Fitz Jenő (szerk.): The Celts in Central Europe - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 20. A Pannon konferenciák aktái 2. (Székesfehérvár, 1975)
P. Ratimorská: Besonderes angelegte Gräber auf keltischen Gräberfeldern der Slowakei und ihre gesellschaftliche Bedutung
Oberschlesiens)(13). Bei der Freilegung eines Lausitzer Gräberfeldes in den Jahren 1956—1971 wurden auch 20 keltische birituelle Gräber erschlossen. Am Rande der keltischen Skelettgräber wurde ein quadratischer Graben von ungefähr 8 m Seitenlange mit zwei Pfostenlöchern im Innenareal festgestellt; die Pfosten hatten höchstwahrscheinlich eine Funktion bei einer Art Überdachungskonstruktion gehabt. Ein Grab wurde im Innenareal nicht beobachtet. Zum Unterschied von den vorigen Beispielen diente der quadratische Graben zur Umgrenzung eines Kultplatzes, der mit der Bestattung in deisem Gräberfeld zusammenhing. Zusammenfassit ng Wie aus den angeführten Beispielen hervorgeht, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, weisen in diesem ostkeltischen Bereich die Gräber mit quadratischem oder kreisförmigem Graben einen direkt auffallenden Charakter auf und mit ihren Ausmaßen und ihrer Ausführung repräsentieren sie eine gewissermaßen allgemeine, stabilisierte Form. In allen aufgezählten Gräbern befindet sich in der von dem Graben umschlossenen Fläche immer nur ein einziges Grab, mit Ausnahme des unvollständigen dreiseitigen Grabens beim Grab 86 vonPalárikovo mit leerer rechteckiger Grube ohne Bestattung. Alle Gräber enthielten Bestattungen entweder von Kriegern mit der Ausrüstung von Schwert, Lanze und Schild, oder von Frauen, eventuell Kindern. Die Gräber liegen ungefähr in der Mitte der umgrenzten Fläche. Diese grabenumsäumten Gräber bilden in gräßeren abgedeckten Gräberfeldern deutliche Gräbergruppen (Bajc —Vlakanovo, Horny Jatov —Trnovec nad Váltom, Palárikovo). Eine weniger ausgeprägte Gruppe repräsentieren die Gräber nur mit einem Holzeinbau im Grubenschacht. In einigen Gräberfeldern tragen sie jedoch dasselbe Gepräge wie die vorher angeführte Gräbergruppe. Es wechseln in ihnen ebenfalls Gräber von Kriegern und reichere Frauengräber, eventuell Kindergräber ab (Maria). Aus den deutlich erkannten holzverkleideten Grabgruben, z. B. in Mana, geht hervor, daß die Technik des Holzeinbaues hier genau so ist wie in Palárikovo und in anderen keltischen Gräberfeldern. Es sind auch Ausuahmen zu verzeichnen, wie z. B. Grab 60 von Bajé —Vlkanovo, das außer der H olzverkleidung am der Oberfläche noch eineVierpfostenkonstruktion hatte, wahrescheinlich von einer Art Überdachung. Die geringe Zahl gut untersuchter Gräber mit besonderer Gestaltug der Grabgrube mahnlin zur Vorsicht vor Verallgemeinerungen und von endgültigen Schloßfolgerungen. Trotzdem können wir schon heute die Ansicht äußern, daß die traditionellen, vielseitigen religiösen und kultischen Bräuche der Kelten in den angeführten Gräbern sogar auffallend einheitlich ist, was nicht nur auf alte Traditionen zurückzuführen ist, sondern hauptsächlich auf das gegebene gasells-(13) M. Gedl, Celtowie nad Troja. Z otchlani wieków, XXXIX, 1973, 91 -97, Abb. 8,9. haftliche Sein der Kelten in den besetzten Gebieten. Der Heroen —Kult des Frühletène —Zeit scheint sich hier gewissermaßen im Kult einer führenden aristokratischen Militärschicht und ihren Familienangehörigen, eventuell einer Priesterschicht, realisiert zu haben, den wir im Bestattungsritus der Kelten noch nicht ausreichend kennen. Keinesfalls können wir das Vorkommen der gennanten Gräber von Palárikovo und anderer Gräberfelder nur als den Niedersehtag religiöser Anschauungen über das Jenseits erklären. Wir werden der Wahrheit nicht allzu ferne stehen, wenn wir sagen, daß die führende Kriegerschicht, die vährend der keltischen Expansion und bei der Besetzung neuer Siedlungsgebiete eine wichtige Rolle gespielt hatte, nicht nur ihre besondere machtpolitische Stellung beibehielt, sondern sie noch auf Kosten des einfachen keltischen Volkes festigte. Die Gräbergruppe mit quadratischem oder kreisförmigem Graben von Palárikovo (Gräber von Krieger, Frau und Kind) läßt die Vermutung zu, daß bereits in dieser Epoche eine privilegierte kriegerschicht existierte, die sich größere Rechte anmaßte, als sie ihr das alte Gentil- und Stammessystem gestattete. Did stammesmäßige Aufsplitterung der Kelten in den besetzten Gebieten beschleunigte zweifellos den Zerfall des Patriarchats und führte zur Entstehung von höheren Stammesgebilden von jener gesellschaftlichen Form, wie wir es aus den späteren Berichten des G. Julius Cäsar über Gallien erfahren)14). Einer solchen Situation entspricht auch das stark entfaltete Handwerk und der Handel, die nicht mehr Stammes- und Sippenterritorien respektierten; der hinzukommende Geldhandel hat diesen Entwicklungsprozeß beschleunigt. Die Prägungen der einheitlichen Silbermünze vom Typus Biatec im Gebiete der Slowakei, die in einer kurzen Zeitspanne die verhältnismäßig hohe Zahl von 16 Namen keltischer Führer aufweist, führt zur berechtigten Annahme, daß wir es hier zwar nur mit einem einzigen Volk zu tun haben, welches jedoch in kleine territoriale und machtpolitische Einheiten aufgeteilt war, die wohl kaum die ursprüngliche sippenmäßige Gruppierung repräsentiert haben)13). In den Gräbern mit quadratischem oder kreisförmigem Graben, eventuell in den Gräbern mit Holzeinbauten, auf die wir in Kürze hingewiesen haben, sehen wir vor allem Repräsentanten einer bewaffneten führenden Bevölkerungseinheit und deren Familienangehörigen, die sich nicht nur in ihrer Lebensweise, sondern auch mit dem Bestattungsritus von den übrigen Schichten der keltischen Bevölkerung absonderte. Von den angeführten Beispielen ausgehend, kommen wir zu der Überzeugung, daß die Kelten der Lat éne — Zeit eine soziale Organisation hatten, die dem Übergang von der militärischen Demokratie zum Stammessystem enstprach(16). Nitra B. Benadik (14) C. Julius Ceasar, Zápisky o válce galské. Praha, 1964, 11. (15) V. Ondkouch, Keltáké mince typu Biatecz Bratidavy. Bratislava, 1958, 9, 151 — 153. (16) Ibid., 152, 153. 101