Fitz Jenő (szerk.): The Celts in Central Europe - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 20. A Pannon konferenciák aktái 2. (Székesfehérvár, 1975)

J. Todorović: Dei Ethnogenese der Skordisker

Ebenso wie die anderen Kulturen dieser Zeit war auch die Kultur der Skordisker nicht statisch. Sie war sehr dynamisch schon deshalb, weil das Terri­torium deiser Stämme eine Brücke zwischen dem mittleren und südöstlichen Gebieten Europas bildete, wo die kulturellen Errungenschaften der einen und der anderen übertragen und abgelöst wurden. Wie sich in den Bezirken Mitteleuropas allmählich die La Tene- Kultur entwickelte, folgten auch die Skordisker die­ser Entwicklung, nahmen neue Elemente der materiel­len Kultur an, paßten sie manchmal den eigenen Bedingungen und den eigenen Bedürfnissen an. Sie übertrugen die Errungenschaften auch weiter und machten auf diese Weise im protohistorischen Zeitalter unseres Landes aus ihren Territorium einen Brennpunkt neuer kultureller und ökonomischer Veränderungen und Errungenschaften. Ob das Eindringen des Stammes der Zimber diesen Prozeß verzögerte oder ob es ihn vielleicht beschleu­nigte, darüber ist es schwierig etwas Bestimmtes zu sagen. Nach den Erkenntnissen, die die archäologi­schen Funde bieten — in historischen Quellen sind leider überhaupt keine Angaben zu finden — kann geschlossen werden, daß es in dieser Zeit zu keiner größeren Stagnation der Produktionskräfte gekom­men war. Im Gegenteil, im 1. Jahrhundert ist der materiellen Kultur ein neuer Aufschwung in der Waffenproduktion sichtbar. Es ist klar, daß die Skordisker sich damals besonders auf die Waffener­zeugung verlegten, nicht nur wegen des Einbruchs der Zimber und sogar auch der Dazier, die zur Zeit Bojrebistas fast das ganze Territorium der Skordisker erobert hatten, sondern wegen eines viel stärkeren Feindes, wegen der Römer, die von Süden gegen die Donauniederung vordrangen. In dieser Zeit wurden in Mazedonien und in Thrakien Zusammenstösse mit römischen Legionen, die auch bis zur Donaugegend vordrangen, immer häufiger. Das war auch der Grund aus welchem die Skordisker in Unterpannonien immer neue und größere Werkstätten für Waffenerzeugung eröffneten und so die metallurgische Grundlage, die ihnen unumgänglich notwendig war, vergrößerten. Die historischen Quellen weisen nicht eindeutig darauf hin, daß die Skordisker unter der Macht der Dazier geständen hätten, aber es ist eine klare Tatsache, daß dazisches Material einer bestimmten Zeit auf vielen Lokalitäten in der Donaugegend ver­breitet ist. Dieser Horizont kann sehr gut in die Zeit eingefügt werden, da Bojrebista wahrscheinlich das gesamte Gebiet der Skordisker eingenommen hatte. Zur gleichen Zeit wurde dieses ganze Gebiet auch von einer großen dazischen Wanderung erfaßt und als Sieger hatten die Dazier auf diesen Territorium das Primat, so lange bis ihre Herrschaft dauerte. Wie das Verhältnis zwischen Daziern und Skordiskern in dieser kurzen Zeit der dazischen Herrschaft sich gestal­tete, darüber sprechen die historischen Quellen nicht. Die archäologischen Funde zeigen, daß sie in einer Gemeinschaft lebten, in der beide Teile ihre Traditio­nen und eigene materielle Kultur pflegten und be­wahrten. Nach der Niederlage Bojrebistas kehrten die Skordisker zurück, so daß ein Teil der dazischen Bevölkerung auch weiter auf dem Gebiete des Staates der Skordisker verblieb und der andere sich wahrscheinlich assimilierte, besonders später in der Bildung der römischen Provinzen und der beschleu­nigten Romanisierung in dieser Periode. Das Eindringen der Zimber und die Herrschaft oder die Anwesenheit der Dazier haben sicherlich die weitere Entwicklung der Skordisker verzögert. Glücklicherweise waren diese Veränderungen nur von kurzer Dauer, besonders der Vorstoß der Zimber, der auf die Veränderungen bei den Skordiskern keinen größeren Einfluß ausübte. Ungeachtet der Intensität und der Dauer dieses Vorstoßes ist es sicher, daß er sich auf gewisse Weise doch auf die ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Geschehnisse dieser Zeit ausgewirkt hat. Als neu gebildete und gut organisierte Stammge­meinschaft waren die Skordisker in ihren Auffassun­gen nicht konservativ und lebten nicht isoliert von ihren näheren und entfernteren Nachbarn. Sie paßten sich sehr rasch an, und wenn es zu ihrem Vorteil war, übernahmen sie Elemente fremder Kulturen und fügten sie in ihre eigene ein, wobei sie doch auf den dominierenden Einfluß der eigenen, keltischen Ele­mente, Auffassungen und Ideen achteten. Auf diese Weise wurden sie zur Triebkraft der neuen La Tène- Kultur in den zentralen Teilen der Balkan-Halbinsel. So schufen sie sich eine stärkere und bessere natio­nale Reputation in diesen Gebieten. Die Skordisker, deren Kulturgrundlage keltischen Ursprungs war, haben etwas vom Pankeltismus bewahrt, der bei den keltischen Stämmen in ganz Europa stark entwickelt war, und die Priesterschaft, die geistigen Schöpfer und die geistigen Anführer dieser Bewegung, regten sie zu weiteren Zügen und zu weitern Eroberungen an. Sie haben viel dazu bei­getragen, daß sich die Skordisker organisatorisch, kulturell und geistig umbildeten und so eine ethnische Stammgemeinschaft schufen mitsehr breiten und viel­versprechenden Möglichkeiten. Im 3. Jahrhundert vor der n. Ä. hat sich aus einfachen, koexistierenden Einzelkulturen und einer späteren Symbiose die Kultur der Skordisker in eine einheitliches Kultur­bereich mit einem einheitlichen Ethnos transformiert, das einen langen Weg seiner Formierung zurück­gelegt hatte. Dieser Weg war nur in einer so hete­­rogänen ethnischen Maße möglich, in der die ökono­mische Basis die einzige Bindung, die sie zu jener Zeit zusammenhielt, vorstellte. Auf einer so festen Grundlage konnte eine neue politische Macht auf­gebaut werden, die materielle und geistige Kultur der Skordisker. Beograd J. Todorovic 218

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