Lukács László (szerk.): Märkte und Warenaustausch im Pannonischen Raum - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 28. (Székesfehérvár, 1988)

Imre Gráfik: Töpfer aus dem Tal von Velemér

TÖPFER AUS DEM TAL VON VELEMÉR Imre Gráfik, Szombathely Die ungarische Ethnographie befasst sich schon seit langem mit der Töpferei aus dem Tal von Velemér in der südwestlichen Ecke des Komitats Vas, oder an­ders: mit den Zürictaler Töpfern und auch mit der Fertigung von Volkskera­mik aus Magyarszombatfa und seiner Umgebung; László Kardos war der erste, der sie erwähnt hat. Er weist in seinem Buch über die Volksernährung in Őr­ség auf ihre Bedeutung hin.(l) Károly Kos jr.-hat die erste ausführliche Schilderung über die Lehmkunst des Gebietes veröffentlicht. Sie erschien 1944 in "Transdanubien Schau" in zwei Fortsetzungen, blieb jedoch wegen der Kriegsgeschehnisse unbeendet.(2) Nach mehreren Jahrzehnten sind wir in der günstigen Lage, dass nach dem Auffinden des abgeschlossenèn Manuskriptes(mit so abenteuerlichem Schicksal) heute die Beschreibung, basierend auf zeitge­nössischer Sammelarbeit, vervollständigt werden kann.(3) In der Zwischenzeit beschäftigten sich natürlich auch anderen mit diesem Thema. Besonders Dezső Czugh,der immer wieder sein fundiertes Wissensgut in verschiedenen Publika­tionsreihen veröffentlicht hat.(4) Neuen Aufschwung nahm die Erforschung die­ses Themas anlässlich der Zusammenarbeit zwischen der namhafter Volkskeramik­forscherin M. Mária Kresz, die Thema und Gebiet schon früher mit Aufmerksam­keit verfolgte, und Domokos Moldován, Filmregisseur, als sie einen Teil des Filmes "Die ungarischen Töpfer" im Tal von Velemér gedreht haben. Während der Aufnahme dieses Filmes entstand die Idee zu einer Ausstellung, deren Ziel sein sollte für das breite interessierte Publikum die Töpferei mit ihrer reichen historischen Vergangenheit und ihr Weiterleben bis zum heuti­gen Tag darzustellen.(3) Neulich haben sich Erzsébet István und Zoltán Nagy (während sie die ständige Ausstellung im Museum von Szentgotthárd vorberei­tet haben,mit diesem bedeutenden und mehrere Gemeinden zusammenfassenden Zentrum der Töpfereikunst des südwestlichen Transdanubiens befasst.(6) Im Tal von Velemér scheint das Töpferhandwerk schon im 14.Jahrhundert be­kannt gewesen zu sein. Die Freskos in dar Kirche von Velemér aus der Árpád- Zeit hat János Aquila im Jahre 1377 gemalt. In einer lateinischen Urkunde aus derselben Zeit wird erstmals auf das Vorhandensein von Töpferei im Tal von Velemér hingedeutet: "Gerencher in districtu seu valle Welemer."(7) Die Erklärung für die immer wieder gestellte Frage nach den Töpfern aus Ve­lemér ist eben diese frühe, auf mittelalterliche Traditionen beruhende Töp­ferkultur, die in ästhetischer un technologischer Hinsicht von überragender Bedeutung war. Es gab bzw. es gibt auch einen anderen Grund für das beson­dere Interesse an den Velemér Produkten: angesprochen ist hier der tradi­tionelle Tauschhandel der Töpfer aus dieser Gegend, die durch fast alle Dör­fer in Süd-Transdanubien zogen. Ein Teil des schon erwähnten populärwissenschaftlichen Filmes Die unga­rischen Töpfer schildert durch die Dörfer ziehenden Händler: er spielt im Tal von Velemér und hat dieser eigenartigen Tätigkeit durch das Zusammen­spiel von Bewegung, Bild und Ton ein unvergessliches Denkmal gesetzt. Die 94

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