Fitz Jenő (szerk.): The Celts in Central Europe - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 20. A Pannon konferenciák aktái 2. (Székesfehérvár, 1975)
K. Peschel: Zum Flachgräberhorizont de Laténekultur in Thüringen
Derivaten später Frühlatènefibeln den ersten nachhaltigen Einfluß der Latènekultur auf das Jastorfgebiet erkennen. Es verdient festgehalten zu werden, daß dieser Einfluß nicht aus der Ferne wirkte, sondern von Randgebiet zu Randgebiet übertragen wurde und dann natürlich zeitlich mit der Blüte der thüringischen Latènekultur keltischer Prägung zusammenfällt. Daraus folgt, daß die Aufnahme von Latèneerzeugnissen in die Peripherie des engeren Jastorfkreises und deren Weiterverarbeitung nicht als das Ergebnis eines verzögerten Ausgleiches angesehen werden darf. Sie geschah vielmehr sehr bald, nachdem der näehstgelegene, der Latènekultur noch zugehörige Wirtschaftsraum eine entsprechend breite Produktivität entfaltet hatte. Das war mit der Stufe Latène B2, das [heißt im Verlauf des 3. Jh. v. u. Z., der Fall. Früher hätte der Anstoß von hier aus gar nicht erfolgen können. Neben der thüringischen Variante des Pufferhalsringes sei eine weitere Gattung des Ringschmuckes hervorgehoben, die innerhalb der thüringischen Körpergräberzone umgeformt wird, den Randbereich der Jastorfkultur erreicht und bereits östlich des Harzes in abgewandelter Form auftritt, ohne allerdings die gleiche Ausstrahlungskraft auf den Norden zu erlangen wie jene Halsringe. Es handelt sich um den von M. Claus beschriebenen Armring mit Wulstgruppendekor(42). Wir haben diese Schrnuekform auf der Karte (Ahb. ö) neben den Halsringen dargestellt, da sie die gleiche späte Datierung erfordert und aus ihrer Verbreitung als einer Spielart der thüringischen Gruppe der Weg in die Brandgräberzone ebenso eindringlich abgelesen werden kann. Den Ausgang bilden hohle Ringe mit Stöpselverschluß, wie etwa jener von Einhausen, Kr. Meiningen, Grab 3(43), die solchen in den nord westalpinen Flachgräbern ähneln(44). Im Orlagau gelangt sodann ein massiver Ring zur Geltung. Er ist offen, doch ahmen die Enden mitunter den Verschluß an Hohlringen nach, somit die Abkunft verratend. Der Dekor entspricht dem der Hohlringe. Auf der Schauseite wechseln sich kreuzende Diagonalen ab mit einfachen Querbändern, das Ganze leicht plastisch, daneben auch nur geritzt und flach(45 *). Dagegen entfernen sich jene Ringe, die flußabwärts streuen, von der unteren Saale her den Harz umgeben und darüber hinaus bis zur Mittelelbe vorstoßen, ohne jedoch den nördlichen Kartenrand (42) M. Claus, Bronzefunde von der Pipinsburg bei Osterode/Harz und ihre Verbreitung. Alt-Thüringen, VI (Festschrift G. Neumann), 1962/1963, 361 —366, 368 —369; K. Nuglisch, o.c., JM, LIII, 1969, 379, 407. (43) Cf. G. Neumann, o. c., WZJ, V, 1955/56, 528, 533, Abb. 4,10; M. Claus, o.c., Alt-Thüringen, VI, 1962/ 63, 362, Abb. 3,6, 364; unsere Abb. 6,48. (44) Etwa Andelfingen, Grab 14 —Latène Ic, cf. D. Viollier, o. c., Anzeiger für Schweizerische Altertumskunde, NF, XIV, 1912, 35, Pl. V, 9. (45) Cf. G. Neumann, o.c., WZJ, V, 1955/56, 534; M. Claus, o.c., Alt-Thüringen, VI, 1962/63, 362 — 364, Abb. 3. gegenwärtig zu überschreiten, im Dekor beträchtlich von den südlichen Vorbildern. Mitunter weicht das klare System, ähnlich wie an den Halsringen, einer eher ungeordneten Reihung der einzelnen Elemente. An die Stelle der Kreuzwülste können einfache, schräglaufende Wülste treten. Mit der Aufnahme fetter S-Spiralen in den Dekor kündigt sich der plastische Stil an. Daneben gibt es auch unter den nördlich verbreiteten Ringen eine bloß gravierte Spielart (4,i). Wenn wir es für die Charakterisierung der Stufe Latène B2 bei diesem Umriss bewenden lassen müssen, so dürfte dennoch klar geworden sein, daß sich in beiden Siedlungsschwerpunkten, an der Werra einerseits und im Saalebogen nordöstlich des Thüringer Waldes andererseits, ein weithin isoliertes keltisches Wirtschafts- und Verkehrsgebietf47) herausgebildet hatte, dessen kunsthandwerkliches Schaffen allmählich erstarkt war und das jetzt wirkliche Selbständigkeit erlangte. Damit ist auch die letzte der eingangs gestellten Fragen positiv beantwortet. Es konnten Wurzeln der Flachgräberkultur im Umriß aufgezeigt werden. Es konnte weiter auf eine innere Entwicklung aufmerksam gemacht werden, die gleichermaßen aus einheimisch-nordostbayerischer Latène-A-Tradition wie aus den mit dem westrheinischen Gebiet verbundenen Anregungen erwächst. Dabei blieb eine so stark der örtlichen Trachtsitte unterworfene Eigentümlichkeit, wie die Weiterverwendung der Schmucknadel noch während Latène IR, ganz unberücksichtigt!48). Ein wichtiges Nebenergebnis mag darin bestehen, daß die kurzlebige Produktivität der thüringischen Gruppe die Durchdringung der Jastorfperipherie mit Formen und Formenmerkmalen gerade der letzten Frühlatènestufe — aber keiner vorher — einleuchtend erklärt. An die Stelle einer Zusammenfassung möge ein Schema treten, welches die Abfolge der Altertümer aus der Körpergräberzone Thüringens insgesamt wiedergibt (Abb. 6). Es will als Arbeitsgrundlage für künftige Forschung, keineswegs als starres Gerüst angesehen werden. Gut läßt sich als Ganzes die Stufe Latène A abheben, allerdings nur dann, wenn man, wie hier geschehen, der Diskussion um das mögliche Weiterleben von Hallstattformen aus dem Wege geht. Während der Stufe Latène A setzt die beschribene Gruppe ein, an welcher Stelle, das bleibt offen, (46) Nicht vollständige bildliche Übersicht bei M. Claus, o. e., Alt-Thüringen, VI, 1962/63, 361, Abb. 2; cf. auch K. Nuglisch, o. c., JM, LIII, 1969, 380, Abb. 2, a — c; unsere Abb. 6,47. (47) Zum Begriff R. v. Uslar, Archäologische Fundgruppen und germanische Stammesgebiete vornehmlich aus der Zeit um Christi Geburt. Zur germanischen Stammeskunde, Darmstadt 1972,149 ;J. Herrmann, Archäologische Kulturen und sozialökonomische Gebiete. Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift, VI, 1965, 97- 128. (48) Zuletzt G. Jacobi, Frühlatènezeitliche Tutulusnadeln vom Dünsberg. Fundberichte aus Hessen, Beiheft I (Festschrift W. Dehn), 1969, 69 — 84, cf. auch unsere Abb. 6, 50, 51. Die Stücke wohl Haarnadeln 14* 211