Fitz Jenő (szerk.): Die aktuellen Fragen der Bandkeramik - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 18. A Pannon konferenciák aktái 1. (Székesfehérvár, 1972)
O. Höckmann: Fejtegetések a vonaldíszes kerámia vallásáról és kultuszéléetéről
ders an, der ín 7 m Tiefe in Vinca gefunden wurde<l8). Während mir aus Vinca allein diese sitzende Männerfigur bekannt ist, erscheinen stehende Männer — durchwegj kleiner und schlichter gestaltet als die gleichzeitigen Frauenstatuetten — im Laufe der Stufe Vinöa B2 — CI in relativ großer Zahln<J). Die Ausbreitung des Themas männlicher Figuren nach Nordwesten erscheint auf dieser Grundlage verständlicher als eine Expansion auf der Basis der vereinzelten Sitzfigur aus Stufe Bl, und auf dieser Linie liegt auch, daß die linearkeramischen Belege (soweit datierbar) der jüngeren Stufe dieser Kultur angehören. Die ausgezeichnet qualitätvollen Männerstatuetten der moravaländischen Stufe Vinca D18 19 (20) können in den Vergleich nicht einbezogen werden; sie sind zu jung, als daß sie die linearkeramische Plastik hätten beeinflussen können. Die Existenz von Männerfiguren läßt denkbar erscheinen, daß die Linearkeramik Hieros-Gamos- Vorstellungen kannte, und hierauf läßt wohl auch die drastische Haltung des weiblichen Torso A 51 aus G r ü b e r n schließen. Wesentlich ist, daß sich die sporadischen Funde männlicher Statuetten auf alle Großregionen der Kultur verteilen: das Thema scheint überall bekannt gewesen zu sein. Regionale Unterschiede deuten sich demgegenüber in der Auswahl der erhaltenen Statuettenbruchstücke an : in einer an Gesetzmäßigkeit grenzenden Häufigkeit werden im ungarisch-tschechoslowakisch-mitteldeutschen Raume Torsi oder Kopfbruchstücke gefunden, während im Westgebiet — abgesehen von den nicht ganz eindeutigen, doch frühen Arnifragmenten (A 56, 63) sowie den Torsi A 57 (Butzbach) und A 78 (Rosheim) — Bein- oder Unterteilfragmente gefunden wurden. Aus dem süd- und westdeutschen Raum sind nur zwei oder drei Köpfe bekannt, die zu Idolen gehört haben. Wenn das Fragment A 76 (Abb. 12) aus H ö n h e i m ein Kopf ist, wäre es als Rundkopf zu deuten. Die beiden Fundstücke A 54 (Zilgendorf, Abb. 11). und A59 (Offenbach- Rumpenheim, Abb. 7) hingegen vertreten einen anderen, recht ungewöhnlichen Typ, der ein wenig an die „Vogelköpfe” in der jüngeren Vinöa-Kultur erinnert, aber als Variante der normalen Dreieckköpfe gelten kann. Zilgendorf liegt unfern vom Verbreitungsgebiet dieses Typs, und der Offenbacher Kopf ist jenem so ähnlich, daß unmittelbare Beziehungen wahrscheinlich sind. Vielleicht ist es kein Zufall, daß gerade diese beiden Fragmente von „östlicher” Form auch die im Ostgebiet gängige Deponierungsweise bezeugen. — Abgesehen hiervon, sind mir aus dem Westgebiet keine Kopffragmente bekannt, und wenn man die klare regionale Abgrenzung beider Fundtypen in Betracht zieht, kann man die unterschiedliche Auswahl der in Siedlungen gefundenen Idolfragmente wohl nur mit sehr großen Vor(18) M. M. VASlC, Preistoriaka Vinöa, Beograd 193(3, Bd. III, Nr. 590. (19) Verf., JRGZM 12, 1965, 7; o. c„ bes. 55 f., 58. (20) Verf., o. c., 74. behalt auf einen Zufall züruckführen. Wir möchten darin den Ausdruck eines Brauchtums sehen, Figuren absichtlich zu zerbrechen und nur einen bestimmten Teil davon innerhalb der Siedlung zu deponieren <21). Wo die fehlenden Teile hingelangt sind, wird nur ein glücklicher Zufall klären können. Wurden sie vielleicht zur „magischen Befruchtung” im Acker vergraben? Fest steht allein, daß sie nicht als Grabbeigabe verwendet wurden. — Ähnliche Bräuche können auch für südosteuropäische Neolithkulturen angenommen werden. So ließ sich beispielsweise nur ein verschwindender Bruchteil der weit über 1000 Idole von Vinca aus den Bruchstücken ergänzen, obgleich ein nennenswerter Teil der Siedlung ausgegraben wurde<22). Vermutlich hat die linearkeramische Kultur diese Fragmentierungsriten zusammen mit der Idolplastik selbst aus Südosteuropa übernommen. Die imposantesten Kultgegenstände der linearkeramischen Kultur sind Gefäße in Form menschlicher Figuren (Liste B). Der Typus, der sich in stehende (B 1, 4, 10, 11/?/-Abb. 8) und thronende Figuren gliedert — wahrscheinlich gehören auch einzeln gefundene „Throne” zu solchen Figurengefäßen (B 2, 3, 6 — 9) — hat Entsprechungen in den stehenden<23> bzw. thronenden*241 Figurengefäßen des Proto-Lengyel-Horizonts in Vinca, die allerdings recht spät datiert sind, um als Vorbilder in Frage zu kommen. Doch zeigt ein Gesichtsgefäß aus der frühen Stufe Bl (vgl. Anm. 41), das Formengut der Zselizer Gesichtsgefäße vorwegnimmt, vielleicht die Möglichkeit an, daß auch thronende und stehende Figurengefäße bereits in der älteren Vinöa-Kultur vorhanden waren. — Während der Spätzeit hat die Theisskultur, die prächtige „Venusfiguren’’-Gefäße kennt<25), nochmals Anregungen nach Norden weitergegeben*26 к Dies zeigt sich besonders deutlich an dem „Thron” В 2 von Bina, der nach seinem Dekor zu urteilen ein Import aus der Theisskultur ist.*27’ Bisher einmalig ist eine halb liegende Statuette aus K o m í n (В 5), die anstelle des Kojifes ein flaches Schälchen trägt. Vielleicht ist das Motiv von Kultgefäßen mit Sekundärschälchen entlehnt, die H. Quitta*28 * auf balkanische Vorbilder zurückführt. Der Großteil der Figurengefäße konzentriert sich auf den ostbandkeramischen Raum*29*. Wenn ostbalkanische Parallelen und Befunde aus der Theisskultur auf die linearkeramische Kultur übertragen werden dürfen, kann vermutet werden, daß die Figurenge(21) Verf., о. c., JRGZM 12, 1965, 4. (22) Verf., o. c., bes. 142 ff. (23) M. M. VASlC, o. c., Bd. I, Beograd 1932, Nr. 89-90. (24) Ibid Nr. 103. (25) Zusammenstellung (soweit publiziert): JRGZM 13, 1966, 21 ff. Nr. 1, 3 (?), 10, 30-32, 37 (?), 43. (26) G. 6EHM — BLANCKE, in: Varia archaeologica W. Unverzagt zum 70. Geburtstag dargebracht. Berlin 1964, 39 ff.; JRGZM 12, 1965, 9 f. (27) J. PAVŰK, SlovArch 17, 1969, 350. (28) Hierzu: H. QUITTA, Jahresschrift für mitteldeutsche Vorgeschichte 46, 1962, 47 ff. (29) Verf., o. c„ 115, 126, 128. 190