Fitz Jenő (szerk.): A Pannonia Konferenciák aktái IV. Bronzes Romains figurés et appliqués et leurs problemes techniques - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 27. A Pannon konferenciák aktái 4. (Székesfehérvár, 1984)
H. U. Nuber: Römische Metallklapptische
technische Variante bieten Exemplare, die neben ihrer Breiten — auch eine Höhenverstellung erlauben^). Alle übrigen Formen: Dreifüße mit einem (Panther Tzipods)(4 5) oder drei gekurvten Beinen(6), auch besonders reich figurenstaffierte Stücke(7) sowie die Vierfüße(8 9) beruhen letztlich auf dem genannten Konstruktionsprinzip. Der zweite Typ besitzt hinter jedem Tischfuß, der auch zoomorph ausgebildet sein kann, anstelle der Ösen eine rundstabige Gleitschiene, an der die unteren Enden der Querverstrebungen mit Ringen befestigt sind. Sie waren gleichfalls verschiebbar, hatten aber mehr Spiel und dürften daher weniger zu Standfestigkeit beigetragen haben. Schwendemann sah in dieser Reihung der Typen zugleich eine entwicklungsgeschichtliche und bedingt auch eine chronologische Abfolge (1923, 108 ff.), worin ihm Erdélyi gefolgt ist (1931, 293). Erst Ken t-H ill hat unter Hinweis auf die Funde aus den Vesuvstädten diese Reihe umgedreht, da dort in keinem gesicherten Fall die Gleitösenkonstruktion auftritt, wobei sie die wichtige Beobachtung hinzufügte, daß auch die aufgesetzten Büsten mit Haken eine spätere Erfindung sind (1951, 345). Alle Neufunde haben ihr Reet gegeben. Hinzu kommt, daß auch der noch immer frühest datierte Dreifuß, der Silbertisch aus Hildesheim (vgl. Anm. 2), die separate Gleitschiene aufweist, obgleich gerade diese an seinen geraden Standbeinen nicht notwendig gewesen wäre. So dürfen wir heute als gesichert ansehen, daß zumindest bis 79 n. Chr. in den Vesuvstädten die Tische mit Gleitschiene in Benutzung waren. Erst danach kam die technische Neuerung mit den Gleitösen und den Aufsatzbüsten auf. In der Diskussion, wann und wo diese Erfindung erstmals an Klappgestellen in Erscheinung trat, spielte ein ziemlich archaisch anmutendes Exemplar im Nationalmuseum Neapel (B) eine gewisse Rolle. Dieses besitzt bereits Gleitösen, aber keine Aufsatzbüsten. Leider kennt man weder die Fundumstände noch den Fundort, so daß dieses Stück für eine Beweisführung unberücksichtigt (4) Vgl. die Dreifüße aus Lyaud (Boube—Piccot 1975, App. II A Nr. 46), Magyarigen (ebd. Nr. 12) und Xanten (ebd. Nr. 16). Keines der Beispiele ist schärfer datiert. (5) P. Noelke (Röm.—Germ. Mus. Köln) bereitet eine neue Zusammenstellung vor. (6) Vlg. den bekannten Dreifuß aus Industria (Boube—Piccot 1975, App. Il A Nr. 7) oder den schon mehrfach genannten aus Polgárdi (ebd. Nr. 10). (7) Hier ist wieder das Exemplar aus Industria zu nennen (vgl. Anm. 6), neben einem Stück aus Lotran (Galerie Helbing 1910, 50 Nr. 656 Taf. 8) und Wiesbaden (Nuber 1979, Iff. Abb.). (8) Die Vierfüße spielen zahlenmäßig keine so große Rolle, andererseits ist nie auszuschließen, daß einzelne Aufsätze oder Füße, die man fast automatisch den Dreifüßen zuordnet, ursprünglich von einem solchen Gestell stammten. Das vollständigste Exemplar ist immer noch der Tisch aus Zakrzów (Sackrau) (Boube—Piccot App. II C Nr. 4). Im Archäologischen Museum Istanbul steht ein offenbar noch unpubliziertes, vollständiges Stück der Spätzeit (gesehen 1972); hinzu kommen die Fragmente aus Tvarditza (ibid. App. II C Nr.5) und Wien (ebd. Nr. 6). (9) MusNaz Inv. 73952. — Tárbeli 1909, 104, Abb. 29; Kent Hill 1951, 345 mit Anm. 15; Boube—Piccot App. II B Nr. 4. — Dieser Dreifuß erinnert in seiner ganzen Gestaltung am ehesten an einen der Untersätze für Brandaltäre (foculi), die auch zumeist aufgesetzte Oberteile zeigen; vgl. unten S.000. bleiben muß. Sicher ist also im Augenblick nur, daß der neue Typ mit Gleitösen und Aufsatzbüsten Ende des 2./ Anfang des 3. Jahrhunderts n. Chr. entwickelt ist; ungeklärt aber ist die Frage, wo diese technischen Verbesserungen erfunden wurden(10 *). Damit berühren wir zugleich das Problem der Werkstätten, wobei wir davon ausgehen dürfen, daß es nicht nur eine gegeben hat. Unmittelbare Hinweise für eine Produktion in Ägypten erhalten wir durch einen Gipsmodel für den Guß einer Aufsatzbüste mit Haken, der sich im Museum Kairo befindet (Edgar 1903, 53 f. Nr. 32223 Taf. 16). Weitere konkrete Belege für Bronzegießereien, die auf die Herstellung von Dreifüßen eingerichtet waren, besitzen wir m.W. nicht. Auch die Herstellernamen der beiden bekannten gestempelten Exemplare aus Somodorpuszta: OCTAVIVS und Zakrzów (Sackrau): AVITVS lassen sich onomastisch nicht weiter als auf wahrscheinlich „gallisch” eingrenzen (u). Die formenkundliche Analyse erlaubt zwar keine unmittelbaren Zuweisungen, gestattet aber doch, wenigstens in ersten Ansätzen, Werkstattkreise zu fassen. Einschränkend mußjedoch darauf hingewiesen werden, daß in vielen Fällen für die Kartierung bestimmter Werkstatteigentümlichkeiten die Materialgrundlage noch zu schmal ist. Hinzu kommt, daß gerade die Dreifüße wegen ihrer besonderen Verwendungsmöglichkeiten, wie kaum eine andere Fundgruppe, einer starken Mobilität unterlagen (Wuilleumier 1928,149). Für eine formenkundliche Untersuchung bieten sich äußerer Aufbau, Gestaltung der Aufsätze und Füße sowie technische Details an. Auf die charakteristischen Merkmale der „Panther Tripods” wurde bereits hingewiesen. Kent Hill dachte bei der Vorlage der ersten sechs Exemplare (1951,345) noch an eine gemeinsame Herkunft. Die Vermehrung des Materials zeigt aber, daß hier wohl eine festumrissene Form vorliegt, diese aber an verschiedenen Orten hergestellt wurde, sofern man unterschiedliche Detailgestaltung in dieser Weise interpretieren möchte(12). Was die Aufsätze und Füße betrifft, so besticht auf den ersten Blick ihre große Vielfalt, innerhalb derer sich jedoch bald bestimmte „Typen“ abzuzeichnen beginnen. Doch bringt die bloße Auflistung etwa der Aufsatzbüsten in Gestalt des jugendlichen Bacchus mit Nebris auf der linken Schulter, Kranz, Stirnblüte und Weintrauben im Haar (10) Selbst habe ich einmal an Gallien gedacht (Nuber 1979, 2 mit Anm. 10). — Einen vagen Anhaltspunkt könnten auch jene Aufsatzbüsten vermitteln, falls die Zuschreibung zu Recht besteht, die offenbar das Bildnis des 130 n. Chr. ertrunkenen Antinoos nachempfinden; vgl. Boucher 1975, 122 Nr. 187. — Ein ähnliches Stück befindet sich im Museum Triest (Inv. 2468). (11) Zu Avitus vgl. Schulze 1966. 34. 37; Kajanto 1965, 79 f. 134. 304 (häufig in Spanien und keltischen Ländern); Alföldy 1969, 160 (außerordentlich häufig in den keltischen Gebieten). —- Zu Octavius Schulze 1966 201 mit Anm. 8; 409. — Kajanto 1965. 74. — Alföldy 1969. 104 (überall sehr stark verbreitet). Folgt man schließlich der Stempeleinteilung von H. Wi Ilers (1901, 211), so gehören diese Stempel in Gruppe 3 bzw. 4 (Nominativ mit Zusatz fecit). Wir werden gleichfalls in die westliche Hemisphäre des Imperiums verwiesen. (12) Der Panther Dreifuß aus Wehringen Grab 3 weist nicht die sonst übliche, und von Kent Hill als typisch herausgestellte Kantharosverzierung auf dem Mittelteil auf. 54