Fitz Jenő (szerk.): Kunst und Mythologie der Landnehmenden Ungarn - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 23. (Székesfehérvár, 1979)

— etwas vorgeschritten — stellte man sie sich als phantastische Wunderwesen vor (z. B. Panther mit Quastenschweif und Flügel bei dem Volk der Golden) und daß diese sich in solcher Form ins Innere des Menschen einschleichen; noch später dachte man bereits daran, daß nur die unsichtbaren Geister dieser Tiere im Körper des Kranken hausen. Der Leidende hat eben deshalb Qualen, weil diese böswilligen Wesen sein Blut saugen, seine edlen Organe kauen und lang­sam schmausen, und so den Menschen seiner auf Erden belebender Körperseele berauben. Oft auch wurde angenommen, besonders wenn der Kranke keine Schmerzen verspürte, daß die bösen Geister den schwachen, matten Menschen seiner Freiseele beraubt haben und so beim abgeschwächten, ohne Bewußtsein daliegenden Menschen Verstandes- und Sinnesverwirrungen verursachten. Die völkische Heilkunde wendete in solchen Fällen die „Hundshaar auflegen” Therapie an, d. i. es wurde angenommen, daß nur jenes Tier die Krankheit ver­drängen kann, welches diese verursacht hat. Deshalb wurde im alten Sibirien die Person, die ein toller Hund gebissen hatte, mit dem verbrannten Haar des tollen Tieres geräuchert, um wieder gesund zu werden. Aus der Arbeit von D. Zelenin wissen wir, daß die Sibirier gegen verschiedene Krankheiten aus den Knochen, der Haut, den Federn, dem Fell ver­schiedener Tiere gefertigte Amulette trugen. Spä­ter trugen sie Bilder dieser Tiere als Zierde und Schmuck, weil sie überzeugt waren, daß die böswillig, in Tiergestalt sich nahenden Dämonen, d. i. ihre Seelen, in diese als Falle dienenden Gegenstände gelockt und darin festgehalten werden können ; die Dämonen können sich dann nicht in den Körper des Men­schen einschleichen, um ihm Schaden zuzufügen. Die frühmittelalterlichen Völker Osteuropas — auch die landnehmenden Ungarn — und hauptsäch­lich die abergläubischen Leute des niederen Standes verfertigten solche Talismane. Die Gräber bewahrten die sorgfältig durchbohrten Knochenstückchen ver­schiedener Tiere, welche am Halse oder am Gürtel als Schutz gegen die eindringenden Krankheiten getra­gen wurden. Diese Knöchlein wurden einst offen­sichtlich mit der Überzeugung getragen, daß sie den, dem Menschen nahenden, oder sogar in sein Inneres sich einschleichenden bösen Geistern einen verlocken­den natürlichen Wohnort bieten. Auch gewissen Schmuckarten wurde die Eigenschaft der Abwehr gegen das Böse zugesprochen, weshalb diese Schmuck­stücke sehr beliebt waren. Als solche können die sogenannten Tierkopf-Armbänder angesehen werden, an deren beiden Enden Schlangen- oder Ungetier­köpfe einander entgegenschauten. Diese hielten eben jene unterirdischen bösen Kräfte fest, welche die zerstörenden Seuchen in ihrer Macht hatten. Wiewohl auch der Mensch dieser frühen Epochen versuchte mit Talismanen und Schmuckstücken, de­nen Zauberkraft zugesprochen wurde, das Böse ab­­zuwenden und die ihn ereilenden Krankheiten durch abergläubische Mittel zu beseitigen, mußte er doch erfahren, daß er aus den Krankheiten nicht immer durch eigene Kraft oder mit Hilfe seiner nächsten Umgebung genesen konnte. Wenn die Krankheit überhandnahm, mußte er die Vermittlung des Scha­manen in Anspruch nehmen. Dem Schamanen wurde das richtige Wissen der Heilkunde zugesprochen, — es war allbekannt, daß er sich mit den überirdischen Mächten in Verbindung setzen konnte, entweder da­durch, daß seine vom Körper abgespaltene Trance­seele das Geisterreich besuchte, oder daß er seine Hilfegeister zu sich beordnete. So konnte er die Natur der Krankheit und deren Dämon ermitteln und wissen, in welchem Körperteil dieser sich ver­steckt hatte, — und seine Beschützer berieten ihn sogar, wie die in Frage stehende Krankheit am besten verscheucht werden könne. Bei den eingedrungenen Krankheiten war es die Aufgabe des Schamanen das schädliche Wesen aus dem Körper des Kranken mit den Lippen auszusaugen, auszublasen, mit der Hand auszukneten, oder durch Drohungen, Zauberei oder Beschwörung auszutrei­ben. Es genügte jedoch nicht, den bösen Dämon aus dem Körper hinterlistig herauszulocken, er mußte vollständig erledigt werden. Dies hatte wieder seine eigenen Kniffe. Zum Beispiel wurde eine entsprechen­de Puppe des tierförmigen Krankheitsdämons ver­fertigt, der Dämon in diese Puppe gelockt und das Abbild, die Puppe, weit weggeworfen oder zerstört. Der böse Dämon konnte in einen Baum, in einen Stein überführt werden; eventuell wurde er in ein Haustier gebannt, welches dann weit verjagt wurde. Manchmal wurde der Krankheitsdämon in einen Topf, ein Geschirr, in einen Sack usw. eingesperrt und dann weggeworfen oder vergraben. Es kam auch vor, daß der Dämon in eine mit Lockspeise versehene Falle gelockt, oder mit Stricken symbolisch festge­nommen und hiernach, ebenfalls symbolisch, getötet wurde. Zur Heilzeremonie gehörte, daß der Schamane sowohl dem Kranken, wie auch dessen Angehörigen einredete, daß er die Krankenheit behoben hätte. Von den amerikanischen Medizinmännern wissen wir, daß sie den bereits unschädlich gemachten Krankheitsstifter in Form eines Käfers oder einer Feder vorzeigten, was handgreiflich beweisen sollte, daß ihre Zauberei erfolgreich war. Ähnlich taten die Schamane der paläosibirischen Giljaken, wenn sie einen Aussätzigen behandelten. Sie nahmen den Krankheitsdämon aus dem Aussätzigen in Form von kleinen Würmern heraus, warfen diese in ein Gefäß, welches dann von den Frauen vorsichtig verbunden und in die Erde vergraben wurde. Eigenartig ist, wie der Schamane der Jurak- Samojeden die Gemeinde davon überzeugt, daß er den Kranken geheilt hat, indem er nämlich die Krankheit in ein Renntier überführt. Aufzeichnungen berichten, daß er machmal eine ganze Truppe der Renntiere vernichtet, während ein Tier nach dem anderen solange gequält wird bis eines dieselben Symptome aufweist wie der Kranke, den man heilen will. Das muß geschehen, damit jeder zweifelsohne über­

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