Fitz Jenő (szerk.): A Pannonia Konferenciák aktái IV. Bronzes Romains figurés et appliqués et leurs problemes techniques - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 27. A Pannon konferenciák aktái 4. (Székesfehérvár, 1984)
K. Gschwantler: Eine bronzene Eberstatuette aus Enns-Lauriacum
(*') des keltischen Eberbildes, wie wir es von den verschiedensten Erzeugnissen der Kunst und des Kunsthandwerks kennen (Petres 1975, 225), ist in den römischen Donauprovinzen vor allem noch seine Verbindung zum Totenkult greifbar: In Darstellungen des Schweinskopfes als Bestandteil des Totenmahls, wofür es in Lauriacum ein spätes Beispiel gibt (Taf. XXXVIII, 2; Enns, Museum Lauriacum, Inv. RX 29 — Eckhart 1976, Nr. 75, Taf. 25; vgl. Petres 1975, 226, Taf. II, 1—2) und in den, in ihrer Wurzel sicher auf die kultische Jagd (Joffroy 1964,129) (ls) zurückgehenden Jagdszenen auf römischen Grabmälern, wie auf jenem des Kelten Atpomarus im Museum Camuntinum (Taf. XXXVIII, 1) (17 l8 19). Auf dem Kessel von Gundestrup ist der Eber mehrmals mit Teutates verbunden (Die Kelten 1980, 68—75; Interpretation der Bildszenen von. J. J. Hatt): Teutates richtet über gefallene Krieger, die als Sühneopfer Eber darbringen (ibid., 12, Platte 8). Auf einer anderen Platte tragen Anführer eines Heeres die Symbole verschiedener Gottheiten als Helmaufsatz, darunter auch den Eber des Teutates (ibid.,l\—72, Platte 7). Mit der Darstellung solcher Helmaufsätze, die auch auf keltischen Münzenf20) Vorkommen, sowie von Eberstandartenf21) bringt man immer wieder auch die bronzenen Eberstatuetten in Verbindung und interpretiert sie als Helmaufsatz oder als Bekrönung von Feldzeichenj22). Bei derEnnser Statuette gibt es aber keine wie immer gearteten Anzeichen für eine eventuelle Montage, die Unterseite der Füße ist völlig glatt, die Patina homogen. (17) Zum Bild des Ebers als Amulett und Symbol vgl. Pfister 1950, 32— 249—255 Zu Eberprotomen, die vielleicht als Amulett gedient haben, vgl. Gschwantler, Mitt. Mus. Ver. Lauriacum, XX, 1982, 20—22, Abb. 1—4, Taf. 14. (18) Zur Statue von Euffigneix: „Jagdgottheit oder segenbringender Gott, Beschützer von Schweineherden” Vgl. auch den celtiberischen Kultwagen von Merida: Megaw 1970, 58—59 zu Abb. 35 (19) Aus Maria-Lanzendorf; Bad-Deutschaltenburg, Mus. Cam. Inv. 343 : vgl. Krüger 1970, Nr. 341 a); weitere Jagddarstellungen auf römischen Grabmälern in Österreich : Lauriacum : Eckhart 1976, Nr. 88 Taf. 32; Carnuntum; Krüger 1970, Nr. 338 Taf. 70; vgl. auch den Grabeber von Margarethen am Moos: Krüger 1967, Nr. 103 Taf. 38; Ubl 1979, Nr. 18 a Taf. 13; 76 Taf. 32; Virunum; Picottini 1977, Nr. 182 Taf. 3; Aelium Cetium: Ubl 1979, Nr. 76 b Taf. 32; Flavia Solva: Modrijan—Weber 1981, 122 Nr. 184 mit Abb. Löffelbach (Hartberg); Modrijan 1964, Umschlagbild. (20) z.B. Kruta—Szabó 1979, Abb. 89: Silbermünze der Bojer aus Pannonien (Esztergom, Ungarn). Anfang 1. Jh. v. Chr. Budapest, Magyar Nemzeti Múzeum — Zum Eber auf keltischen Münzen: Allen 1980, 143. (21) Zum Bogen von Oranges s. Amy—Duval 1962. — Vgl. die Eberstandarte auf einem Reliefblock von Narbonne, Espérandieu 1907—28, Nr. 695, oder auf dem Panzer der Augustussatue von Prima Porta die Frauengestalt auf der li. Brust mit Ebersignum und Camyx. Mit Simon 1957, 50 (vgl. Kraus 1967, 253 ad Nr. 288) plädiere ich für die alte Deutung der Frauengestalt auf Gallia (Studniczka 1910, 37—38), nicht Dacia (Alföldi 1937, 48) oder Dalmatia Die meisten der Eberstatuetten waren wohl sicher Weihegaben, wobei man nicht nur an die Symbolik in Verbindung mit Teutates-Mars denken darf, der Eber galt auch als Symbol der Fruchtbarkeit (Wyss 1978, 156—159). Als solcher steht er mit dem römischen Merkur in Verbindung, wie die Statuettengruppe von Schwarzenacker bezeugt^3). Die auffallenden „Gebrauchsspuren“ an unserem Eber, wie ich sie in der Zustandsbeschreibung geschildert habe, und die man übrigens auch an der kleinen Statuette vom Nonstal (Taf. XXXVI, 4) beobachten kann, deuten vielleicht auf eine Funktion der Statuette im Zusammenhang mit einer kultischen Handlung, während derer man sie vielleicht berühren mußte, sie herumgereicht hat, wie das R. Wyss im Zusammenhang mit den Statuetten vom Gutenberg bei Balzers ausgesprochen hat(24). Bei der völlig isolierten und zufälligen Fundsituation des Ennser Ebers kommt man hier freilich unweigerlich in den Bereich der Spekulation, doch auffallend sind diese Abnützungsspuren, die mit der bloßen Aufstellung als Votivgabe in einem Heiligtum, aber auch mit der späteren Lagerung im Boden nicht erklärt werden können. Für die Möglichkeit, daß solche Kultobjekte über lange Zeit hin im Gebrauch standen, ist die Eberstatuette vom römischen Gutshof von Bierlingen-Neuhaus ein gutes Beispiel, da sie ein keltisches Einzelstück im ansonsten provinzialrömischen Fundbestand, der sich in das 2. und frühe 3. Jh. n.Chr. datieren läßt, bildet (Planck 1974, 524). (Kähler 1959, 32 Anm. 59): Eberstandarte und Camyx als gallische Symbole par excellence müssen auch als solche allgemein verstanden worden sein. — Zur Porta Triumphalis in Rom, die M. P f a n n e r in einer Zeichnung des Codex Coburgensis Nr. 88 erkennen will (im Scheitel der Archivolte befindet sich ein Eberkopf; 1980, 327 Taf. 114). (22) z.B. Eber von Báta: Szabó 1971, 92 Nr. 24 („Helmschmuck oder Bekrönung für Kriegsinsignie ?“); Eber von Gutenberg/Balzers : Moreau 1978, 122 („wahrscheinlich als Helmaufsatz”). — Auf einem Gesichtshelm von Ostrov (Constanta, Muzeul Regional de Arheologija Dobrogea, Inv. 1986) läuft der mittlere Kamm über dem Nackenschutz in einen, allerdings getriebenen, Eberkopf aus: Garbsch 1979, 73,0 56, Taf. 27. (23) A. Kolling 1967,26, Anm. 40. nennt noch eine Gruppe mit Merkur und Eber in Württemberg. Vgl. auch den dreiseitigen Schlüsselgriff mit Merkur, Pan und Eberkopf in Bonn: Menzel 1969, 56 Nr. 38 mit Abb. — Zu Merkur als Fruchtbarkeitsgott vgl. Kenner, 1956—58, 94. — Der kleine Eber im Schatzfund von Weißenburg gehört zur Heraklesstatuette: Kellner—Zahlhaas 1983, 27, Nr. 23, Abb. 15. (24) Wyss 1978, 157 über die Statuetten von Gutenberg/Balzers: „...müssen die Fragen unbeantwortet bleiben, ob diese Weihegeschenke in einem Heiligtum sichtbar aufgestellt waren und als Gaben einzelner Fürbittender zu betrachten sind, oder ob sie anlässlich jahreszeitbedingter Fruchtbarkeitsfeierlichkeiten dargebracht wurden. Auch die Verwendung bei entsprechenden Kulthandlungen, Prozessionen, wie Feldumgang oder andersartiger, der Fortpflanzung dienender Zeremonien, wären denkbar. 75