaut wurde, von wo beide Gebiete am leichtesten erreicht werden konnten, versteht sich wohl von selbst." 213 Bei den selbsternährenden, wirtschaftlich unabhängigen an Bei der Freilegung der Siedlung des 10. Jahrunderts in CsongrádFel g y ő machte G y. László die Beobachtung, dass zu einem jeden Siedlungsfleck ein Gräberfeld gehörte. Er ist der Ansicht, dass sich Gesagte auch auf die Gräberfelder im Gebiet von Székesfehérvár beziehen. LÁSZLÓ 1961 : 22. 2iia Durch die seit 1965 vorgenomenen neuesten Forschungen auf dem Gebiet des gegenwärtigen Stadtzentrums, bei der Königlichen Basilika (Táncsics utca) wurden Gräber freigelegt, welche auf die zweite Hälfte des 10 Jhs, (KRALOVÁNSZKY 1967 : 2) aber keinesfalls früher als das 10. Jh. zu datieren sind. (FITZ 1966 : 6) Von dem Stadtgebiet ist uns noch ein weiteres Gräberfeld bekannt (Rácz utca), dessen sehr spärlisches Material durch A. Kralovánszky ebenfalls auf das 10. Jh. datiert wurde. Nicht publiziert. 212 In der Umgebung von Székesfehérvár war seit Jahrzehnten nichts unternommen worden, um die ungarische Geschichte des 10 — 12. Jahrhunderts zu klären. Diese bedauernswerte Tatsache ist der Grund, warum wir auf Schritt und Tritt nur auf Vermutungen angewiesen sind. sis MENDÖL 1963 : 445. Hinsichtlich der Rolle, die die Nähe des Wassers im Leben der landnehmenden Ungarn gespielt hat, siehe das im Zusammenhang mit dem Gräberfeld von Maroshegy Gesagte. Cf. MENDÖL 1963 : 455. Ortschaften waren die Wege Probleme zweiten Ranges. Bei der Besetzung von Székesfehérvár und Umgebung spielte aber einesteils die strategische Sicherung des ungemein wichtigen Heerweges, der nach Baranyavár — Belgrad — Balkan — Konstantinopel führte, 215 eine der wichtigsten Strassen Europas, die die Pilger bereits während der Regierungszeit Istváns des Heiligen auf ihren Fahrten nach Jerusalem, und später auch die Kreuzfahrer benutzten, 216 andernteils aber auch die des grossen Weges : К i e w — Pass V erecke — Latorc a-T al — Sárospatak — Pest er Furt — Fehérvár — Italien eine bedeutende Rolle. Diesen Heer- und Handelsstrassen ist — meiner Meinung nach — die Entstehung und Entwicklung Fehérvárs zuzuschreiben. 2163 Die im Gründungsbrief der Benediktinerabtei von Tihany erwähnte „Fehérvár" deutet an, dass es hier zu Beginn des 11. Jahrhunderts eine burgartige Wehranlage gegeben hat, wo dann König István I. (997—1038) nach dem Sieg über den Fürsten Koppány, zu Ehren der Mutter Gottes eine Kirche gründete, die in den Jahren 1016—1038 erbaut wurde. In dieser Basilika wurden dann Jahrhunderte hindurch die ungarischen Könige gekrönt und auch bestattet. Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Stadt Fehérvár die Bedeutung, die sie während der Árpádenzeit erlangte, der Basilika verdankte. 217 T. M e n d ö 1 unterscheidet in seinem hervorragenden siedlungsgeographischen Buch die gegründeten Städte von jenen, die aus Dörfern entstanden sind. Die gegründeten Städte entstanden für gewöhnlich um eine Burg, eine Kirche, oder ein Kloster. 210 Das beste Beispiel dafür ist S t. Gallen, dessen Kernpunkt das berühmte mittelalterliche Kloster gewesen ist. 210 „Häufig war es eine Basilika oder die Residenz eines Bischofs, die zum territorialen und organisatorischen Mittelpunkt einer mittelalterlichen Stadt geworden ist." 220 Dies bedeutet aber nicht, dass eine jede Privatsiedlung (Burg oder Kloster) urbaner Prägung zu einer Stadt geworden ist. 221 Die Aufgabe der mittelalterlichen Burgen und Kirchen war es, in Kriegszeiten der Bevölkerung Schutz und Zufluchtsstätte zu gewähren. „Vor allem musste die Lage günstig sein. In der Regel entstanden Burgen dort, wo es etwas zu verteidigen gab, wo eine oder mehrere Zufahrtsstrassen vor dem Feind abgesperrt werden konnten." 222 Wir halten Székesfehérvár für eine Symbiose der beiden Stadttypen, die aus einer dorfähnlichen Siedlung und einer gegründeten Stadt zusammengewachsen ist. 2« MENDÖL 1963 : 457. 2is BAKAY 1967 : 160-161. 2ie PLEIDELL 1934 : 309. 2iea д. Kralovánszky behauptet auf Grund seiener neuesten Forschungen, dass Fürst Géza im letzten Drittel des 10. Jh.s bewusst einen neuen Strassennetz auf dem Gebiet der spätem Stadt, errichten liess, wobeier die alten römerzeitlichen Hauptstrassenlinien und die auf diese gebauten mittelalterlichen internationalen Strassen veränderte bzw. verliess. KRALOVÁNSZKY1967: 3 -4. Meines Erachtens kann diese Vermutung angenommen werden, insbesondere mit Rücksicht auf die Folgenden : 1. Es ist schon bewiesen, dass keine römerzeitlichen Strassen durch das Gebiet von Székesfehérvár führten. KRALOVÁNSZKY 1965 : 228 230. 2. Im Mittelalter wurde von den alten, bekannten Strassen nur äusserst selten Abstand genommen. KOMORÓCZY 1938 : 21. 3. Die Zurückprojizierung der mittelalterlichen Topographie von Székesfehérvár in das 10. Jh. stellt einen Anakronismus dar. a" SINKA 1936 : 8. sie MENDÖL 1963 : 277. 219 Ibid. 289. 220 ibid. 313. 221 Ibid. 317. « 222 Ibid. 322. 77